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Berlinale-Tagebuch #6

Wie Hossein Amini & Viggo Mortensen den Tag retteten

12.02.2014 - 08:50 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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Berlinale-Tagebuch, die Sechste
© Studiocanal / Independent Artists
Berlinale-Tagebuch, die Sechste
Berlinale-Tag 6 war ein Problemtag. Nicht etwa, weil sich mir unerwartete Hindernisse in den Weg stellten, sondern die drei Wettbewerbsfilme an einigen Problemen krankten. Nur Hossein Amini und Viggo Mortensen hatte ich ein glückliches Ende zu verdanken.

Ich war sehr gespannt an diesem Morgen, stand doch der vierte und letzte deutsche Beitrag im Wettbewerb der Berlinale auf dem Programm: Zwischen Welten. Gespannt war ich vor allem deshalb, da ich vor Kurzem erst eine News über den ersten Trailer zum Film schrieb und merkte, dass dieser Film mich interessierte. Selbe Zeit, selber Ort, hieß es für mich. Theoretisch könnte ich mal mit jemandem vom Personal reden, um mir diesen Slogan nach den ersten beiden Vorstellungen, die immer im Berlinale-Palast stattfinden, zurufen zu lassen. Ich seh mich, im Foyer stehend, während man mir nachschreit: „Hey Philipp, morgen selbe Zeit, selber Ort?“, welches ich mit einem lässigen Nicken und Mundzucken à la Clint Eastwood bestätigen würde. Kurzum: ich saß auf dem oberen Rang, versuchte meine Beine so gut es geht auszustrecken und wartete gemeinsam mit Stefan auf den Beginn von Zwischen Welten.

Zwei Stunden später war ich um eine Erfahrung reicher, nicht gerade im positivsten Sinne. Der Film von Regisseurin Feo Aladag behandelt ein ungemein spannendes Thema: Die Verbindung zwischen einem Bundeswehrsoldaten und einem afghanischen Übersetzer mitten im ehemaligen Kriegsgebiet. Der Film hat seine guten Momente, vor allem dann, wenn mit schonungslosen Situationen der Einfluss der Taliban in diesem Gebiet gezeigt wird – Szenenbeschreibungen lasse ich aufgrund der Spoiler-Gefahr hier einmal aus. Doch der Film packt mehr Probleme an, als er verarbeiten kann und will. Jene genannte Beziehung zwischen den beiden Protagonisten hätte den Film locker tragen können. Der österreichischen Regisseurin war dies wahrscheinlich zu wenig. Also fügt sie dem Soldaten eine traumatisierende Familiengeschichte hinzu, welche in jeder Situation zum Tragen kommt und von seinen Untergebenen hinter vorgehaltener Hand kritisiert wird. Apropos andere Figuren: Sie führen eine friedliche Koexistenz neben den beiden Darstellern, ohne auch nur annähernd einmal mit Persönlichkeit ausgestattet zu werden. Es zeigt sich wieder einmal, dass der deutsche Beitrag viel erklären will, dabei aber die Unterhaltung des Zuschauers das eine oder andere Mal außer Acht lässt.

Im Anschluss rannte ich kurz in das nächstgelegene Geschäft, um mich mit Koffein auszustatten. Schrieb ich nicht gestern, dass das Red Bull-Zeug dabei wenig bringt? Warum habe ich nicht auf mich gehört? Ich kaufte mir das Getränk, leerte es und wartete vergeblich auf eine Wirkung. Nun gut, die frische Luft tat dabei weitaus Besseres. Bei unserem heutigen Videodreh mit Christian, Stefan und Sebastian traten wir ein wenig aufs Gaspedal, um euch nicht wieder 20 Minuten vollzuquatschen. Also sprachen wir kurz über Alain Resnais und Life of Riley, um anschließend unsere Berlinale-Tipps zum Besten zu geben. Das Video könnt ihr euch wie immer oben ansehen. Danach zog es uns in alle Himmelsrichtungen oder besser: in die unterschiedlichsten Filme. Ich ging wieder zurück in den Palast, nahm die gewohnte Position ein und sah mir Futuro Beach an.

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