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Berlinale-Tagebuch #5

Wenn Stellan Skarsgård zum Action-Helden wird

11.02.2014 - 08:50 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
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Berlinale-Tagebuch, die Fünfte
© Le Pacte / Neue Visionen Filmverleih
Berlinale-Tagebuch, die Fünfte
Berlinale-Tag 5: Es ist Halbzeit, doch die Filmfestspiele fühlen sich schon wie eine halbe Ewigkeit an. Die Hälfte bedeutet aber auch, dass es noch lange nicht vorbei ist und noch mehr spannende Filme warten. Heute übernahm diese Funktion Kraftidioten.

In einigen Berlinale-Momenten bereue ich es, dass ich mir nie anerzogen habe, Kaffee zu trinken. Ja, Geständnis des Tages: Ich trinke keinen Kaffee. Oder Cappuccino. Oder was es dort alles gibt. Dennoch bin ich mittlerweile an einem Punkt, an dem mir Koffein ganz gut tun würde beziehungsweise an dem es mich tatkräftig unterstützen könnte. Ich schrieb mir daher umgehend eine Notiz in meinen Terminkalender: Club-Mate kaufen. Situationsbedingt schob ich heute einen kurzen Tag dazwischen und beließ es bei drei Filmen: Blind Massage, Einer nach dem anderen und Life of Riley – alles drei Wettbewerbsfilme.

Ich gab Herrn Waltz – es wird zum Running Gag meiner Berlinale – am Morgen erst einmal eine Auszeit von mir und habe mich auf die oberen Ränge im Berlinale-Palast gesetzt. Da die ersten beiden Pressevorführungen des Tages immer in diesem heiligen Gebäude stattfinden, hätte ich einfach sitzen bleiben können, wenn ich die Filme eh hintereinander schaue. Aber nein, Vorschrift ist Vorschrift und die erscheint in Form diverser netter Damen, die einen dann bitten, doch ins Foyer zurückzukehren. Vorher sah ich aber erst einmal den chinesischen Beitrag Blind Massage. Der Titel verrät es fast: Es geht um sehbehinderte Menschen, die in einem seriösen Massagesalon arbeiten und zu einer ganz besonderen Form der Familie zusammenwachsen.

Es ist letztgenannter Punkt, der den Film in jedem Fall sehenswert macht. Die Probleme, die der Film thematisiert – seien es Liebeskummer, Geldschulden oder der fehlende Heiratssegen der Eltern – sind Schwierigkeiten, die sich nicht auf bestimmte Menschen festlegen lassen. Blind Massage zeigt dabei mit einem interessanten Kamera-Stil, dass auch Blinde die gleichen Probleme erfahren. Vor dem Schicksal wird niemand bewahrt und so muss beispielsweise Dr. Wang die Kreditschulden seines Bruders bezahlen und der Protagonist Ma mit der zurückgewiesenen Liebe von Wangs Verlobten Kong umgehen. Ich kann leider mit den eher experimentell-eigenwilligen Bildern, die sich vor allem auf die Figuren beschränken, ohne dass der Zuschauer erfährt, was sich um sie herum abspielt und wo sie sich befinden, weniger anfangen und fand den Film auch zu spannungsarm, doch die Figuren verhelfen dem Film zu einer einfühlsamen Note. Vor allem der Zusammenhalt und das gemeinsame Leben schaffen aus der bunten Truppe mit der gemeinsamen Behinderung eine Art Ersatzfamilie.

Als ich nach der Sichtung das Foyer betrat, staunte ich nicht schlecht, als bereits Leute für die nächste Vorführung, Kraftidioten, anstanden. Ich gebe zu, dass mich solche Schlangen im Vorhinein schon etwas nervös machen, da mich immer die leichte Panik befällt, es nicht mehr in den Film zu schaffen. Gerade heute, wo es doch in der einstündigen Pause zwischen den beiden Vorführungen einiges zu erledigen galt. Zuerst marschierte ich direkt ins Presse-Zentrum der Berlinale, um mir eine limitierte Presse-Karte für eine Vorstellung, zu der es keine zuästzliche Akkreditierten-Vorführung gab oder diese schon stattgefunden hatte, zu besorgen. Entgegen aller Vorankündigungen betrat ich einen menschenleeren Raum. Zufrieden trat ich auf die Empfangsdame zu, die mir dann allerdings mitteilte, dass der Ticket-Counter um die Ecke sei. Ihr dürfte natürlich zweimal raten, was mich dort erwartete: Journalisten, Millionen Journalisten. Also alles wie immer. Ich reihte mich ein, in der Hoffnung, noch eine Karte für die heutige Vorstellung von Die zwei Gesichter des Januars zu bekommen. Ich rechnete mir, in Anbetracht der Menschen, allerdings kaum Chancen ein. Als der Zuständige mir mitteilte, dass es noch möglich ist, schien ihn meine überschwängliche Begeisterung darüber etwas zu irritieren.

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