Was Planet der Affen besser macht als die meisten anderen Reboots

Planet der Affen: Prevolution/Planet der Affen: Revolution/Planet der Affen: Survival
© Twentieth Century Fox
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Die unter Kritikern und Zuschauern gleichermaßen beliebte Reboot-Trilogie um den Planet der Affen hat mit Planet der Affen: Survival ihren Abschluss gefunden. Gestern lief der letzte Teil des Affen-Epos' in den deutschen Kinos an. Für mich war nach der Sichtung der drei Teile klar: Diese Filme sind etwas Besonderes, vor allem im Vergleich zu anderen Big Budget-Produktionen, die gerade im Sommer um unsere Aufmerksamkeit heischen. Doch was hebt Planet der Affen: Prevolution, Planet der Affen: Revolution und Planet der Affen: Survival rund um den intelligenten Schimpansen Caesar von den vielen Reboots, Remakes und Sequels ab, die sonst die Kinos bevölkern?

Wie man CGI richtig einsetzt

Beginnen wir mit einem Aspekt der Reboot-Reihe, der sich die ganze Zeit vor unserer Nase befindet, ohne dass wir richtig Notiz davon nehmen: das CGI, also die Computer generierten Bilder. Denn was wir als Zuschauer letztendlich auf der Filmleinwand bestaunen dürfen, sah bei den Drehs am Set noch ganz anders aus:

Für die Neuauflage des Planet der Affen-Stoffes wurden die Techniken des Motion-Capture-Verfahrens und CGIs kombiniert. Deshalb agieren hier zunächst Schauspieler wie Andy Serkis, leihen ihren Figuren Bewegungen, Stimme und Emotionen, um im zweiten Schritt von vielen Animatoren zu leibhaftigen Affen verwandelt zu werden. Mit diesem Verfahren hat es die Trilogie geschafft, mittels computergenerierter Figuren Millionen von Kinobesuchern zu berühren und sie mit seiner Hauptfigur mitfiebern zu lassen. Eine der bekanntesten Figuren, die auf diese Weise entstanden, ist Gollum (ebenfalls verkörpert von Serkis) aus der Herr der Ringe-Trilogie. Der Unterschied ist aber, dass Caesar als Identifikationsfigur funktionieren und die gesamte Geschichte tragen muss, während Gollum eine ambivalente Nebenfigur darstellt.

Das Featurette erklärt das Konzept genauer:


Die Filmemacher der Planet der Affen-Reihe riskierten viel, als sie sich dazu entschieden, die Geschichte aus der Perspektive der Affen zu erzählen und einen Schimpansen als Helden zu wählen, der uns über alle drei Filme begleitet. Doch das Experiment ist geglückt und hat gezeigt, dass Schauspiel und Technik Hand in Hand gehen können, um vielschichtige Charaktere zu erschaffen. Es ist ein Wunder der Filmkunst des 21. Jahrhunderts, wie Computertechnik und Realität zu einem Film verschmelzen. Bei jedem der drei Filme rückte der Technikaspekt für mich vollkommen in den Hintergrund. Ich sah den Schimpansen, den Affenanführer, den Vater. Und nicht Andy Serkis und die Computer-Animationen. Anstatt in große Explosionen und fantastische Effektwelten zu investieren (wie beispielsweise in der Hobbit-Reihe), entschied man sich bei den Affen-Abenteuern, die Erscheinung durch die Animation möglichst realistisch zu gestalten und in entsprechende Kulissen einzubetten, darunter die Wälder und Forts des zweiten und dritten Films.

Intelligente Affen - intelligente Filmemacher

Eng mit der Charakterzeichnung verknüpft sind die Drehbücher der Filme. Und hier möchte ich behaupten, dass die Autoren mehr geleistet haben, als "nur" ein Drehbuch über einen handelsüblichen Blockbuster zu schreiben. Vielmehr leisteten die Skripte von Matt Reeves, Mark Bomback, Rick Jaffa und Amanda Silver dreierlei: Erstens schufen sie drei ebenbürtige Filme, die nicht vorhersehbare Geschichten liefern und als eigenständige Erzählungen mit je unterschiedlichen Thematiken und Charakterwechseln funktionieren. Zweitens erhält auch die Trilogie als Ganzes die Spannung immer aufrecht, erzählt eine zusammenhängende Geschichte und orientiert sich an der Hauptfigur Caesar. Drittens ist der Planet der Affen-Stoff ein sehr alter und wurde bereits in den Fortsetzungen des Klassikers von 1968 regelrecht ausgedehnt. Die zahlreichen Referenzen mittels Charakternamen und Easter-Eggs beziehungsweise Rückbezügen zeugen von einer tiefen Auseinandersetzung mit den Affen-Geschichten, aber auch der Gesellschaftskritik dahinter.

Der Bogen der Trilogie vollzieht sich folgendermaßen: Während im ersten Teil, Planet der Affen: Prevolution, Caesar als Charakter etabliert wird, erlebt er die guten und die schlechten Seiten der Menschen (unter anderem James Franco und John Lithgow). Im zweiten Teil, Planet der Affen: Revolution, hat er seine Zivilisation aufgebaut und ist weiser Anführer, der sein Volk vor den Menschen, aber auch vor Koba (Toby Kebbell), dem Menschenhasser, schützen muss. Im dritten Teil Planet der Affen: Survival dreht sich alles - ohne zu viel vorweg zu nehmen - um persönliche Vergeltung gepaart mit dem nackten Überlebenskampf, vor allem auf Seiten der Menschen. Ihre Darstellung wird auf einen namenlosen Colonel (Woody Harrelson) und ein stummes Mädchen (Amiah Miller) reduziert. Welche Symbolkraft allein diesen zwei Menschen innewohnt, ist bemerkenswert. Die handlungsunfähige, ihrer Intelligenz beraubte Rasse der Menschen mutiert zu namenlosen Kriegsmaschinen, die Angst zu sterben sitzt ihnen stets im Nacken. Die Trilogie erzählt die Geschichte Caesars und die der Menschen in einem durchdachten dramaturgischen Konzept: Die Filme sprechen für sich allein und vermitteln einzeln bereits eine Botschaft. Gleichzeitig verbinden sich die drei Teile zu einem größeren Ganzen, einer Einheit, die von vorne bis hinten sorgfältig durchgeplant ist.

Die drei Kapitel des Abenteuers zeigen drei völlig verschiedene Gesichter von Caesars. Er entwickelt sich und mit ihm die Welt um ihn herum. Deutlich wird das an den wechselnden Charakteren. Sie sorgen für frischen Wind, haben aber auch die Funktion, die Entwicklung der Geschehnisse auf der Menschenseite nachvollziehbar zu machen und verschiedene Sichtweisen auf die Affenzivilisation zu zeigen. Dies ist eine äußert gelungene Gratwanderung aus erzählerischer Perspektive, die ich so noch nie gesehen habe. Dadurch gestaltet sich die Trilogie abwechslungsreich, ohne ihren roten Faden, nämlich Caesar, zu verlieren.

Ohne Zweifel gehört die Planet der Affen-Reihe in die Kategorie des Blockbuster-Kinos. Ihre epischen Schauwerte sollen Millionen Zuschauer in die Kinos bringen, und wenn möglich noch mehr US-Dollars in die Kassen spülen. Dennoch: Einige Aspekte lassen die Affen über viele anderen vergleichbaren Filmreihen oder Franchises dieser Größenordnung hinausragen. Die Affen haben somit auf subtile Weise über die Menschen gesiegt und den Erfolg haben sich alle Beteiligten des Projekts redlich verdient. Ich bin für Blockbuster -Kino, wenn es gut gemacht wird: mit Leidenschaft und Herz und Können.

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