Venedig 2014

Viggo Mortensen im epischen Western Far from Men

Viggo Mortensen in Far from Men (Loin des hommes)
© Kaléo Films
Viggo Mortensen in Far from Men (Loin des hommes)

Viggo Mortensen muss sich als Kleinstadtlehrer während des algerischen Bürgerkrieges mit einem Dissidenten durchschlagen und Adam Drivers Filmehefrau versucht, ihr Neugeborenes vegan zu ernähren. In Venedig feierten die Filme Far from Men und Hungry Hearts im Rahmen des Wettbewerbs Premiere. Wie die Kritiker reagierten, könnt ihr hier nachlesen.

Was sagen die Kritiker zu Far from Men?

"Während [Far from Men] nie so spannend ist wie Todeszug nach Yuma oder energisch genug, um seinen Nischenstatus zu überwinden, ist Regisseur Oelhoffens Idee, das Zweipersonenstück als eine in Algerien spielende Pferdeoper anzugehen, ebenso inspiriert wie unerwartet. In dem er die epischen Hochplateaus der Geschichte so verwendet wie John Ford einst das Monument Valley, verstärkt Oelhoffen die moralischen Fragen, vor denen sich die Figuren wiederfinden, die kurz hinter dem Einfluss von Zivilisation und Gesetz leben."

So Peter Debruge in der Variety, der auf die vielen Sprachen verweist, welche Viggo Mortensen bislang auf der Leinwand gesprochen hat (Elbisch, Dänisch, Spanisch, Lakota und jetzt Französisch). "[Der Film] könnte zu langsam, zu staubig, zu weit weg von unserer Gegenwart sein, um die große Masse der Zuschauer zu erreichen, aber eben diese Qualitäten dürften ihn für Genre-Fans äußerst effektiv machen."

CineVue vergibt ganze 5 von 5 Punkten für Far from Men mit Viggo Mortensen. Kritiker John Bleasdale zeigt sich begeistert von all den Referenzen auf Zwei glorreiche Halunken, Der schwarze Falke und Todeszug nach Yuma und zieht als jüngeren Vergleichsfilm The Proposition - Tödliches Angebot von John Hillcoat heran. Bei Screen werden Mortensen und die Landschaftsaufnahmen gelobt, die Western-Klischees allerdings kritisiert. Ein Interview mit Viggo Mortsensen und David Oelhoffen gibt es bei der New York Times.

"Die tiefenscharfe Kameraarbeit sieht großartig aus, aber den Figuren mangelt es an Tiefe", fasst es Boyd van Hoeij im Hollywood Reporter in gewohnter Kürzer zusammen. Regisseur David Oelhoffens Versuch, Albert Camus' Kurzgeschichte "Der Gast" in einen Western zu verwandeln, sei ehrgeizig. "Aber der existentialistische Unterbau der Vorlage geht größtenteils verloren in den flachen Charakterisierungen und Szenen, die sich recht oberflächlich vor den Genremotiven verbeugen, anstatt die Figuren von Mortensens Lehrer oder dem Mann, der seinen Cousin getötet hat, tiefer zu beleuchten."
Was sagen die Kritiker zu Hungry Hearts?

Jay Weissberg zieht in der Variety einen Vergleich zwischen Rosemaries Baby und Blue Valentine für den in New York angesiedelten Film von Saverio Costanzo (Die Einsamkeit der Primzahlen) heran, in dem Adam Driver (Girls, Star Wars Episode 7) und Alba Rohrwacher (Glück) ein frisch verliebtes und verheiratetes Ehepaar spielen.

Es ist die Geschichte einer "neurotischen jungen Mutter, deren bizarre Erziehungsideen ihr Kind und ihre Ehe in Gefahr bringen. [...] Es ist, als ob sich der Regisseur nicht entscheiden kann, was er will: den Zerfall einer Familie zu verfolgen oder mit einer Lupe auf eine Frau zu blicken, deren Manie jeden rationalen Gedanken überwältigt." Dabei seien die Probleme vor allem im Drehbuch und nicht den "außergewöhnlichen Darbietungen" zu finden:

"[Adam] Driver hat sich eine ganz eigene Nische in der Indieszene herausgearbeitet, in dem er eine komplexe Smypathie projiziert: Ein Jedermann mit extra viel Persönlichkeit und Tiefe [...]. Die vielseitige Rohrwacher weiß in ihrem zweiten Film mit Constanzo (Die Einsamkeit der Primzahlen), wie sie eiserne Besessenheit zu spielen hat, die unter einem Schleier der Zerbrechlichkeit verborgen ist [...]." Insgesamt sei der Film jedoch ein "Lehrbeispiel für eine Idee, die die Interessen des Drehbuchs überwältigt."

Für Deborah Young im Hollywood Reporter fehle es dem Film über eine Mutter, die ihr Kind nur noch vegan ernährt, vor allem an einem: Glaubwürdigkeit. 2 von 4 Sterne vergibt CineVue für Hungry Hearts, "der weder als Thriller befriedigt noch als Drama überzeugt".

Robbie Collin im Telegraph gehört zu den Verteidigern des Films: Das "größte Geschenk an die Verhütungsindustrie seit We Need to Talk About Kevin" sei Hungry Hearts.

"Das ist ein fesselndes und vor Spannung zitterndes psychologisches Drama, mit einem starken Hauch Rosemaries Baby versehen, in dem die ängstlichen Tage früher Elternschaft eine wachsende Paranoia und Furcht ausspucken. Schlechte Entscheidungen werden mit den besten Absichten getätigt und die Liebe einer Mutter wird so giftig wie Arsen."

Bei der Variety gibt es außerdem ein Interview mit Regisseur Saverio Constanzo, in dem er unter anderem über den Einfluss von John Cassavetes spricht.

Moviepilot Team
the gaffer Jenny Jecke
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Stellvertretende Chefredakteurin bei Moviepilot, schreibt am liebsten über Game of Thrones und Filme, die in Hongkonger Nudel-Restaurants spielen.
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