The Rain bei Netflix - Die dänische Jugend stirbt im tödlichen Regen

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The Rain
05.05.2018 - 08:55 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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Auch Dänemark hat jetzt eine eigene Netflix-Serie. In The Rain fällt tödlicher Regen auf junge Menschen mit normalen Problemen. Ich habe die Erfinder der Serie zum Interview getroffen.

Wie Nationen ihre Botschafter schickt Netflix seine Original-Serien in Länder, die es wollen. In Europa ist nach Italien (Suburra), Spanien (Cable Girls) und Deutschland (Dark) nun Dänemark an der Reihe. Unser stiller Nachbar schickt die flüsternde Young-Adult-Postapokalypsen-Serie The Rain ins Rennen, die über den Netflix-Strom die Welt erobern soll. Leise tröpfelnder Regen erweist sich hier als Gift; ein Virus in den Niederschlägen tötet in Windeseile jeden, der von ihm berührt wird. Und das in einem Land, in dem Regen der Normalzustand ist. Wer soviel Regen sieht, der denkt sich irgendwann Geschichten dazu aus, aber dazu später mehr.

The Rain - Postapokalypse und Young Adult

Das post-apokalyptische Setting verknüpft The Rain mit Young Adult-Konstellationen, die eigentlich schon Maze Runner, Hunger Games und Divergent in den letzten Jahren zur Genüge abgegrast haben. Der Road-Movie-Flow und die Öko-Themen erinnern zudem an den Roman Die Wolke von Gudrun Pausewang. Auch dort flüchtet ein Geschwisterpaar durch zerbröselte Gesellschaftsstrukturen. In The Rain sind das Alba August als Simone und Lucas Lynggaard Tønnesen als ihr jüngerer Bruder Rasmus. Überhaupt erfindet The Rain das Genre-Rad nicht unbedingt neu, aber die Mischung und das dann eben doch ungewohnte Dänemark-Setting (viel Rasen, viel Wald) reißen es raus. Und aus der Genre-Perspektive lässt sich unsere dynamische Gegenwart sowieso immer anschaulich beschreiben.

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The Rain und die entgleitende Kontrolle über die Natur

Über die Gegenwart haben sich die The Rain-Erfinder Christian Potalivo und Jannik Tai Mosholt viele Gedanken gemacht. Ihre Themen sind die wunde Natur, der Klimawandel und eine verwirrte Jugend, die damit umgehen muss. Im Interview sprachen die Showrunner über die Unkontrollierbarkeit der Natur, die Kraft des Genre-Films, Dänemark als Serienstandort und natürlich Regen. Die Stimmung am runden Tisch war bierernst, als würden die Themen zu Respekt ermahnen. Man raunte sich Fragen und Antworten zu.

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moviepilot: Keine Kontrolle über die Natur zu haben, geht es am Ende darum in The Rain?

Jannik Tai Mosholt, Autor und Schöpfer von The Rain: Wir fordern die Natur heraus, schubsen sie. Und irgendwann schlägt sie zurück. Das können wir nicht kontrollieren, und das ist furchteinflössend. Wir gehen davon aus, dass wir die Kontrolle haben - bis wir sie irgendwann nicht mehr haben. Aber wir wissen nicht, wann das passiert.

Christian Potalivo, Produzent und Schöpfer von The Rain: Wir haben viel über die Dualität Mensch gegen Natur gesprochen und wie sich das Verhältnis auf die menschliche Natur auswirkt, wie Menschen sich verhalten, wenn sie die Kontrolle über ihre Umwelt verlieren. Das war ein großes Thema für uns.

Lenken uns kurzfristig aufblitzende Probleme, Trump und Terror, womöglich von den Gefahren der Natur ab?

Mosholt: Wir haben darüber gesprochen. Wir leben in einer Zeit der Angst, die Gesellschaft ist mit vielen Problemen beschäftigt, auch weil wir ständig mit Informationen bombardiert werden. Es gibt Bedrohungen durch das Klima, Bedrohungen durch Kriege, Bedrohungen durch alles. Und irgendwann erschien es uns, als würde es so viel, dass du taub wirst. Irgendwann hast du so viel Angst vor dem Klimawandel, dass du sagst, ich kann sowieso nichts daran ändern. Und dann geben die Leute auf, was ein furchterregender Gedanke ist. Außerdem haben wir uns in der Entwicklung der Serie auf junge Erwachsene fokussiert, die in einer Position sind, in der sie keine Schuld für irgendwas tragen. Sie müssen nur mit den Konsequenzen umgehen.

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Wieso brauchen wir auch jetzt Postapokalypsen und Horror im Kino und Fernsehen, wenn die Zeiten doch schwierig genug sind?

Mosholt: Diese Arten von Geschichten entstehen tatsächlich immer dann, wenn wir uns in Zeiten von Angst, Zweifel und Krisen befinden und nicht wissen, was mit uns passiert. Das ist eine Art der Inspiration: Wenn du vor etwas Angst hast, musst du Wege finden, damit umzugehen, Hoffnung in der Angst zu finden. Das versuchen wir mit der Serie: ein Worst-Case-Szenarion darzustellen und darin Hoffnung zu finden. In Zeiten wie diesen können Geschichten wie [The Rain] tröstlich sein.

Potalivo: Über Hoffnung haben wir viel gesprochen. Wenn du Geschichten erfindest und schreibst, geht es immer darum, Figuren an den Rand ihrer Existenz zu stoßen. Es geht darum, auch in diesen Tagen Hoffnung zu fühlen und den Figuren Hoffnung zu geben.

Der dänische Lokalkolorit von The Rain

Haben Sie beim Dreh daran gedacht, dass die Serie international vertrieben wird?

Potalivo: Im Hinterkopf hatten wir immer ein dänisches Publikum, da wir nun mal dänisch sind. Aber in der Zusammenarbeit mit Netflix ist uns auch bewusst geworden, dass das Publikum der Serie breiter ist. Wir erzählen eine Geschichte, die weiter greift. Im dänischen Fernsehen muss man sich darauf konzentrieren, was Dänen gefällt. Hier konnten wir davon ausgehen, was uns inspiriert, weil es auf der ganzen Welt Menschen gibt, die sich genau dafür interessieren. So konnten wir das alles machen - ohne unseren dunklen skandinavischen Einschlag zu vernachlässigen.

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Was war die größte Herausforderung beim The Rain-Dreh?

Mosholt: Der Regen. Letztes Jahr hatten wir den nassesten Sommer in Dänemark seit 32 Jahren, was wirklich schwierig ist, wenn du eine Serie drehst, in der Regen gefährlich ist. Wenn es nicht regnen sollte, regnete es. Und wenn es regnen sollte ... war es sonnig.

Potalivo: Das war Gottes Weg, uns zu sagen: Wenn ihr eine Geschichte wie diese erzählt, habe noch immer ich die Kontrolle.

Dänische Krimiserien als Vorbereiter für Genre-Fernsehen

Dänemark hat eine große Krimi-Tradition ...

Mosholt: Ohne Borgen - Gefährliche Seilschaften und Die Brücke - Transit in den Tod wären wir nicht hier. Wir stehen auf ihren Schultern. Nordeuropäer sind nicht unbedingt selbstbewusst. Aber wir haben in den letzten 10, 20 Jahren viele Geschichten [fürs Fernsehen] erschaffen und wir wissen, dass wir gut darin sind. Jetzt eine Genre-Serie, eine Young Adult-Serie, zu machen, das war aufregend.

Potalivo: Auf den Schultern deiner Vorgänger zu stehen ist etwas sehr sozialistisches, aber genau so sind wir. Wir sind sehr dankbar, wir sind mit dieser Tradition aufgewachsen. Wir beide haben für diese Serien gearbeitet. Das ist jetzt der nächste Schritt dahin, andere Arten von Geschichten im Fernsehen zu erzählen - mit dem Fachwissen und den Ambitionen, die wir haben.

Aus Gründen der Lesbarkeit wurde das Interview vom Autor gekürzt und verdichtet.

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