The Asylum - Zwischen Mockbuster und Hai-Hype

24.07.2015 - 08:50 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
Mega Shark vs. Mechatronic Shark
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Keine andere Produktionsfirma ist so umstritten wie The Asylum. Mit ihren Tierhorrorfilmen und Mockbustern bescheren sie der Filmwelt und den DVD-Regalen jährlich zwei Dutzend neue Filme. Doch wie funktioniert das eigentlich?


Der Spiegel  nannte sie in einem seiner Artikel einmal mehr oder weniger schmeichelhaft Hollywoods Müllmeister. Da steckt Spott und Lob in einem. Zwar machen sie Müll, aber den meisterhaft. Filme wie The Terminators, Snakes on a Train oder Mega Shark vs. Mecha Shark sprechen eine eigene Sprache. Ist das jetzt aber ganz schlecht oder schon wieder ganz gut? Eine schwierige Frage. Wie ordnen wir eine Produktionsfirma wie The Asylum ein? Fangen wir einfach an, ihre Geschichte und ihre Arbeitsweise zu betrachten. Begeben wir uns also auf die Spuren einer der kontroversesten Filmfabriken unserer Zeit.

Die Anfänge, oder warum wir das Steven Spielberg zu verdanken haben

Krieg der Welten 3 - Die Invasion hat längst begonnen

Alles begann 1997, als David Rimawi und Sherri Strain zusammen mit Regisseur David Michael Latt The Asylum gründeten, eine kleine Firma, die sich Low-Budget-Filmen im Horror- und Action-Genre verschrieben hatte. So weit, so unspektakulär. Davon gibt es schließlich zahllose.

So etwas wie Mitschuld am Erfolg und Bekanntheitsgrad von Asylum trägt unbewusst Steven Spielberg und sein Film Krieg der Welten. Zeitgleich mit Spielberg produzierte Asylum 2005 ebenfalls einen Film, in dem der Stoff von H.G.Wells verarbeitet wurde, Krieg der Welten 3 - Die Invasion hat längst begonnen. Das Ergebnis dieses glücklichen Zufalls war eine Bestellung von 100.000 Exemplaren durch verschiedene Videothekenketten. Eine unglaubliche Zahl für die kleine Produktionsfirma, was zu einer Umstrukturierung ihres bisherigen Geschäftsmodells führte. Anstatt einfach irgendwelche Filme zu produzieren, hängten sich die Studiomacher nun bewusst an große Namen im Blockbusterkino und versuchten, zeitgleich mit ihnen auf den Markt zu drängen.

Ein neuer Weg in eine neue Richtung

Transmorphers 3 - Der dunkle Mond

Der neu eingeschlagene Weg erwies sich als profitabel. Die meisten Filme der vergangenen Zeit wurden mit einem Budget von maximal einer halben Million US-Dollar gedreht, wie GQ  berichtet. Lediglich wenn Asylum mit dem TV-Sender Syfy zusammenarbeitet, wird es auch mal eine ganze Million, da die Kosten geteilt werden. Bisher hat das Studio damit bis 2013 noch nie mit auch nur einem Film Verluste gemacht. Laut David Michael Latt werden die Filme sehr profitorientiert produziert und nie mehr ausgegeben, als sie potenziell am Ende wieder einnehmen könnte. Ende 2012 machte Asylum ganze 5 Millionen US-Dollar Profit. Das mag im Vergleich zu den großen Studios der Branche nicht viel sein, aber für das kleine Unternehmen mit Sitz in einem umgebauten Lagerhaus in Burbank, Kalifornien ist es nicht schlecht. Zumal wir hier von der Zeit vor dem großen Hai-Hype sprechen.

In der Regel wirft der durchschnittliche Film zwischen 120.000 und 250.000 US-Dollar an Gewinn ab, was nicht nach viel klingt. Wird die Formel jedoch oft genug wiederholt, kommen am Ende eben besagte 5 Millionen heraus, wobei ein Großteil der Erträge sofort in den nächsten Film gesteckt werden, um die Räder der ständig laufenden Maschine in Bewegung zu halten. Dabei entstanden Filme wie Transmorphers, als Abklatsch zu Michael Bays Transformers oder Avengers Grimm, mit dem gleichzeitig Marvel's The Avengers 2: Age of Ultron und Once Upon a Time - Es war einmal ... in einen Topf geworfen wurden. Neben Mockbustern produziert Asylum weiterhin aber auch eigene Projekte wie Sex, Gras & Zombies! oder Asian School Girls.

Ein Arbeitstag bei The Asylum

Sharknado 3: Oh Hell No!

Ähnlich wie die bekannte Filmschmiede Cannon Films, hat auch The Asylum ein Produktionstempo, das dem eines Fließbands gleicht. Laut den Angaben der firmeneigenen Website  finanziert und produziert Asylum 10 bis 15 Filme im Jahr, wobei ihre Heimkinoabteilung in Nordamerika bereits 300 Filme auf den Markt gebracht hat. Um einen derartig hohen Output zu produzieren, müssen die Filme schnell vom Ideentisch auf Film gebannt werden und im DVD-Regal landen. Das dauert, wie Regisseur Jack Perez (Mega Shark vs. Giant Octopus) gegenüber dem Guardian  erwähnte, lediglich zwei Monate.

Knappe 60 Tage liegen also nur zwischen der Idee und dem Veröffentlichungstermin. Laut Perez bekommt der Regisseur einen Titel, ein Filmplakat, den Cast und eine Schema vorgegeben und hat danach knappe 12 Tage Zeit zu drehen, was bedeutet, dass jeden Tag ca. 11 Seiten Skript abgedreht werden müssen. Bei großen Hollywoodproduktionen ist es manchmal nur eine Seite pro Tag. Freunde aus dem Business, mit denen Perez darüber gesprochen hat, hätten sich bereits häufiger über die teils langatmigen Drehprozesse beklagt. Seine Antwort:

Verarschst du mich? Ich drehe heute auf einem Schnellboot, danach in einem U-Boot und dann jage ich den Mount Rushmore hoch. Worüber beschwert ihr euch?

Der große Hai-Hype

Sharknado

Großes mediales Interesse wurde der Firma, welche bereits zuvor eine Menge an Tierhorrorfilmen wie Megapiranha, Mega Shark gegen Crocosaurus und Mega Python vs Gatoroid gedreht hatte, durch die Sharknado-Reihe zuteil. Wenn auch nur 1,4 Millionen Zuschauer den Film auf dem amerikanischen TV-Sender Syfy sahen, wussten am nächsten Tag alle, was gelaufen war, und wollten mehr erfahren. Grund dafür war ein Sturm an Tweets, den der Sharknado neben den Haien übers Land zog. Laut Statistik  gab es zu Spitzenzeiten knapp über 5.000 Tweets pro Minute zum Film. Niemand auf dem sozialen Netzwerk konnte sich den Haien entziehen.

In Deutschland sorgen Oliver Kalkofe und Peter Rütten durch ihre ironisch kommentierte Version der ersten beiden Teile in ihrer Reihe Die schlechtesten Filme aller Zeiten  auf Tele 5 für einen zusätzlichen Popularitätsschub in deutschen Gefilden. Durch ihren Enthusiasmus für die Reihe schafften sie es sogar als Nebendarsteller in den kürzlich veröffentlichten dritten Teil Sharknado 3: Oh Hell No!.

Wie sich zeigt, ist Asylum eine nimmermüde Arbeitsmaschine, die - wenn nichts dazwischen kommt - uns wohl noch eine ganz Zeit mit Filmen über fliegende Haie und mit abgedrehten Aufgüssen neuer und alter Blockbuster versorgen wird. Sie machen Filme, weil sie durch Zufall eine Nische finden konnten, in der sie jetzt dominieren. Hier regiert der Wahnsinn. Und wer sonst kann uns Szenen schenken, in denen ein Hai ein Flugzeug aus der Luft schnappt und frisst? Wohl niemand.

Mega Shark vs. Giant Octopus


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