Tatort Kritik

Tatort - Ein trautes Heim wird in Köln zerstört

21.04.2013 - 21:45 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
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Hey, ich bin der super verdächtige Schwager, aber ich war's bestimmt nicht. Glaubt mir!
© ARD/WDR
Hey, ich bin der super verdächtige Schwager, aber ich war's bestimmt nicht. Glaubt mir!
Ein Junge wird entführt. Bei ihren Ermittlungen stoßen Ballauf und Schenk auf das Doppelleben seines Vaters, eine Agentur, die Alibis verschafft und ein Pärchen, das “Täter” in Großbuchstaben auf der Stirn trägt. Entsprechend überraschend fällt der neue Tatort aus Köln aus.

Vordergründig geht Tatort: Trautes Heim gravierenden Fehlern aus dem Weg, liefert in gewohnter Kölner Manier Krimikost für die Sonntagabendrätselei und versucht mit dem Privatleben der Assistentin Heiterkeit in den Ernst der Lage zu bringen. Dank der absoluten Abwesenheit jedweder Ecken, Kanten oder auch nur des Anscheins von Tiefe setzt sich der neue Tatort aus Köln allerdings auch dem verdienten Vorwurf mangelnder Ambition aus. Fans des Teams werden das kaum ankreiden und sich vielleicht darüber beschweren, dass sie beim The Rocky Horror Picture Show -Screening am Ende nicht zuschauen dürfen.

Lokalkolorit: In Ermangelung jedweden ästhetischen Ehrgeizes beschränkt sich Tatort – Trautes Heim auf die Darstellung suburbaner Mittelstands-Heimeligkeit und einen Schwenk über den Kölner Dom. Über Lokalkolorit bei diesem Tatort zu sprechen, hieße davon auszugehen, dass hier jemand abseits der professionellen Herunterleierung des Falls irgendetwas etwas zu bieten gedenkt, was leider nicht zutrifft. Der neue Tatort aus Köln ist so ausdruckslos wie seine charakterlich allenfalls angerissenen Figuren.

Plot: Ein Junge wird auf dem Weg zum Fußballtraining entführt. Da die Täter einen Zeugen überrollen, nehmen Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) den Fall auf. Zunächst gehen sie von einem Gewaltverbrechen aus, da der Vater des Jungen (Barnaby Metschurat) ihnen den Anruf der Entführer verheimlicht. Doch über das Handy des Kindes decken die beiden Kommissare das Doppelleben des Software-Beraters auf. Der hat eine zweite Familie samt Frau und Sohn und nutzt eine Alibi-Agentur, um Freundin und Angetraute von einander fern zu halten. Währenddessen werfen sich Schwager und Schwester der geängstigten Mutter bedeutungsschwere Blicke zu, verhalten sich zappelig und hysterisch und werden am Ende als Täter entlarvt, was Ballauf und Schenk überrascht, aber niemanden sonst.

Unterhaltung: Tatort – Trautes Heim punktet, von zwei Ausnahmen abgesehen, mit den Darstellern. Barnaby Metschurat spielt seinen Software-Spezialisten wie einen menschlichen Automaten, der, von zu vielen Anfragen überfordert, den Stecker nicht ziehen kann. Sandra Borgmann als gehörnte Ehefrau kommt erst spät in den Krimi, doch die Szene, in der ihr Mann sein Doppelleben erklärt sowie ihr Eingeständnis, sie würde ihm am liebsten eine Kugel durch den Kopf jagen, gehört zu den emotionalen Momenten, die diesen Tatort über Wasser halten. Irgendwo zwischen Enttäuschung über die eigene Dummheit, Hass auf den Partner und der Erkenntnis, dass sie eine Lüge gelebt hat, schwankt die Frau, deren Mann sich alles einfacher machen wollte, und so alles zerstört hat. Leider bleibt diese charakterliche Durchdachtheit den beiden Tätern verwehrt, deren Darsteller dies über weite Strecken des Tatorts mit einem überreizten Spiel wettmachen wollen, das sie in die erste Reihe der Verdächtigen rückt.

Tiefgang: Im mittleren Mittelstand scheint der Ottonormalverbraucher Roman Sasse zu leben, dabei finanziert er mit seinen Software-Geschäften gleich zwei Familien. Leider verpasst es der Tatort, die tagtäglichen Konsequenzen dieses Doppellebens darzustellen, um sich stattdessen mit der überflüssigen Skurrilität einer Alibi-Agentur und den Ritualen bei Kinobesuchen von Die Rocky Horror Picture Show zu beschäftigen.

Mord des Sonntags: Da gibt es in einem Tatort mal einen Motorradfahrer, der nicht zu einer Gang gehört, und was passiert? Er wird überfahren.

Zitat des Sonntags: “Sie können ihn jetzt mitnehmen.”

Mehr als nett war dieser Tatort aus Köln nicht oder was meint ihr?

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