Zensur bei der Berlinale: Chinesischer Film darf nicht im Wettbewerb gezeigt werden

One Second sollte eigentlich im Wettbewerb der Berlinale laufen
© Huanxi Media Group
One Second sollte eigentlich im Wettbewerb der Berlinale laufen

Zhang Yimou hat mit Hero einen der bekanntesten chinesischen Blockbuster gedreht. Bei der Berlinale 2019 sollte sein neuer Film One Second im internationalen Wettbewerb laufen. Doch das Drama vor dem Hintergrund der Kulturrevolution wurde neusten Berichten zufolge überraschend aus dem Wettbewerb zurückgezogen. Es ist eine ungewöhnliche Entscheidung und One Second nicht der einzige chinesische Film, der aus dem diesjährigen Programm der Berlinale zurückgezogen wurde.

Steckt Zensur hinter kurzfristigen Nichtteilnahme des chinesischen Films?

Die Meldung geht auf einen Post des offiziellen Kanals des Films One Second beim chinesischen Twitter-Pendant Weibo zurück. Darin heißt es wie folgt:

One Second kann aus technischen Gründen nicht bei den Internationalen Filmfestspielen von Berlin gezeigt werden. Bitte um Entschuldigung.

Genauere Gründe wurden noch nicht angegeben. Ebenso steht eine Stellungnahme der Berlinale aus. Entsprechend wird bereits über andere Gründe für den Rückzug des Films spekuliert. So wäre es im Bereich des Möglichen, dass das chinesische Propagandaministerium, das seit vergangenem Jahr für die Zensur von Filmen verantwortlich ist, One Second die Freigabe für das Screening entzogen hat.

Immerhin befasst sich One Second mit einem sensiblen Thema der chinesischen Geschichte unter Staatsführer Mao Zedong. Quellen der Variety erhärten den Verdacht: Der Film soll aus "Zensurgründen" zurückgezogen worden sein.

Dem Hollywood Reporter liegt ein Statement der Huanxi Media Group vor, die den Film produzierte:

Wir waren in den letzten Tagen nicht in der Lage, die Teilnahme des Films in Berlin zu bestätigen und hatten abgewartet. Jetzt haben wir die Bestätigung, dass wir nicht im Wettbewerb dabei sein werden.

Bereits kurz vor der Eröffnung der Berlinale 2019 am 07.02.2019 wurde Better Days, eine Koproduktion von Hongkong und China, aus dem Programm der Sektion Generation 14plus zurückgezogen. Laut Quellen der Variety fehlte den Filmemachern die Erlaubnis der chinesischen Autoritäten.

Zhang Yimou ist einer der bekanntesten Filmemacher in China. Er organisierte auch die Inszenierung der Eröffnungsgala der Olympischen Sommerspiele in Peking 2008. Umso überraschender kommt der Schritt, One Second aus dem Programm der Berlinale zurückzuziehen.

moviepilot Team
the gaffer Jenny Jecke
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Redakteurin bei moviepilot.de, schreibt am liebsten über Game of Thrones und Filme, die in Nudel-Restaurants in Hongkong spielen.
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