Selbstaussagen

Regisseur Alejandro Amenábar über Hypatia in Agora

12.03.2010 - 08:50 Uhr
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Yeah, Agora ist bald im Kino zusehen
© Tobis
Yeah, Agora ist bald im Kino zusehen
Hypatia als Breaking News auf CNN? Wie kommt es zu dieser Vorstellung von Alejandro Amenábar, dem Regisseur von Agora? Lest selbst!

Alexandria, im Jahr 391 nach Christus. An der berühmten Bibliothek lehrt die ebenso schöne wie kluge Philosophentochter Hypatia (Rachel Weisz) Mathematik und Astronomie. Bei ihren Schülern ist die selbstbewusste Wissenschaftlerin sehr beliebt, ihre männlichen Kollegen aber beobachten sie mit Argwohn. Nicht nur weil sie eine Frau ist, sondern auch weil sie äußerst moderne Thesen vertritt. Mit wachsender Leidenschaft widmet sich Hypatia den elementaren Fragen des Sonnensystems – und das lange vor Kopernikus und Galileo!

Regisseur Alejandro Amenábar hat zu seinem seinem Film Agora – Die Säulen des Himmels folgendes zu erzählen:

“Vor vier Jahren, nach dem Film Das Meer in mir, der für mich eine sehr persönliche Erfahrung war, hätte ich mir niemals vorstellen können, dass mein nächster Film von Römern und Christen im antiken Ägypten handelt. Aber das ist das Schöne an diesem Beruf: Man kann seiner Fantasie freien Lauf lassen und so faszinierende Welten wie das Alexandria des vierten Jahrhunderts erkunden, sich seine Straßen, Tempel und Bewohner vorstellen. Und dann die Leidenschaft – und das Geld – finden, um all das zum Leben zu erwecken.

Ich habe mich nie sonderlich für Wissenschaft interessiert. Das Wundervolle an diesem Projekt war für mich, mir die Welt der Wissenschaft von einem spirituellen und emotionalen Ausgangspunkt aus zu erschließen. ¬Unser Ziel bei diesem Film war es, die Vorgänge des Universums auf eine emotionale Weise zu untersuchen, all den Emotionen nachzuspüren, die durch die Beschäftigung mit den Rätseln des Kosmos entstehen.

Unser Entschluss, die Geschichte von Hypatia im vierten Jahrhundert zu erzählen, fiel nach einem sehr komplexen Auswahlprozess. Zuerst hatten wir eine Geschichte, die 2000 Jahre umspannt, vom geozentrischen Weltbild bis zur Relativitätstheorie, wir hatten jedes Detail recherchiert. Als wir uns dann mit Hypatia und ihrer historischen Epoche beschäftigten, stellten wir fest, dass es viele Verbindung zu unserer heutigen Welt gibt, und das weckte unser Interesse. Alexandria symbolisierte eine Zivilisation, die langsam durch verschiedene Gruppen, vor allem religiöse Gruppen, zerstört wird. Für viele markiert die Zeit, in der Hypatia lebte, das Ende des Zeitalters der Antike und den Beginn des Mittelalters.

Von Anfang an war mein Ziel bei diesem Projekt, formal gesprochen, den Zuschauern das Gefühl zu geben, einem CNN-Team dabei zuzusehen, wie es die Ereignisse des vierten Jahrhunderts dokumentiert. Dieses Gefühl der Dringlichkeit, der „Breaking News“, war die Basis meines Ansatzes. Ich wollte mit einigen der etablierten Normen für Historienfilme brechen, nicht nur einfach von grandioser Musik untermalte Breitwandbilder und Weitwinkelaufnahmen drehen. Agora – Die Säulen des Himmels ist eine Mischung aus Genauigkeit und Spektakel.

Ich wollte mich von der formalen Perfektion lösen, die diese Art von Filmen in der Regel auszeichnet. Wenn wir zum Beispiel eine Begegnung auf der Straße sehen, muss es so erscheinen, als ob die Kamera nicht alles perfekt aufnehmen kann, damit wir näher an die Realität herankommen und deutlich wird, dass in der Realität keine Perfektion möglich ist. Wir entschieden uns dafür, unmittelbare Zeugen der Ereignisse zu sein, die Dinge also nicht aus der Nahdistanz zu untersuchen, sondern sie aus einer gewissen Entfernung zu betrachten. Außerdem, und das ist besonders wichtig, wird Gewalt nicht als Spektakel inszeniert.

Dieser Film wurde von Anfang an als internationales Projekt gepitcht, das in Englisch gedreht werden sollte, da wir von einem Budget von 50 Millionen Euro reden. Es wäre Selbstmord, zu glauben, dass ein Projekt dieser Größenordnung ausschließlich in Spanien realisiert werden könnte, mit spanischen Schauspielern und in spanischer Sprache, und dann darauf zu hoffen, dass das Investment sich refinanzieren könnte. Dies, und die Tatsache, dass Alexandria ein Schmelztiegel der Kulturen und Sprachen war, brachten mich auf den Gedanken, dass in seinen Straßen problemlos Englisch gesprochen werden könnte.

Agora – Die Säulen des Himmels ist die Geschichte einer Frau, einer Stadt, einer Zivilisation und eines Planeten. Die Agora ist der Planet, auf dem wir alle gemeinsam leben müssen. Wir haben versucht, die menschliche Realität im Kontext aller Lebewesen der Erde, und die Erde im Kontext des Universums zu zeigen, die Menschen als Ameisen und die Erde als kleine Kugel zu sehen, die zwischen vielen anderen Sternen ihre Kreise zieht. Deshalb spielten wir mit dem Perspektivwechsel. Manchmal wünsche ich mir, durch ein Guckloch zu schauen und die Vergangenheit genau so zu sehen, wie sie sich abgespielt hat, und sei es nur für fünf Sekunden oder fünf Minuten. Mit unserem Film haben wir versucht, den Zuschauern ein solches Guckloch in die Vergangenheit für zwei Stunden zu öffnen.

Ich möchte, dass meine Filme Reisen sind. Agora – Die Säulen des Himmels ist eine Reise durch Zeit und Raum. Die gesamte Erfahrung dieses Films war eine sehr leidenschaftliche, vom ersten Moment an, als Mateo Gil, Fernando Bovaira und ich begannen, von diesem Projekt zu träumen, bis heute, in der finalen Phase. Ich kann nur hoffen, dass die Zuschauer diese Leidenschaft ebenso empfinden wie wir. Agora – Die Säulen des Himmels ist in vieler Hinsicht eine Geschichte aus der Vergangenheit, die indirekt anspricht, was in der Gegenwart geschieht. Es ist ein Spiegel, in den die Leute blicken und, aus der Distanz von Raum und Zeit, erkennen können, wie wenig sich die Welt verändert hat.

Quelle: Pressematerial Tobis

Agora läuft am Freitag, läuft am Donnerstag, dem 11. März 2010 im Kino an. In inserem Kinoprogramm findet ihr das passende Kino in Eurer Nähe. Und im Tobis Filmclub erscheint demnächst auch unser Videobericht zum Film.

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