Jugendschutz Alarm

Polizeiruf mit Matthias Brandt darf erst ab 22 Uhr laufen

Matthias Brandt als Kommissar Hanns von Meuffels mit dem Attentäter
© BR/Bella Halben
Matthias Brandt als Kommissar Hanns von Meuffels mit dem Attentäter

Jugendschutz ist ein schwieriges Thema. Wie viel Gewalt können junge Menschen vertragen, ohne dass ihre moralische Entwicklung darunter leider? Nicht so viel wie im Polizeiruf 110: Denn sie wissen nicht, was sie tun gezeigt wird. Der nämlich wurde nun von der sonntäglichen Prime Time auf den stiefmütterlichen Sendeplatz heute Abend um 22 Uhr verlegt.

Aber worum geht es denn genau im heutigen Münchner Polizeiruf? Matthias Brandt als Kommissar Hanns von Meuffels überlebt ein Selbstmordattentat auf einen Fußgängertunnel. Der jugendliche Täter liegt sterbend unter einem Betonträger begraben, doch der Ermittler lässt dem armen Jungen keine Ruhe und versucht, ihm Informationen über den nächsten geplanten Anschlag zu entlocken.

Laut Rundfunkstaatsvertrag von 1987 dürfen Sendungen, „die Kinder oder Jugendliche in ihrer Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen oder gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit beeinträchtigen könnten, nur dann ausgestrahlt werden, wenn sichergestellt ist, dass Kinder der betroffenen Altersstufen sie üblicherweise nicht wahrnehmen.“ (Tagesspiegel) Die Jugendschutzbeauftragte des BR, die für die Verlegung der Sendung verantwortlich ist, spricht von „nachhaltiger Angsterzeugung“ (Berliner Zeitung) und einer fehlenden „Unterscheidung von Gut und Böse“ (Taz) und folgert daraus, dass die Episode für Jugendliche unter 14 Jahren nicht geeignet sei. Und da diese ja bekanntlich am Freitag Abend um 22 Uhr schon alle tief und fest schlafen, wird der Polizeiruf 110: Denn sie wissen nicht, was sie tun auf diesem Sendeplatz laufen.

Kritiker wittern eine Zensur, denn wie David Denk von der Taz schreibt: „Die einzige Gefahr, die von dem Film ausgeht, ist die einer gewissen Langeweile.“ Das einzig wirklich Erschreckende sei die dargestellte Unfähigkeit des Staatsapperates, der seine Bürger lieber unwissend in ein blutiges Attentat laufen ließe, als eigene Fehler zuzugeben. BR-Fernsehdirektor Gerhard Fuchs verteidigt jedoch die Entscheidung: „Die Anschlagsgefahr im öffentlichen Raum ist eine abstrakte, permanente und kaum beherrschbare Gefahr. Die eindringliche Weise, in der der Film diese Gefahr ohne Entspannungsmomente darstellt, kann aus Sicht der Jugendschutzbeauftragten Kinder nachhaltig verängstigen.“ (Tagesspiegel).

Hauptdarsteller Matthias Brandt ist da anderer Meinung und sagte im Interview mit RP Online: “Die Entscheidung wird dem Film nicht gerecht, weil es ein ruhiger, konzentrierter Film ist. Die Skandalisierung könnte falsche Erwartungen wecken. Mit der etwas nebulösen Argumentation könnte man jeden zweiten Krimi verschieben.” Auch David Denk von der Taz ist der Meinung, mit den hier angelegten Maßstäben müßte auch die Tagesschau nach 22 Uhr laufen.

Und was meint ihr? Ist die Entscheidung berechtigt oder gehört der Polizeiruf in die Prime Time?

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