Nächste Netflix-Enttäuschung: Der Horrorfilm Wounds mit Dakota Johnson & Armie Hammer

Dakota Johnson und Armie Hammer in Wounds
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Stellvertretende Chefredakteurin bei Moviepilot, schreibt am liebsten über Game of Thrones und Filme, die in Hongkonger Nudel-Restaurants spielen.

Vor zwei Jahren feierte der Netflix-Film Okja Premiere im Wettbewerb von Cannes. Es war ein Zeichen für die Offenheit des Festivals für die Ausspielorte seiner Lieblings-Filmemacher. Bong Joon-ho gehört in den Wettbewerb, egal ob sein Film ins Kino kommt oder streamt, lautete die Botschaft.

Es sollte der letzte Wettbewerbsfilm des Streaming-Dienstes sein. Französische Kinobetreiber gingen auf die Barrikaden und wer die verschiedenen Argumente nachlesen will, kann das in einem kleinen Artikel über den Netflix-Cannes-Konflikt tun.

Die Filmfestspiele von Cannes sind 2019 jedoch keine Netflix-freie Zone. Das rote N erleuchtete bei einer internationalen Premiere den Kinosaal.

Wounds heißt der Netflix-Horrorfilm, der in der unabhängigen Reihe Directors' Fortnight gezeigt wird. Darin werden Armie Hammer und Dakota Johnson von den grausamen Inhalten eines Smartphones verfolgt. Spoiler: Es handelt sich nicht um Fuller House-Episoden.

Drei Dinge, die ihr über Netflix' Wounds wissen müsst:

  • Nach der Sundance-Premiere hat Netflix die Verleihrechte außerhalb der USA erworben. Wounds ist also keine Netflix-Produktion, aber in Deutschland ein "Netflix-Original".
  • Der deutsche Netflix-Start steht noch nicht fest.
  • Wounds ist der Zweitling von Babak Anvari, der den in Teheran spielenden Horrorfilm Under the Shadow gedreht hat.

Worum geht es im Netflix-Horrorfilm Wounds?

Wounds-Star Armie Hammer kratzt seit ein paar Jahren am A-List-Status in Hollywood, was manchmal in Lone Ranger mündet und manchmal in Call Me by Your Name. Sein Karriere-Limbus zeigte sich jüngst, als er von Robert Pattinson auf der Wunschliste für den neuen Batman-Film überholt wurde.

Hammer war schon einmal "fast Batman" (in George Millers gescheitertem Justice League-Film) und nun zieht der Blockbuster-Ruhm wohl erneut an ihm vorbei.

In dem Horrorfilm spielt Armie Hammer einen Typen, der alles haben könnte: einen guten Job, Dakota Johnson als Lebensgefährtin und Zazie Beetz als beste Freundin. Den ersten Punkt hat er verhunzt, bevor der Film begonnen hat. Die anderen beiden nimmt er noch in Angriff.

Barmann und Studienabbrecher Will hat das Zeug zur Sitcom-Figur. Gutaussehend und sympathisch ist er, einer der sich nicht anstrengen muss, weil ihm Freunde und finanzielle Unterstützung zufliegen.

Ohne die Studio-Lacher bleibt von Will jedoch nur die Leere. Die selbstbewusste Hülle von einem Mann navigiert den Tresen einer Bar in New Orleans und schenkt sich gerne einen Kurzen ein. Der erste Griff daheim geht zum Sixpack (Bier).

Das ganze Leben scheint für Will eine Bar mit Flatrate-Tarif zu sein, und selbst seine Freundin Carrie (Dakota Johnson) wirkt eher wie eine Gelegenheitsbekanntschaft, die zufällig in derselben Wohnung schläft.

Eines Abends kommt es zur Schlägerei. Ein paar Studenten vergessen bei der Flucht vor der Polizei ein Handy und Will hebt es auf. Daheim wischt er sich durch die Bildergalerie und entdeckt Schreckliches.

Will, nun offiziell Held eines (Netflix-)Horrorfilms, könnte endlich ein Ziel gefunden haben, seine Bestimmung. Die Suche nach dem Ursprung der Bilder, die Rettung anderer, die Versenkung in einem gnostischen Kult, der den Körper als Behinderung auf dem Weg zum Göttlichen betrachtet - alles wäre möglich. Will zischt erstmal ein Bierchen.

Netflix-Film Wounds: Dakota Johnson wird brutal verschwendet

Es sagt einiges über das Charisma des Armie Hammer aus, dass wir Will nicht sofort die Enthauptung wünschen, deren Opfer er auf den Smartphone-Fotos sieht. Stattdessen wird der Dreitagebart auf zwei Beinen von Regisseur Babak Anvari durch die psychische Mangel genommen.

Will wird von den unheimlichen College-Studenten und grausamen Jump-Scare-Visionen monströser Augen verfolgt. Schaben pflastern seinen Weg.

Effektive, aber auch plumpe Gruselmomente fährt Anvari in seinem zweiten Spielfilm auf. Armie Hammers Will stellt sich als williges Opfer heraus. Gerade dämlich genug für einen Horror-Helden, aber nicht so abstoßend doof, dass wir ihm durchgehend den Tod wünschen.

Wounds gewinnt durch jene Figuren ein bisschen an Spannung, die Will mit seinen falschen Entscheidungen in den Horror zieht, allen voran Dakota Johnsons Carrie. Johnsons Talent wird in dem Film allerdings brutal verschwendet.

Carrie bildet einen nötigen Gegenpol zu Wills trägem Horrorheldentum. Sie verkörpert alles, was er sich selbst verbaut hat. Als auch sie in den Bann des Handy-Horrors gerät, ähnelt Wounds einem Slasher-Film mit Carrie als Final Girl. Will bringt seine Bar-Probleme und Horror-Handys mit nach Hause wie Ghostface sein Messer in die Brust von Drew Barrymore.

Irgendwo unter der Haut von Wounds lauert ein Horrorfilm über krankhafte Männlichkeitsbilder und die Frauen, die darunter leiden müssen. Will bläst sich vor dem neuen Freund seiner heimlichen Angebeteten (Zazie Beetz) cool auf. Seine Selbstüberschätzung erweist sich letztlich als ebenso schädlich wie die sinnlosen Prügeleien aufgepumpter Kriegsveteranen in seiner Bar.

Tatsächlich schlägt Anvari zu wenige Wunden, um unter die leere Hülle in seinem Zentrum zu schauen. Alles bleibt vage Andeutung in Wounds, was letztlich auch auf die Horror-Elemente zutrifft. Nach dem sehenswerten Debüt Under the Shadow war dann doch mehr von Babak Anvari zu erwarten gewesen als ein austauschbarer Netflix-Schocker zum Wegbingen.

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