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Minority Report - Unser erster Eindruck

Minority Report - S01 Trailer (English) HD
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Dash, Lara und Arthur aus Minority ReportAbspielen
© Fox
Dash, Lara und Arthur aus Minority Report
12.09.2016 - 19:45 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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In dieser Woche startete mit Minority Report die erste Serien-Adaption eines Steven Spielberg-Films überhaupt. Lest in unserem Pilot-Check, ob den Fernsehmachern eine würdige TV-Version des Science-Fiction-Thrillers gelungen ist.

Der Pilot-Check zu Minority Report wurde bereits zum Serienstart in den USA am 21.09.2015 beim Sender Fox geschrieben. Nun ist die Science-Fiction-Serie auch in Deutschland zu sehen. Die 1. Staffel läuft ab heute auf ProSieben Maxx. In den USA wurde die Serie nach zehn Episoden abgesetzt.

Zwar wird Steven Spielberg in den Credits zahlreicher Fernsehserien als Executive Producer geführt, Minority Report ist jedoch die erste Serie, die nach einem seiner Filme entstand. Ein gutes Omen? Wie im gleichnamigen Science-Fiction-Thriller stehen auch in der Serie die Fähigkeiten der drei sogenannten Precogs - Dash (Stark Sands), Arthur (Nick Zano) und Agatha (Laura Regan) - im Mittelpunkt der Handlung: Sie können Morde vorhersehen, die erst noch verübt werden. Doch während sich der Kinofilm nur auf Samantha Mortons Agatha konzentrierte, die gegen Ende von Tom Cruise hinter sich hergeschleift wurde, steht in der TV-Version Dash im Mittelpunkt.

Täter - Opfer - Polizei - und Hellseher

Elf Jahre nach den Ereignissen des Minority Report-Films, die zur Abschaffung der Precrime-Abteilung geführt haben, ist Dash in der Serie von Max Borenstein nämlich auf eigene Faust unterwegs, um Morde zu verhindern. Nur leider gelingt ihm das nie, denn die drei Precogs sehen nur gemeinsam genug von zukünftigen Taten, um die potentiellen Verursacher rechtzeitig zu identifizieren.

So entschließt sich Dash also, die Polizistin Lara Vega (Meagan Good) mit den Aufzeichnungen seiner bruchstückhaften Visionen zu versorgen. Allerdings kann sich Dash aus Angst vor den Folgen genau wie Agatha und Arthur der Öffentlichkeit nicht als Precog offenbaren. Vega ist wiederum gerade mit dem jüngsten Mordfall betraut, den Dash nicht verhindern konnte, und merkt schon bald, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Das Opfer arbeitete nämlich in einer Klinik, die die ehemals dank Precrime eingesperrten und nun wieder freigelassenen potentiellen Mörder behandelt, da diese ihre Haft nicht unbeschadet überstanden haben.

Zwar wird der wahrscheinliche Täter dank Dash rasch identifiziert, lässt sich aber bei seiner Gefangennahme mysteriös von einem Stahlträger erschlagen. Doch schon bald hat Dash wieder eine neue Vision eines kommenden Mordes, der die Frau des Bürgermeisterkandidaten und ehemaligen Precrime-Chefs bei einer Wahlveranstaltung treffen wird. Ein neues Überwachungssystem namens Hawkeye führt Vega und Dash dann in die erwähnte Klinik, wo ihnen die Tochter eines anderen Patienten dessen traurige Geschichte erzählt: Seine Inhaftierung wegen des zukünftigen Mordes an seiner Frau ließ diese aus Kummer über seine Gefangennahme sterben. Zwar beschäftigt sich der Herr inzwischen nur noch mit Taubenzüchten und -dressieren, flieht aber nach einer Beschuldigung durch Dash. Um ihn wiederzufinden, benötigen Vega und Dash nun wohl oder übel die Hilfe von Arthur, der inzwischen ein ebenso erfolgreicher wie zwielichtiger Geschäftsmann ist. Ob sie den Mord verhindern können? Der Majority Report sagt: ja.

Schema F

Wenn das alles bis hierhin nach einer relativ geradlinigen Polizei-Serie mit einem kleinen Dreh klingt, könnte das daran liegen, dass Minority Report das zumindest in der Pilotepisode auch ist. Zwar gibt es zahlreiche der Film-Versatzstücke auch in der Serie: allgegenwärtige personalisierte Werbung, Überwachungssoftware, per Gesten bediente Computer, Kameradrohnen (die hier aber fliegen, statt zu krabbeln) und natürlich die Precogs. Doch ebenso, wie der Look der Serie das Blaugrau des Films gegen ein recht gewöhnlich-buntes Aussehen eingetauscht hat, ist der Ton der Geschichte auch wesentlich weniger bedeutungsschwer und nachdenklich als der des Film-Vorbilds. Dieses hatte zwar auch etliche humorige Momente, verband seine mysteriöse Mörderjagd aber mit handfesten philosophischen Überlegungen.

Zwar macht sich auch der Serien-Dash Gedanken darüber, was seine Fähigkeit für die Menschen für Konsequenzen nach sich zieht, ist mit seiner schier grenzenlosen Naivität aber eher für die komischen Momente zuständig. Polizistin Lara Vega hingegen hat zwar den Vorteil, nicht von Tom Cruise gespielt zu werden, fällt bisher aber auch nicht unbedingt durch mehr Charakterzüge auf, als Tom Cruise Gesichtsausdrücke hat. Zusammen mit dem entschlossenen Arthur, der mysteriösen Agatha, dem strubbeligen Caretaker Wally sowie Vegas Polizei-Chef Blake (fies) und Kollegin Akeela (geekig) sind die Charaktere bisher wenig mehr als Blaupausen.

Was bringt die Zukunft?

Natürlich wird, wie heutzutage üblich, hinter dem ganzen Standard-Prozedere noch eine weitere Ebene angedeutet, denn Dashs Geschwister Agatha und Arthur wissen anscheinend weit mehr über die Zukunft, als sie ihrem Bruder verraten. Auch der Fast-schon-Selbstmord des ersten Mordverdächtigen wirft Fragen auf, aber all diese Ungewissheiten scheinen bisher ebenso wie die Precog-Fähigkeiten eher als Spannungssteigerer und Überrascher angelegt zu sein, anstatt sich wie die Fragen des Films mit der Determiniertheit menschlichen Handelns, Schuld und Bestrafung zu befassen.

Insgesamt ergibt sich nach der Pilotepisode also das Bild einer Serie, bei der man als Zuschauer nicht über präkognitive Fähigkeiten verfügen musste, um sie fast genauso zu erwarten, wenn man sich ein Fernseh-Spin-off von Minority Report vorstellt. Aber vielleicht ist das Ganze ja auch nur als cleveres Experiment angelegt, das uns mit fortschreitender Folgenzahl vor Augen führt, dass wir nicht vorschnell urteilen sollten, und dass sich hinter einer scheinbar eindeutigen Fassade doch etwas ganz anders verbirgt, als man zunächst annimmt. Doch diese Annahme könnte sich auch schnell als Minority Report herausstellen (wobei ein solcher Schlusssatz wiederum wohl nicht schwer vorherzusagen war).

Wie fandet ihr die erste Folge von Minority Report?

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