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Maren Ade: Frauen müssen auch mal schlechte Filme drehen dürfen

05.06.2017 - 14:00 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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© NFP/Filmwelt
Toni Erdmann
Am Rande der Filmfestspiele von Cannes sprach Toni Erdmann-Regisseurin Maren Ade über das Ungleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Regisseuren.

Wonder Woman hat an diesem Wochenende einen Besucherrekord aufgestellt. Noch nie startete ein Film von einer Regisseurin so gut. 100 Millionen US-Dollar spielte der DC-Film von Patty Jenkins ein und übertraf damit Sam Taylors Fifty Shades of Grey (85 Millionen). In der immer noch stark von Männern dominierten Filmindustrie hoffen viele Menschen nun auf eine Wende. Auch die Filmfestspiele von Cannes in diesem Jahr beweisen, dass ein Umdenken zwingend nötig ist. Maren Ade, Regisseurin des gefeierten Toni Erdmann und diesjähriges Jury-Mitglied, hat sich zum dem Ungleichgewicht geäußert.

Nur drei Filme auf dem Festival wurden von Frauen inszeniert. Das sei aber nicht die Schuld des Festivals, sagte Maren Ade  bei einer Veranstaltung der Initiative Women in Motion, welche Frauen in der Filmindustrie fördert. Es sei vielmehr ein Problem der Filmindustrie. Es gehe ihr auf die Nerven, immer wieder sagen zu müssen, dass es nicht genug Regisseurinnen gibt und dass gute Filme von Sexismus oder mangelnden Angeboten verhindert werden. Daher müsse ein Umdenken einsetzen:

Es muss erlaubt sein, dass wir auch schlechte Filme machen dürfen, sodass einige von uns über, sagen wir, 50 Jahre am Ende vielleicht 10 gute Filme gemacht haben.

Ein wahres Zeichen für Gleichberechtigung wäre es, wenn Frauen genau so häufig scheitern dürften wie Männer und ihnen dann auch genau so häufig vergeben würde. Die Realität sei aber, dass Männer auch Flops produzieren dürfen ohne ihre Karriere zu riskieren. Die Lösung, so Ade, sei eine Quote. In der europäischen Filmförderung, wo die Finanzierung von öffentlichen Einrichtungen getragen wird, sollte man eine Frauenquote einführen. In den USA, wo die Finanzierung über private Studios läuft, sollte es ebenfalls eine gemeinsame Vereinbarung geben. „Wenn eine Frau endlich einen Film drehen darf,” so Ade, „ist die Chance statistisch gesehen größer, dass er gut ist. Denn wenn wir überhaupt einmal Geld bekommen, wollen wir auch nichts Schlechtes abliefern.”

Auch Jessica Chastain äußerte sich zur Darstellung von Frauen in den Wettbewerbsfilmen in Cannes. In den 20 Filmen, die sie gesehen hat, ließ sie die Darstellung von Frauen vielfach „verstört” zurück.

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Ich hoffe, dass wenn wir mehr weibliche Storyteller haben, werden wir auch mehr Frauen sehen, die ich aus meinem täglich Leben wieder erkenne. Frauen, die selbstständig handeln und nicht nur auf die Männer um sie herum reagieren.

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