Mein Herz für Klassiker

Ich, Für eine Handvoll Dollar und ein ikonischer Poncho

06.10.2015 - 08:00 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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Clint Eastwood in Für eine Handvoll Dollar
© Tobis
Clint Eastwood in Für eine Handvoll Dollar
Der Film, der die Karriere zweier Filmgrößen gestartet und nebenbei auch noch den Poncho salonfähig gemacht hat. Die Rede ist natürlich vom Auftakt der Dollar-Trilogie. Diese Mode ist vielleicht nicht jedermanns Sache, aber ein guter Western sollte es sein.

Totgeglaubte leben ja bekanntlich länger. So ging es auch dem Western vor rund 50 Jahren. Das hatte aber seine Vorteile, denn Sergio Leone konnte damals dem Genre mit Für eine Handvoll Dollar neue Impulse und mit dem jungen Clint Eastwood auch ein frisches Gesicht geben. Damit begann der Siegeszug des Italowesterns. Vom anschließenden Weltruhm beider ganz zu schweigen.

Für eine Handvoll Dollar

Ein namenloser Mann (Clint Eastwood) betritt eine leer gefegte Stadt im amerikanisch-mexikanischen Grenzgebiet. Ein paar Halunken kommen auf ihn zu. Ein paar dumme Sprüche und eine unüberlegte Provokation später liegen sie unter der Erde. Im Örtchen San Miguel werden keine Gefangenen gemacht. Der Bandenkrieg zwischen den Rojos und Baxters macht den Tod zum Dauergast in der Stadt. Nur dem Sargmacher geht es blendend. Der Fremde erkennt, dass hier mehr als nur eine Handvoll Dollar zu machen ist und beginnt die verfeindeten Familien gegeneinander auszuspielen. Mehr als einmal wirft er sich dabei seinen verstaubten Poncho über die Schulter, damit kurz darauf die Schießeisen sprechen können. Am Ende ist die Stadt so gut wie ausgestorben und der Mann im Poncho eine Ikone.

Warum ich Für eine Handvoll Dollar mein Herz schenke

Die Antwort darauf ist ganz einfach. Es ist ein hervorragender Western, dem Cineasten viel zu verdanken haben. Auf die Filmografien von Eastwood und Leone würde ich für meinen Teil nur sehr ungern verzichten (von einzelnen Beispielen mal abgesehen). Aber auch als Prototyp eines neuen dreckigen Western funktioniert Für eine handvoll Dollar. Leone hat damals seine Begeisterung für den Western auf einen Nenner heruntergebrochen. Den Showdown am Ende. Davon wollte er so viele wie möglich. Die Rechnung ist aufgegangen. Andauernd wird sich in Für eine Handvoll Dollar grimmig angestarrt. Und zwischen all den anschließenden Schusswechseln kommt kaum jemand zu Wort. Am beeindruckendsten ist aber die Stilsicherheit in Leones Frühwerk. Das Aufeinander-Schießen wird geradezu zu einer Zeremonie. Die Raumauflösung über die Detailaufnahmen des Gesichts und die Wiederherstellung über die Totale im Moment, in dem die Uhr 12 schlägt. Das alles unterlegt Ennio Morricones (im Abspann noch als Dan Savio) wunderbar passender Musik. Ich könnte hier noch seitenweise schwärmen, aber das sollte als Eindruck reichen.

Für eine Handvoll Dollar

Warum auch andere Für eine Handvoll Dollar lieben werden

Italowestern sind für den ein oder anderen etwas zu sperrig. Mit Spiel mir das Lied vom Tod steht der geneigte Filmfan zum Beispiel vor der Herausforderung einer dreistündigen Western-Oper. Die hat schon ganz andere vergrault, unter anderem den großen amerikanischen Kritiker Roger Ebert. Für eine Handvoll Dollar ist eher die komprimierte Essenz des Genres. Für eine Handvoll Dollar ist vielleicht der kompakteste und zugänglichste Italowestern. In der Laufzeit von gut anderthalb Stunden wird stilistisch alles vorgestellt, was in späteren Werken zur Vollendung gebracht wird.

Warum Für eine Handvoll Dollar die Jahrzehnte überdauern wird

Für eine Handvoll Dollar steht ein bisschen im Schatten seiner Genre-Kollegen. Vielleicht ist er nicht so beliebt oder stilistisch ausgefeilt wie die späteren Meisterwerke des Italowesterns. Aber wie heißt es so schön: "Wehret den Anfängen!" Wollt ihr wissen, warum zum Beispiel Spiel mir das Lied vom Tod, Zwei glorreiche Halunken oder auch Sergio Corbuccis Filme so großartig sind? Das könnt ihr euch hier anschauen. Ein intensiver Western ist Für eine Handvoll Dollar sowieso. Und wer die Biographien von Sergio Leone und Clint Eastwood durchstöbert, wird früher oder später auf diesen feinen Film stoßen. Man kann aber auch sonst einiges lernen. Zum Beispiel: Wenn ein finster dreinblickender, Zigarillo paffender Revolverheld seinen Poncho zurückschlägt, wird's ernst.

Welcher Italowestern gefällt euch am besten?

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