Horror-Falle bei Amazon Prime: Diese Schlaftablette glänzt nur mit Lächerlichkeit

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The Lie mit Joey King
06.10.2020 - 16:44 UhrVor 4 Monaten aktualisiert
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Im Oktober bringt Amazon Prime vier neue Filme aus der bekannten Horror-Schmiede Blumhouse. Einer davon entpuppt sich aber als lahme Mogelpackung mit peinlichem Twist.

Vor rund einem Monat gab es für Horrorfans eine tolle Nachricht. Passend zum Halloween-Monat wird Amazon Prime Video im Oktober gleich vier neue Filme von Blumhouse als Stream veröffentlichen. In der Vergangenheit brachte die berühmte Produktionsschmiede von Mastermind Jason Blum Werke wie die Insidious- und Paranormal Activity-Reihe, Get Out und den neusten Halloween-Film hervor.

Den Auftakt der jüngsten Blumhouse-Reihe bilden am 6. Oktober die beiden Filme Black Box und The Lie. Leider entpuppt sich Letzterer schnell als Mogelpackung, der die Bezeichnung Horror gar nicht verdient hat.

Der Film von Regisseurin Veena Sud ist stattdessen ein elegisch-ödes Familiendrama, das einen nur durch seinen, an Lächerlichkeit kaum noch zu toppenden, Twist ganz am Ende nochmal kurz aus dem Tiefschlaf reißt.

Neu bei Amazon Prime: The Lie entpuppt sich als generisches Familiendrama mit Thriller-Einschlag

Zu Beginn des Films von Veena Sud schwebt düstere Ungewissheit über den tristen Bildern. Ein Vater (Peter Sarsgaard) ist mit seiner Tochter (The Kissing Booth-Star Joey King) unterwegs zu einer Ballett-Veranstaltung, die übers Wochenende stattfindet. Auf dem Weg nehmen sie spontan noch eine Freundin der Jugendlichen mit, die plötzlich mit dem Vater zu flirten beginnt.

Als Tochter Kayla und ihre Freundin bei einer kurzen Fahrtpause alleine sind, kommt es zum Unglück. Vater Jay hört nur noch einen Schrei der Freundin und findet seine Tochter völlig aufgelöst auf einer Brücke sitzend.

Offenbar hat sie ihre Freundin bei einem Streit versehentlich geschubst und ist damit schuld am Tod der Teenagerin. Was dann folgt, ist der schwere Umgang der geschiedenen Eltern von Kayla mit der verheerenden Tat ihrer Tochter.

Schaut hier den Trailer zu The Lie

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Wer bei The Lie dagegen darauf wartet, dass sich das Szenario noch zum richtigen Horror entwickelt, wird schnell schwer enttäuscht. Die Blumhouse-Produktion, die zusammen mit den anderen neuen Filmen im Vorfeld als Horror beworben wurde, ist nicht mehr als ein generisches Reißbrett-Thriller-Drama im blassen TV-Film-Look.

Oberflächlich kreist Regisseurin Veena Sud um die Schuldfragen und das abgründige Verantwortungsbewusstsein der Eltern, ohne die Handlung im schleppenden Zeitlupen-Tempo jemals packend voranzutreiben oder ein Gefühl für das Innenleben der leicht zu durchschauenden Figuren zu entwickeln.

Mit der Absicht, ihre Tochter um jeden Preis vor dem Gesetz zu schützen, müssen Kaylas Eltern schließlich selbst moralische Grenzen einreißen. Dass Kaylas Freundin zu Beginn des Films Blessuren im Gesicht aufweist und ihr Vater offenbar gewalttätig gegenüber dem Mädchen war, ist nur ein klischeehaftes Puzzleteil der Geschichte, in der keine Entwicklung jemals zu überraschen vermag.

The Lie reißt erst durch den abstrusen Twist ganz am Ende kurz aus dem Tiefschlaf

Dass The Lie jetzt als Teil einer Horrorfilm-Reihe ohne größere Aufmerksamkeit für den Film an sich veröffentlicht wird, hat sicherlich auch mit der Produktionsgeschichte zu tun. Abgedreht wurde der Film als US-Remake des deutschen Thrillers Wir Monster schon 2018. Im selben Jahr wurde Veena Suds Film auch auf dem Toronto International Film Festival gezeigt.

Als Teil einer kleinen Serie an neuen Blumhouse-Filmen wirkt es jetzt so, als würde die Produktionsfirma The Lie nach zwei Jahren einfach noch schnell veröffentlichen wollen, um nicht auf ihm sitzenbleiben zu müssen.

Peter Sarsgaard und Joey King in The Lie

Nur ganz am Ende reißt The Lie den Zuschauer nochmal kurz aus dem Tiefschlaf. Hier wird plötzlich ein Twist präsentiert, den wir an dieser Stelle natürlich nicht verraten wollen. Nur so viel: Auf einmal verwandelt sich das dröge Thriller-Drama durch die ebenso hirnrissige wie zynische Wendung glatt in eine abstruse Komödie.

Wenn der Film sich nicht vorher 85 Minuten lang derart uninspiriert durch seine 08/15-Geschichte schleppen würde, könnte man für The Lie allein aufgrund der sagenhaft dämlichen Auflösung fast eine Empfehlung aussprechen. Ansonsten solltet ihr euch die verschwendete Lebenszeit aber lieber sparen.

Werdet ihr euch The Lie bei Amazon Prime anschauen?

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