Heute im TV: Der kontroverse Thriller, der einen echten Serienkiller als Sexsymbol inszeniert

25.09.2021 - 11:00 Uhr
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Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile - Trailer (English) HD
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© Constantin Film
Zac Efron als Ted Bundy in Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile
Egal ob bei Netflix oder Amazon, in Serien oder Dokumentarfilmen, Serienkiller werden in der Popkultur absurd häufig als (sexuell) attraktive Personen inszeniert. Heute läuft ein Thriller im TV, der dieses Muster in neue absurde Höhen treibt.

Es muss irgendwann eine Art Geheimtreffen gegeben haben, bei dem Film- und Medienschaffende entschieden haben: Ted Bundy ist hot. Der Mann hat in den 70ern mindestens 30 Frauen brutal vergewaltigt und ermordet, aber lasst uns in jedem Fall in den Vordergrund stellen, wie attraktiv dieses verabscheuungswürdige Monster war.

Egal ob Ted Bundy: Selbstporträt eines Serienmörders bei Netflix oder Amazons Ted Bundy: Falling for a Killer, irgendjemand findet sich immer, der atemlos in die Kamera haucht, dass Bundy nur deswegen so viele Menschen töten konnte, weil er so gutaussehend und charmant war. Der Thriller Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile setzte diesem popkulturellen Mythos die Krone auf und castete Zac Efron in der Rolle des Serienkillers. ZAC EFRON!

Begutachten lässt sich das Ganze heute Abend ab 22.45 Uhr bei ProSieben. Vorher müssen wir allerdings noch eine wichtige Frage klären.

Ted Bundy war kein Schönling, also warum tut jeder so?

Spätestens jetzt werden einige von euch "Ted Bundy" bei der Google-Bildersuche eingegeben haben und sich wahrscheinlich fragen: Warum wird hier jemand als Brad Pitt der Serienkiller inszeniert, der aussieht wie Bier-Egon von der Tanke? Und ihr hättet Recht.

Mit Ted Bundy: No Man of God erschien 2021 direkt der nächste Film über den Serienkiller

Ted Bundy No Man of God - Trailer (Deutsch) HD
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Das Erfolgsgeheimnis von Ted Bundy war nicht, dass er so unglaublich sexy war und Frauen deswegen um den Finger wickeln konnte, um sie anschließend zu ermorden. Seine Opfer und die Behörden wurden auch deshalb nicht früher misstrauisch, weil er so normal wirkte. Genau deswegen hat es Bundy geschafft, die Fassade des harmlosen Typen von nebenan über Jahre aufrecht zu erhalten. Das klingt weniger aufregend, ist aber deutlich näher an der Wahrheit als das Bild des mysteriösen Monsters mit dem Gesicht eines Engels, dessen Charme Frauen hilflos ausgeliefert waren.

Die Sexualisierung von Serienkillern ist auch in Filmen respektlos

Wenn Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile Mädchenschwarm Zac Efron als Ted Bundy castet, folgen die Macher:innen also nicht nur generell dem Trend, dass im Film immer alle ein bisschen attraktiver aussehen als im echten Leben – sie führen eine Erzählung fort, die einen wortwörtlichen Serienkiller romantisiert.

Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile zeichnet ein spannendes Bild einer Person, die durch ihre schrecklichen Taten tief in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt ist. Der Thriller beruht auf den Memoiren von Elizabeth Kendall, die jahrelang mit Ted Bundy liiert war. Und natürlich sieht das Böse nicht immer aus wie Fritz Honka aus Der Goldene Handschuh. Auch das wäre eine Verzerrung der Tatsachen.

Aber: Jeder Versuch, einen Serienkiller zu einer verführerisch vermarktbaren Überversion seiner selbst zu überhöhen, ist zynisch. Egal, wie gut der attraktive Hauptdarsteller seine Rolle spielt. Wenn es um echte Opfer geht, ist nichts schrecklicher als die unsexy Wahrheit. Sorry not sorry, Hollywood und True-Crime-Superfans.

Wie fandet ihr Zac Efron als Ted Bundy in Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile?

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