Herschell Gordon Lewis - Die Geburt des Splatter- und Gore-Films

Blood Feast
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Blood Feast
09.10.2018 - 08:00 UhrVor 4 Jahren aktualisiert
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Ohne ihn wären abgetrennte Körperteile, unrealistische Mengen an Blutfontänen und verstreute Eingeweide im Film heute wohl unvorstellbar. Wir klären euch über den Godfather of Gore Herschell Gordon Lewis auf.

Wenn es einen Regisseur gibt, der das Horror-Genre ab den 1960er-Jahren noch einmal in eine neue, besonders derbe Richtung geführt hat, dann der amerikanische Filmemacher Herschell Gordon Lewis. Auch wenn er im Laufe seiner Karriere Werke aus verschiedenen Genres drehte, zu denen unter anderem vornehmlich von oben herab betrachtete Sexfilme und simple Komödien zählten, ist Lewis' Name bis heute vor allem Horror-Fans ein Begriff. Speziell der 1963 erschienene Streifen Blood Feast griff die Sehgewohnheiten und den guten Geschmack eines Publikums an, welches Szenen in einem derart expliziten Ausmaß zuvor noch nie gesehen hatte, und gilt als Geburtsstunde des Splatter-Films. Am 26.09.2016 ist Herschell Gordon Lewis gestorben, doch sein filmisches Erbe wird zweifellos die Zeit überdauern. Im Rahmen unserer Themenspecial Angst, Schrecken, Panik - Horror-Monat 2018 ist es an der Zeit für eine Würdigung.

Blood Feast als explizite Zurschaustellung brutaler Reize und primitiver Triebe

Für die Idee zu Blood Feast stellte sich Herschell Gordon Lewis zusammen mit seinem damaligen Geschäftspartner David Friedman im Vorfeld eine Variante von Alfred Hitchcocks wegweisendem Thriller Psycho vor, in der sämtliche Mordsequenzen in ihrem vollen, ungeschönten Ausmaß zu sehen wären. Entstanden ist hierbei ein Film, in dem die Handlung auf ein simples, geradezu banales Mindestmaß reduziert ist, während der Zuschauer ausschließlich mithilfe von blutigen, grausamen Details bei der Stange gehalten wird.

Neben der Inszenierung, die in vielen Momenten überaus dilettantisch wirkt, und Schauspielern sowie Dialogen, die sich nur schwer als solche bezeichnen lassen, ist Blood Feast allem voran ein Film der brutalen Reize und primitiven Triebe, die ein breites Publikum so noch nie zuvor zu sehen bekam. Befeuert wurde der als Erlebnis angepriesene Streifen zusätzlich durch eine Marketing-Kampagne, die besonders ekelerregend gestaltete Poster umfasste und bei der Kinobesuchern vor Betreten des Saals Kotztüten ausgehändigt wurden.

Blood Feast

Seinem Gespür für atmosphärische Szenen ließ Herschell Gordon Lewis freien Lauf, wenn es darum ging, die blutigen Folgen der Taten zu bebildern, die der psychopathische Serienmörder Fuad Ramses begeht, um in einem absurden Ritual mithilfe von Opfergaben in Form von menschlichen Körperteilen oder Blut eine ägyptische Göttin wiederauferstehen zu lassen. Die Vermischung von surrealem Sound-Design und markantem Score dienen hierbei als Klangkulisse für sensationslüsterne Set-Pieces, die immer wieder den Höhepunkt der dünnen Handlung bestimmen.

Ähnlich wie auch in seinem 1970 veröffentlichten Gore-Film The Wizard of Gore stellt der Regisseur seine Vorliebe für das Innere von Körpern aus, in die er sich mithilfe von handgemachten Effekten sticht, bohrt oder sägt. Dass der Regisseur seine Karriere mit dem Drehen von Sexfilmen begann, zu denen unter anderem Hugh Hefner das Drehbuch schrieb, spiegelt sich auch in seinen Splatter- und Gore-Filmen wider. Nur sind es dort keine menschlichen Körper, die sich lustvoll einander hingeben, sondern menschliche Körper, die lustvoll aufgelöst, zerteilt oder anderweitig verstümmelt werden.

The Wizard of Gore

Der Einfluss von Herschell Gordon Lewis auf das Horror-Kino im Allgemeinen

Bis 1972 drehte Herschell Gordon Lewis Filme wie Two Thousand Maniacs!, Color Me Blood Red, She-Devils on Wheels oder The Gore Gore Girls, die zwar nicht allesamt den gleichen Anteil an Splatter und Gore enthielten, aber mindestens durch ihre einfallsreichen Titel lockten. Als einflussreichen Regisseur betrachtete sich Lewis dabei selbst nie. Für ihn war das Drehen von Filmen lediglich ein Mittel zum Geldverdienen, während er erst nach dem vorläufigen Ende seiner Regie-Karriere in der Werbeindustrie zu Reichtum gelangte. Hier schrieb er diverse Bücher zum Thema Marketing, die sich mit Effekten in der Werbung beschäftigten und in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden.

Trotzdem wären Filme wie Braindead, Tanz der Teufel oder Zombie - Dawn of the Dead ohne den Einfluss von Herschell Gordon Lewis kaum denkbar gewesen. Durch sie fand das Splatter-Kino mit Beginn der 1980er-Jahre auch im Mainstream langsam Anklang. Zudem waren die Film gewordenen Kuriositäten von Lewis der Grundstein für das Splatter- und Gore-Subgenre, für das Aufkommen der Grindhouse-Bewegung sowie Inspiration für die wilden Fantasien ungezügelter Genre-Liebhaber und -Regisseure wie Quentin Tarantino und Robert Rodriguez.

Was haltet ihr von Herschell Gordon Lewis?

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