Eisfieber im ZDF

Heiner Lauterbach in tödlicher Mission

Heiner Lauterbach und Isabella Ferrari im Thriller Eisfieber.
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Heiner Lauterbach und Isabella Ferrari im Thriller Eisfieber.

Im neuen ZDF-Thriller nach einer Romanvorlage von Ken Follett werden brandaktuelle Themen wie Bioterrorismus mit einem Kammerspiel im Eissturm verbunden. In Eisfieber werden aus dem Bio-Forschungslabor der Firma Oxenford Proben des tödlichen und hoch ansteckenden Madoba-2-Virus entwendet. Durch einen Schneesturm ungeahnten Ausmaßes werden die Mitglieder der Eignerfamilie in ihrem einsamen Landhaus eingeschlossen. Abgeschnitten von der Außenwelt kommt es dort zum Eklat innerhalb der Familie und zu einem Kampf auf Leben und Tod. Im Interview berichten die Hauptdarsteller Heiner Lauterbach, Tom Schilling, Katharina Wackernagel und Isabella Ferrari über Autor Ken Follett, die Dreharbeiten, Bioterrorismus und Familienfeste.

Was hat Sie gereizt bei Eisfieber mitzuspielen?

Heiner Lauterbach : Die Tatsache, dass das Drehbuch nach einem Roman von Ken Follett entstanden ist und Peter Keglevic, mit dem ich sehr gerne arbeite, die Regie führt. Das waren schon zwei sehr gute Gründe. Aber natürlich auch die vielschichtige Figur, die ich spielen sollte: Stanley Oxenford.

Tom Schilling: Ausschlaggebend war das ganze Paket: Drehbuch, Besetzung, Regie und natürlich die Rolle, Kit im speziellen.

Katharina Wackernagel : Mir hat das Drehbuch gefallen, weil es eine spannende Geschichte erzählt und mit der Virus-Thematik auch aktuell ist. Und ich wollte gerne mit Peter Keglevic arbeiten. Darüber hinaus habe ich mich auf meine Schauspielerkollegen gefreut. Es hat Spaß gemacht, mit ihnen zu drehen.

Sind Sie schon vor dem Filmangebot Leser von Ken Follett-Romanen gewesen?

Heiner Lauterbach : Nein, vor unseren Dreharbeiten habe ich noch keine Romane von Ken Follett gelesen. Beim Lesen des Drehbuchs habe ich seine vielzitierte Spannung schätzen gelernt, die er sehr ge-schickt in dem Buch aufbaut. Es ist packend geschrieben. Eisfieber ist einfach eine hoch spannende und intelligent erzählte Story.

Isabella Ferrari : Ich hatte noch nichts von Ken Follett, ich kannte nur sein Renommée. Beim Lesen von Eisfieber war ich vom ersten Kapitel an gefesselt. Es ist so spannend geschrieben, das lässt einen nicht mehr los. Seine Figuren sind in ständiger Bewegung und was wahr zu sein scheint, ändert sich von Seite zu Seite. Nach der Lektüre, aber wirklich erst danach, ist mir klar geworden, dass dieser Autor ein Liebhaber Shakespeares ist.

Ken Follett besuchte während der Dreharbeiten den Set in Berlin. Wie war das für Sie?

Tom Schilling : Ich habe ein, zwei Worte mit ihm gewechselt und mir anschließend mein Buch signieren lassen.

Heiner Lauterbach : Das Treffen war sehr schön für mich. Ken Follett ist ein typischer Engländer. Sehr witzig, mit einem trockenen Humor und überaus charmant. Wir hatten sehr viel Spaß miteinander.

Isabella Ferrari : An diesem Tag habe ich selbst nicht gedreht, vielleicht war das sogar ganz günstig für mich. Wenn ich drehe, lenkt mich die Anwesenheit von Leuten am Set sehr ab – und das wäre erst recht bei Ken Follett der Fall gewesen! Wir waren jedoch in einem schönen Restaurant in Berlin zusammen essen, haben viel gelacht und überhaupt nicht über Toni Gallo gesprochen, dafür aber umso mehr über italienische Politik, Kinder und vor allem über seine Musikband.

Was ist das Charakteristische und Interessante an der von Ihnen gespielten Figur?

Isabella Ferrari : Toni Gallo ist eine typische Ken Follett -Figur, die sehr vielschichtig ist. Sie ist eine hartnäckige Frau, die niemals auf-gibt. Die Schwierigkeiten, mit denen sie sich konfrontiert sieht, zeigen ihre Stärke und ihre Intelligenz. Und doch hat sie auch sehr weibliche Seiten und wird sich am Schluss vor allem auf ihre Sensibilität und Intuition verlassen.

Heiner Lauterbach : Stanley Oxenford ist ein Wissenschaftler, der sein ganzes Vermögen bei der Forschung nach einem Anti-Virus einsetzt, ein jung gebliebener Witwer, in dessen Leben eine neue Frau tritt, was zu einem Konflikt innerhalb seiner Familie führt. Und dann wird das Virus gestohlen.

Tom Schilling : Für mich als Schauspieler sind die zerrissenen Figuren immer die interessantesten. Kit wird aus seiner Verzweifelung und Wut heraus zur Judas-Figur. Das fand ich hoch spannend.

Sophie von Kessel: Für mich war die Sprödigkeit und Härte meiner Figur Olga eine große Herausforderung, weil ich noch nicht oft die Möglichkeit hatte, so etwas zu spielen. Ich liebe die Vielseitigkeit meines Berufes, wenn man die Chance hat, unterschiedliche Figuren zu spielen.

Katharina Wackernagel : Für mich war reizvoll an der Rolle, dass Miranda so herumgeschleudert wird, sich hin und her gerissen fühlt. Zu wem soll sie stehen? Und dann die Schwierigkeiten mit ihrer Schwester, die natürlich durch die Enge während der Geiselnahme verstärkt werden und am Ende zum Eklat führen.

Der Vater-Sohn-Konflikt ist von zentraler Bedeutung in Eisfieber. Ist der Konflikt und die Reaktion von Kit auf seinen Vater für Sie nachvollziehbar?

Heiner Lauterbach : Diesen Vater-Sohn-Konflikt gibt es häufiger. Auf der einen Seite der Vater mit hohen Erwartungen an seinen einzigen Sohn. Auf der anderen Seite der Sohn, der eigentlich nur danach strebt, von seinem Vater anerkannt zu werden und dabei versucht, auf eigenen Beinen zu stehen. So etwas geht oftmals nicht gut. In diesem Fall gerät Kit leider an die falschen Leute und damit auf die schiefe Bahn. Stanley hingegen bringt seinem Sohn trotz allem, obwohl die Situation entgleitet, sehr viel Liebe und Verständnis entgegen und bemüht sich um Versöhnung. Er glaubt an das Gute in Kit, weil es sein Sohn ist. Leider kann der das nicht annehmen.

Tom Schilling : Wenn ich eine Figur spiele, muss ich sie mir zueigen machen. Das bedeutet, ich muss sie verstehen lernen, ihre Handlungen nachvollziehen können, mögen sie auch noch so absurd sein. Somit ist für die Familie im Film, möglicherweise auch für den Zuschauer, Kits Reaktion überzogen und befremdend, für mich als Schauspieler jedoch nicht. Im Gegenteil, ich leide mit ihm.

Eisfieber ist eine internationale Koproduktion, bei der Schauspieler aus verschiedenen Ländern in ihrer Muttersprache gespielt haben. War das eine besondere Herausforderung?

Isabella Ferrari : Einen Dialog in zwei verschiedenen Sprachen miteinander zu spielen war sicherlich eine Herausforderung für mich. Aber mir gefallen Herausforderungen. Sie sind Teil meines Berufs.

Heiner Lauterbach : Eine internationale Koproduktion ist auf jeden Fall eine Herausforderung. Bei einer anderen internationalen Produktion wurde von allen Beteiligten englisch gesprochen. Darauf hat man sich letztlich schnell eingestellt. Bei den Dreharbeiten zu Eisfieber sprach jeder in seiner Muttersprache. Auch da findet man sich rein. Es ist also ein wenig Gewöhnungssache. Dennoch ist es am Anfang recht spannend.

Tom Schilling : Ein Problem durch verschiedene Drehsprachen ergab sich meinerseits nicht, was mich überraschte. Denn sobald die emotionale Ebene vom Schauspieler transportiert wird, spielt es keine Rolle, ob unterschiedliche Sprachen gesprochen werden. Improvisieren ist selbstverständlich schwieriger, wurde aber auch nicht verlangt.

Wenn Sie an die Dreharbeiten zurückdenken, welche Eindrücke und Begebenheiten sind Ihnen da besonders in Erinnerung geblieben?

Katharina Wackernagel : Es gibt ein Bild, außen, in diesem ganzen Schnee, der wirklich toll aussah und einem automatisch die Stimmung vermittelt, dass man sich im echten Schnee befindet. Aber tatsächlich war es ein sehr schöner, warmer Sommertag.

Wie war es, im Kunstschnee zu arbeiten? Wie fühlt sich das an?

Heiner Lauterbach : Der Schnee war toll. Er sieht täuschend echt aus. Wenn man darauf steht, fühlt und hört es sich wie echter Schnee an. Der Kunstschnee hatte aber einen großen Vorteil: Er ist nicht so kalt und nass wie richtiger Schnee.

Isabella Ferrari : Es war der beste und witzigste Teil der Arbeit. Die Augen sind nicht mehr auf dich gerichtet, sondern alles dreht sich nur um den Schnee. Ob es genug Wind gibt oder doch zu wenig. Und so fühlt man sich endlich frei im Spiel.

Tom Schilling : Im Kunstschnee zu arbeiten ist im Großen und Ganzen unproblematisch. Jedoch muss man präziser und konzentrierter agieren als sonst. Denn jeder falsche Take zieht eine lange Pause für die Neupräparation nach sich.

Stichwort Bioterrorismus: Für wie realistisch halten Sie die Story von Eisfieber?

Heiner Lauterbach : Die Thematik halte ich inzwischen leider für sehr realistisch.

Isabella Ferrari : Auch wenn die Geschichte der Fantasie entsprungen ist, hat sie starke realistische Züge. Die Realität ist eben mittlerweile in den Sphären dessen angekommen, was wir früher Fantasieprodukt genannt hätten. Die Welt, die Natur zeigt sich uns in all ihrer Zerbrech-lichkeit und der Mensch zeigt sich in seiner inkonsequenten, widersprüchlichen und selbstzerstörerischen Haltung.

Tom Schilling : Wenn Flugzeuge in Wolkenkratzer stürzen, kann nichts mehr auszuschließen sein. Bioterrorismus ist selbstverständlich eine reizvolle, perfide Option für Menschen, die töten wollen. Insofern ist der Film vielleicht nicht all zu weit von der Realität entfernt.

Katharina Wackernagel : Ich finde die Gefahr, dass Viren kriminell benutzt werden, durchaus vorstellbar und besorgniserregend.

Weihnachten bei den Oxenfords: Die ganze Familie kommt zusammen, kocht und streitet. Wie verleben Sie solche Feiertage?

Tom Schilling : Weihnachten wird Jahr für Jahr im Kreis der Familie nach dem gleichen Muster verbracht. Inklusive Streit.

Heiner Lauterbach : Gott sei dank ist es bei uns anders als bei den Oxenfords! Wobei es sicher nicht so selten ist, dass sich viele Familien, so wie unsere Oxenfords, an Weihnachten streiten. An diesen Feiertagen treffen ja oft geballte Emotionen und Erwartungen aufeinander. Da kommt es schnell zu Enttäuschungen und Missverständnissen.

Mit Material von ZDF

Der zweite Teil von Eisfieber läuft am 27. Januar 2010 um 20.15 Uhr im ZDF. Falls euch nicht nach Eis ist, schaut doch in unserem Fernsehprogramm nach Alternativen.

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