TV-Kritik

Heimwärts ins Generationenchaos

Es rumort in Heim und Hof..
© MDR/Saxonia/Steffen Junghans
Es rumort in Heim und Hof..

Der Tatort: Heimwärts entpuppte sich als ein TV-Beitrag zum Thema Überalterung. Dass es darum ging, den Mörder der Altenpflegerin Anna Kowski (Anne Werner) zu finden, musste dem Zuschauer immer wieder in Erinnerung gerufen werden. Die Ermittler verfingen sich zu sehr in Betrugsgeschichten um den schmierigen Pflegechef Mike Breuker (Dirk Borchardt) und im Wahnsinn des psychopathischen Ex-Lovers der Toten, Bestatter Daniel Bergmann (Stefan Konarske), der letztendlich nur als Zeitfüller diente.

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Eine sehr sympathische Familiengeschichte spielte sich dagegen auf dem Drei-Generationen-Hof der Holsts ab. Wegen arger Finanznot hing das ganze Heim am seidenen Faden. Alle drei Generationen, Tochter Svenja (Nina Gummich), Eltern Maria und Hannes Holst (Karl Kranzkowski) und Opi Karl Holst (Joachim Tomaschewsky) litten darunter auf ihre ganz eigene Art, was die Darsteller auch klar und konsequent verkörperten. Dann drückte auch noch der sanierungswütige Breuker seinen Daumen fest auf den Hof. Kein Wunder, dass die Nerven blank lagen und sich völlig unerwartet herausstellte, dass eigentlich Mutter Maria Holst (Johanna Gastdorf) die junge Pflegerin im Affekt getötet hat. Auch Svenja blieb von den kochenden Emotionen nicht verschont, ersparte aber den Zuschauer haarscharf mit einem dritten Todesopfer.

Kein Leipziger Allerlei
Das Leipziger Ermittlerduo Keppler & Saalfeld ließ mal wieder sämtlichen Lokalkolorit vermissen. Kein “Nu”, kein “Muckefuck”, kein “Leibdsch”, sondern sterile und stylische Profiler waren hier auf Spurensuche. Nur ein paar Aufnahmen mit den Beiden am Leipziger Hauptbahnhof und vor den Leipziger Straßenbahnen erinnerte uns an den Handlungsort. Mit kargen vier bis fünf Worten führte Hauptkommissar Andreas Keppler (Martin Wuttke) seine Handytelefonate. Wie immer fast übertrieben stylisch trat seine Kollegin und Ex-Frau Eva Saalfeldt (Simone Thomalla) vor die Haustür – und das Haar saß immer perfekt.

Leipziger Moralapostel?
Ist es der Anspruch des neuen Leipziger Tatortes, die Leiche als Mittel zum Zweck im Kühlschrank liegen zu lassen? Der Tot der jungen Altenpflegerin Anna Kowski führte die Ermittler auf eine Spur durch Lug und Betrug im Geschäft mit den hilflosen Alten, durch die schließlich selbst ihr schmieriger Chef Breuker (Dirk Borchardt) durchgeflutscht ist. Trotz dass die Spur schlussendlich nichts zur Sache beitrug, wurde mit jeder Viertelstunde klarer, was hier vor sich ging: Die Drehbuchautorin Heike Rübbert wollte zeigen, wie die demographische Entwicklung eine Familie finanziell und psychisch belasten kann. Insofern der Zuschauer hier manche Konventionen des Krimigenres ausblenden konnte, ist ihr das mit dem Tatort: Heimwärts sehr gut gelungen.

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