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Gefühlvolle Geschichten von Alain Resnais

Alain Resnais erfüllt eure Herzen
© Arsenal Filmverleih
Alain Resnais erfüllt eure Herzen

Nachdem Alain Resnais (Letztes Jahr in Marienbad) bereits mit Smoking/No Smoking ein Roman von Alan Ayckbourn für die große Leinwand adaptierte, nahm er sich 2006 einem weiteren Werks des Autors an. Private Fears in Public Places ist der Titel des Romans, den der Regisseur in Herzen umbenannte. Nach genauerer Überlegung passt der Filmtitel ebenso gut wie der des Buches, denn im Grunde erzählt der Film von einer bestimmten Anzahl von Herzen – egal ob glücklich, gebrochen, verdorben, friedlich, verlassen, einsam, bedrückt oder von Liebe erfüllt. Die vielen Schicksale, die Alain Resnais aufeinanderprallen lässt, sind direkt aus dem Leben gegriffen und jeweils um ein paar Ecken miteinander verknüpft. So entsteht ein ruhiger, aber auch berührender Episodenfilm, der sich völlig seinen Figuren hingibt.

Mehr: Alain Resnais – Das Leben ist ein Chanson

In der Stadt der Liebe angesiedelt, erzählt Herzen von sechs unterschiedlichen Menschen. Thierry (André Dussollier) ist Immobilienmakler von Beruf und versucht verzweifelt, für Nicole (Laura Morante) eine geeignete Wohnung zu organisieren – allerdings bisher ohne Erfolg. Niedergeschmettert bahnt er sich durch den wehenden Schnee seinen Weg ins Büro, wo Mitarbeiterin Charlotte (Sabine Azéma) mit noch mehr Arbeit auf ihn wartet. Während Thierry bereits ein Auge auf Charlotte geworfen hat, befindet sich auch seine Schwester Gaëlle (Isabelle Carré) aktiv auf Partnersuche. Nach einigen Nieten lernt sie über eine Partnerbörse im Internet den charmanten Dan (Lambert Wilson) kennen, der eigentlich noch mit Nicole zusammen ist, und sie in seine Stammbar ausführt. In diesem Ambiente bedient Lionel (Pierre Arditi), der wiederum aufgrund seines abendlichen Tagwerks die tiefgläubige Charlotte engagiert, um seinen Vater Arthur (Claude Rich) zu pflegen. Dieser schikaniert die neue Hilfskraft jedoch nur mit Kraftausdrücken, sodass diese aufgrund der unwürdigen Beleidigungen zu unkonventionellen Maßnahmen greifen muss.

Alain Resnais’ Kamera blickt einfach mitten in ein verschneites Paris und sucht sich diese sechs Geschichten fast schon willkürlich aus. Doch genau darin liegt die Stärke und der Reiz von Herzen. Der Film ordnet sich ganz seinen Figuren unter und lässt diese ihr tägliches Dasein mit all seinen Ecken und Kanten erleben. Die Inszenierung ist entsprechend zurückhaltend und auch das Szenario wechselt nur zwischen wenigen Kulissen hin und her. Dieses ruhige und entspannte Grundgerüst bietet dem exzellenten Cast im hohen Maß Möglichkeit zur Entfaltung und dank dem natürlichen sowie überzeugendem Schauspiel der Darsteller, wird Herzen zum herausragenden Episodendrama. Auch wenn sich Alain Resnais in seiner jüngeren Schaffensphase sehr gewandelt hat, bleibt sein Werk nach wie vor sehenswert.

Was: Herzen (2006)
Wann: 22:25 Uhr
Wo: 3Sat

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Redakteur bei Moviepilot. Schaut zu viel ins Internet, mag den Weltraum und fühlt sich auf Tatooine genauso zu Hause wie in Hogwarts und Mittelerde.
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