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Unnatürlich Natürlich

Die nicht normierbare Tilda Swinton wird 50

06.11.2010 - 08:50 Uhr
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Tilda Swinton in Constantine
© Warner Bros.
Tilda Swinton in Constantine
Zwar ist es fast unmöglich, diese Schauspielerin auf ein Alter zu schätzen, leider oder besser Gott sei Dank steht aber auch für eine Tilda Swinton das Rad der Zeit nicht still. Heute wird sie 50 Jahre alt.

Schon seit einiger Zeit gehört Tilda Swinton zu den produktivsten und vielfältigsten Schauspielerinnen weltweit. Erst vor ein paar Jahren fragte Hollywood höflich an bei der Frau, die damals schon als Königin des Arthouse-Films galt. Aber auch in Blockbuster Die Chroniken von Narnia – Der König von Narnia oder Der seltsame Fall des Benjamin Button überzeugt sie mit einer kaum nahbaren Aura, mit der die Swinton ihre Fans schon oft in den Bann ziehen konnte. Ihr wahres Metier jedoch ist und bleibt das Andere, das Experimentelle, das Dazwischen.

Bis zu seinem Tod 1994 arbeitete Tilda Swinton immer wieder mit dem Künstler Derek Jarman zusammen, spielte in all seinen Filmen. Sie war die Prostituierte in einer Dreierbeziehung, die sich die Kleider vom Leib reißende Braut oder die gedemütigte Ehefrau von Edward II. Vor allem aber war sie Jarmans Muse. Der Künstler war von Swintons androgyner Erscheinung begeistert, ließ sie in seinen Filmen betont männliche Kleidung tragen. Nicht zuletzt schuld am Erfolg der Tilda Swinton ist die Leichtfertigkeit, mit der sie sich zwischen den Geschlechtern zu bewegen weiß.

In Orlando von Sally Potter tut sie dies über Zeit und Raum hinweg. Keine andere hätte Orlando so überzeugend spielen können wie Tilda Swinton. Und dann war da noch Female Perversions von Susan Streitfeld, in dem Tilda eine erfolgreiche Karrierefrau spielt, die auf der Suche nach der eigenen Identität Sexualität benutzt und mit dieser experimentiert. Das Ausprobieren und Experimentieren hat Tilda Swinton auch selbst nie sein gelassen, weshalb es so schwer fällt, die Schauspielerin in eine Schublade zu stecken. Wenn überhaupt, gehört auf ihre Schublade ein Schild mit der Aufschrift: Nicht Normierbar.

Die Swinton widersetzt sich klassischen Ordnungssystemen und Rollen, wo sie nur kann. Und das nicht nur im Film. Privat verbringt sie ihr Leben mit dem Schriftsteller und Vater ihrer Kinder John Byrne, teilt das Bett allerdings auch mit Liebhaber Sandro Kopp. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung verriet sie eine ihrer Lebenseinstellungen: “Jeder Mann, jede Frau sollte das wählen, was ihm oder ihr entspricht. Der Gesellschaft Konventionen aufzuerlegen, finde ich falsch.” Gerade in Jarmans Filmen hat sich diese Auflehnung gegen das Konventionelle gezeigt.

Gegen den Mascara hatte sie sich seit Beginn ihrer Karriere gewehrt und sich damit ein für das Showgeschäft hohes Maß an Selbstbestimmung erhalten. Die Augen, die ohne schwarze Umrandung unnatürlich natürlich wirken, waren ihr zum Markenzeichen geworden. Ob es diese Unabhängigkeit von den Blicken anderer ist, die Tilda Swinton auf eine fast schon exotische Art und Weise so unglaublich schön macht?

Im moviepilot-Interview zu I am Love bezauberte Tilda Swinton mit ihrer offenen Art und verriet uns ihren Lieblingsfilm.

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