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Die Frau von früher - Psychothriller zum Gähnen

07.06.2013 - 08:50 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
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Die Frau von früher
© ZDF / © Peter Hartwig
Die Frau von früher
Wie kann eine spannende Geschichte vollkommen spannungsfrei erzählt werden? In seiner Theaterverfilmung Die Frau von früher zeigt Andreas Kleinert, wie es geht.

Eifersucht, Intrigen, Sex, Gewalt – Die Frau von früher hat inhaltlich wirklich alles zu bieten, was so ein richtig guter Thriller braucht. Ein paar psychische Abgründe, nackte Menschen und das Spiel mit Realität, Einbildung und Erinnerung gibt es als Bonus noch dazu. Es ist geradezu eine Meisterleistung, aus diesem Rezept keinen packenden Film zu zaubern. Andreas Kleinert ist es dennoch gelungen.

Protagonisten, die niemanden interessieren
Da ist dieser Mann. Er heißt Frank und wird gespielt von Devid Striesow. Der Mann hat eine Frau. Die heißt Claudia und wird gespielt von Anna Loos. Die beiden wollen nach Toronto auswandern, denn irgendetwas ganz Furchtbares ist geschehen. Es hat etwas mit viel Geld und dem Tod eines Menschen zu tun. Doch bis auf kurze Erinnerungsfetzen erfahren wir über diese folgenreichen Ereignisse zunächst nichts. Es gibt noch einen gemeinsamen Sohn namens Alex (Jonas Nay), der hat auf Auswandern überhaupt keinen Bock, denn er genießt gerade den Gefühlsrausch der ersten großen Liebe. Seinen Unmut drückt er darin aus, dass er kurz vor dem Auszug großflächig die Wohnzimmerwand verschönert.

Als würde dies noch nicht reichen, steht plötzlich auch noch Romy (Ursina Lardi) vor der Tür und stellt sich als Franks erste große Liebe vor. Nein, nicht nur das, sie ist auch felsenfest davon überzeugt, dass der Treueschwur von vor 24 Jahren jetzt zur Einlösung kommen sollte. „Er wird jetzt seinen Mantel nehmen und mit mir kommen“, konstatiert sie recht nüchtern. Doch so einfach ist es natürlich nicht. Bis Frank seinen Mantel nimmt, werden noch weitere furchtbare Dinge geschehen und nicht jeder wird dieses Szenario lebend verlassen.

Klingt spannend? Interessant? Vielleicht sind diese Adjektive ja auf das zu Grunde liegende Theaterstück von Roland Schimmelpfennig anwendbar. Auf die TV-Version treffen sie jedoch nicht zu. Keiner der Charaktere wirkt authentisch. Frank und Claudia sind ebenso kühl wie ihre Wandfarbe, doch dazu später mehr. Romys Persönlichkeit oszilliert irgendwo zwischen bemitleidenswerter Romantik und gefährlichem Irrsinn. Was sie an diesem Tag an diesem Ort zu suchen hat, ist bis zum Ende unklar. Und Alex? Verliebt wirkt er nicht, eher verwirrt, orientierungslos. Doch eine emotionale Verbindung lässt sich zu ihm nicht aufbauen. Egal womit sie konfrontiert werden, die Figuren wirken stets seltsam entrückt, als würde sie all das letztendlich nicht so richtig etwas angehen. Identifikationsfläche: Fehlanzeige.

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