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Mein Herz für Serie

Cranford - Außergewöhnlich gewöhnliches Leben im 19. Jh.

Cranford - Trailer (English)
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© BBC/NewK SM
Cranford
01.10.2015 - 08:50 UhrVor 5 Jahren aktualisiert
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England, 19. Jahrhundert, Kostüme, ein neuer und sehr attraktiver Arzt und eine Reihe klatschfreudiger Damen. Klingen wie die Zutaten eines kitschigen Romans. Aber halt, die Miniserie von Cranford hat durchaus mehr zu bieten.

Mein Herz für Serie geht in dieser Woche an ein paar außergewöhnlich gewöhnliche Damen aus einem kleinen Städtchen namens Cranford. Die gleichnamige BBC-Serie stammt aus dem Jahr 2007 und basiert auf Novellen der britischen Schriftstellerin Elizabeth Gaskell. Die lebte selbst im 19. Jahrhundert und siedelt auch dort die Protagonistinnen aus Cranford an. Bei der illustren Damen-Schar handelt es sich um eine Reihe von Singles und verwitweten Damen, die das Leben in Cranford in ihren Zügeln halten. So leben die Damen vergleichsweise glücklich in ihrem beschaulichen Dorf und treffen sich regelmäßig, um den neusten Tratsch und Klatsch auszutauschen. Als aber plötzlich die Eisenbahn durch Cranford gebaut werden soll, ist die Ruhe vorbei. Während die einen den Bau der Eisenbahn entgegenfiebern, versperren sich andere gegenüber der modernen Technik. Ebendiese Entwicklung wird in einer fünfteiligen Staffel erzählt.

Rührende Geschichten

Cranford

Leider ist die Miniserie Cranford nicht vielen Menschen ein Begriff. In einer Zeit von Serienüberflutung kann diese Perle schon einmal das Nachsehen haben, schließlich hat sie keine Superhelden oder Terroristen in ihrem Plot. Auch ich wurde ausgerechnet von einem Universitätsdozenten auf Cranford aufmerksam. In einem Kurs über Romanverfilmungen sprachen wir neben den zahlreichen BBC-Verfilmungen von Great Expectations - Große Erwartungen (auch diese Miniminimini-Serie kann ich jedem ans Herz legen) auch über Cranford und ich war sofort verliebt. Die BBC-Serie beginnt mit der Ankunft von Mary Smith beim Hause der beiden Junggesellinnen Matty (Judi Dench) und Deborah Jenkins (Eileen Atkins). Zur selben Zeit kommt ebenfalls der gutaussehende Arzt Frank Harrison (Simon Woods) nach Cranford, der sich vor weiblichen Verehrern kaum retten kann.

Doch es geht um weit mehr als nur um mehrere charmante Liebesgeschichten. Cranford stellt auf eine sehr eindrucksvolle Art das damalige Leben der Mittelklasse und die Ängste der Menschen vor der Modernisierung dar. Bei einer jährlichen Gartenparty erfahren die Junggesellinnen und Witwen von den Eisenbahnbau-Neuigkeiten. Deborah Jenkins, die moralische Instanz der Stadt, ist außer sich und fühlt sich hintergangen. Sie wittert einen Betrug. Andere sehen die Bahn als Chance für das verschlafene Städtchen. Außerdem wird aufgezeigt, in welchen finanziellen Schwierigkeiten Frauen, die keiner Arbeit nachgehen, stecken. Statt sich vom Gehalt eines Mannes abhängig zu machen, macht sich eine der Damen mit einem Geschäft selbstständig und kämpft gegen Vorurteile. Auch das Schicksal eines verarmten Jungen, der Lesen lernen will, berührt.

Preisgekrönte Darsteller und Geschichtswissen

Cranford

Cranford vereint eine perfekte Mischung zwischen historischem Kostümdrama, charmanter Liebesgeschichte und gesellschaftskritischem Humor. Immer wieder wird die klassische Rollenverteilung kommentiert. Was natürlich besonders spannend ist, da hier die Damen die aktiven Hauptrolle spielen. Ein weiterer Aspekt der damaligen Zeit, wird in der Geschichte um den Jungen Harry Gregson erzählt. Der Zehnjährige (Alex Etel) gelangt unter die Fittiche von Edmund Carter (Philip Glenister), der eine kostenfreie Bildung für alle fordert und sich mit dieser Forderung gegen seine Chefin aufbäumt. Eine sehr interessante Sidestory, vor allem wenn sich der Zuschauer ein bisschen in die Geschichte des Schulsystems in Großbritannien einliest.

Neben den unterhaltenden Geschichten, sorgen aber auch die Schauspieler selbst für Spaß. Ihr kennt das sicherlich: Schaut ihr eine Serie, fragt ihr euch alle zwei Minuten "Woher kenne ich diese Person?" Auch bei Cranford finden sich zahlreiche bekannte Schauspieler, die in die verschiedenen Rollen der Provinzler schlüpfen. Allen voran Eileen Atkins bietet eine atemberaubende Darstellung als Deborah Jenkins. Für ihre Leistung gewann die Britin einen Primetime Emmy Award und einen British Academy Television Award 2008. Zu Judi Dench muss ich wohl keine großen Worten mehr schreiben. Liebhaber von britischen Serien und Filmen kommen außerdem mit Jim Carter (Downton Abbey), Jodie Whittaker (Broadchurch), Michael Gambon (Harry Potter und der Halbblutprinz), Tom Hiddleston (Only Lovers Left Alive), Julia McKenzie (The Casual Vacancy) und Michelle Dockery (Downton Abbey) auf ihre Kosten. Und das sind nur die bekanntesten Darsteller.

Und sonst so?

Die Rückkehr nach Cranford - Trailer (Deutsch)
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Da es sich bei Cranford um eine Miniserie handelt, möchte ich gar nicht zu viel verraten bzw. schreiben. Jeder oder jede, die sich für britische Serien im 19. Jahrhundert begeistern kann, die sich durch einen Mix zwischen Ernsthaftigkeit und Humor auszeichnen, lege ich Cranford ans Herz, insbesondere die Originalvertonung. Mit den britischen Stimmen wirken die Geschichten im England des 19. Jahrhunderts nämlich noch authentischer. Aber auch die deutsche Synchronisation lässt sich sehen. Übrigens hat die BBC das Flehen nach mehr Stoff über Cranford 2009 erfüllt. Damals lieferten die Briten ein zweiteiliges Weihnachtsspecial. "Die Rückkehr nach Cranford" zeigt, dass die Eisenbahn nun endlich in Cranford angekommen ist.

Kennt ihr Cranford?

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