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Black Mirror - Bissige Satire-Serie ganz im Stile von Her

Black Mirror - White Christmas Trailer (English)
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Die Medien sind auch in Black Mirror überallAbspielen
© Channel 4
Die Medien sind auch in Black Mirror überall
19.02.2015 - 08:50 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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Das 21. Jahrhundert ist ein bunter Rausch, geprägt von den omnipräsenten Medien. Black Mirror greift dieses Thema auf und spinnt die Gegenwart gekonnt weiter. Das Ergebnis ist ein kritischer Blick auf die Zukunft, der zum Nachdenken anregt.

Wir leben in herrlichen Zeiten: Unser innerer Antrieb, der Drang nach mehr, katapultierte uns vom wärmenden Flackern des Lagerfeuers direkt vor das rauschende Flimmern verschiedenster Bildschirme. Das Web 2.0 war eine stille Revolution, welche das von den Medien dominierte Zeitalter fulminant einleitete und unser Leben massiv veränderte. Klassische Informationsträger waren auf einen Schlag von gestern und Langweile wurde zu einem fast vergessenen Relikt vergangener Tage, ertränkt im elektronischen Smog der Zukunft. Dabei scheint bis heute kein Ende in Sicht. Das Licht am Ende des Tunnels rauscht an uns epileptisch vorbei und jeder erreichte Meilenstein bereichert angeblich auf innovative Weise unseren ach so grauen Alltag. So sitzt der moderne Konsument zwar mutterseelenallein vor der Mattscheibe, befindet sich aber dennoch im stetigen Austausch mit der Welt. Vor ihm klackert leise das neuste Notebook und in seiner Hand schmiegt sich ein Smartphone der aktuellen Generation perfekt den Fingerkuppen des Trägers an. Er ist der Alpha-Mensch von morgen, surfend auf der Highspeed-Autobahn des Internets ist er zu jeder Sekunde vernetzt mit dem Schwarm-Gehirn unser mannigfaltigen Rasse. Negative Nebeneffekte werden in der Leichtigkeit des Seins ausgeblendet und im kollektiven Konsens verdrängt, denn was bleibt uns anderes übrig, als die stumpfe Flucht nach vorne?

Black Mirror als verdrehte Parabel auf die mediale Neuzeit

Ähnlich überspitzt wie mein Eingangstext, fängt auch Black Mirror den heutigen Zeitgeist ein, der von omnipräsenter Werbung und pausenloser Unterhaltung geprägt ist. Fast schon surreal, spinnt die britische Serie mit jeder 60-minütigen Episode eine neue, völlig eigene Wirklichkeit, die jedoch nicht allzu fern von unserer Realität scheint und damit zu jeder Sekunde glaubhaft bleibt, trotz teils verrückter Thematiken. Twitter, Facebook, Casting-Shows, der tägliche Trott der immer gleichen Arbeit, Smartphone-Hype und politische Verdrossenheit. Wirklich nichts ist sicher vor der satirischen Schelle des Schwarzen Spiegels, der in Form von Fernsehern und Bildschirmen in jeder Wohnung zu finden ist. Besonders erschrocken war ich dabei von der dort gezeigten Implantation des Handys in das menschliche Bewusstsein. Technik und Individuum verschmelzen auf bizarre Weise zu einem fremdartigen Wesen, welches unweigerlich an die aktuelle, eigene Entwicklung erinnert. Lauschende Ohren werden zu sensiblen Mikrofonen, Augen zu hochauflösenden Kameras mit praktischer Zoom-Funktion und Apps zu körperinternen Anwendungen, die durch einen externen Mini-Controller mit einem simplen Fingerzeig ausgelöst werden.

Zum umfangreichen Repertoire des dadurch entstanden Angebots gehören die unterschiedlichsten Funktionen. Beispielsweise werden alle Erinnerungen direkt und ohne große Umschweife auf eine Cloud-basierte Datenbank gebrannt und sind damit zu jeder Zeit vom autorisierten Nutzer problemlos abrufbar. Nostalgische Erinnerungen werden plötzlich überflüssig, denn wichtige Augenblicke können wieder und wieder und wieder zumindest visuell erlebt werden. Was zunächst wie eine sinnvolle, fast schon notwendige Evolution erscheint, wird in der schwarzhumorigen Show schnell zum zerstörerischen Bumerang, der eigentlich gefestigte Fundamente zwischenmenschlicher Beziehungen gnadenlos einreißt und die dunkelsten Seiten des menschlichen Seins offenbart. Schlimmer noch ist das in der letzten Black Mirror-Episode White Christmas mit Mad Men-Star Jon Hamm präsentierte Mute-Feature. Durch die bereits angesprochene Erweiterung des Denkapparats ist es problemlos möglich, unliebsame Personen einfach zu blocken. Diese werden innerhalb eines Augenblicks zu grau rauschenden Silhouetten, die lediglich dumpfe, unverständliche Töne von sich geben. Während entsprechende Features im heutigen Internet tatsächlich ein wahrer Segen sind, stellen sie die menschliche Interaktion völlig auf den Kopf. Stellen wir uns eine intensive Beziehung vor, die tragisch zerbricht und wo der verzweifelte Partner nicht einmal die Möglichkeit hat, sich ein letztes Mal zu erklären oder eine Freundschaft, die an unausgesprochenen Worten scheitert, weil völlig normaler Streit plötzlich keine valide Option mehr darstellt, wenn die Gegenseite jederzeit das Gespräch verlassen kann.

Darüber hinaus könnten ehemals Kriminelle direkt mit roten Markierungen stigmatisiert werden, was eine erfolgreiche Resozialisation unmöglich machen würde und damit einem Todesurteil gleich kommt, welches an dunkle Stunden der deutschen Geschichte erinnert. Einen Aufschrei gegen diese bedenkliche Entwicklung sucht man in Black Mirror vergebens. Die Masse lässt sich von den unabstreitbaren Komfortfunktionen in sanfte Watte packen und die Wenigen, die sich tatsächlich gegen den unbarmherzigen Fortschritt wehren, werden schnell als isolierte Außenseiter abgetan, deren konservatives Denken von vorgestern stammt. Erschreckende Dystopie in Reinform, welche durch die greifbare Nähe unweigerlich ein unwohles Gefühl in der Magengegend hervorruft.

Leute einfach blocken? Kein Problem in Black Mirror.

Vielfalt und Unterhaltung im spannenden Gesamtpaket

Dabei stellen die von mir angesprochenen Themen nur ein Bruchteil davon dar, was in bisher zwei Staffeln von Black Mirror alles angesprochen wurde. Jede Episode schafft dabei mit einem unterschiedlichem Setting sowie frischen Schauspielern eine neue Realität, die für sich selbst steht und jeweils neue Aspekte der Zukunfts-Spinnerei kritisiert. Dabei verurteilt die Show nicht plump, sondern fungiert als mahnendes Werk, welches darauf hinweist, dass der - zugegeben - unaufhaltsame Fortschritt trotz aller Annehmlichkeiten weiter ethisch und moralisch kritisch hinterfragt werden muss. In Kombination mit der tollen Ausstattung und talentierten Darstellen vereint Black Mirror damit gelungene Unterhaltung gekonnt mit einer bissigen, satirischen Note, die nicht aufgesetzt wirkt.

Was haltet ihr von Black Mirror und gelungener Medien-Satire im Allgemeinen?

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