Behaupte Dich gegen Mobbing: So vielseitig zeigen Filme und Serien das Thema

Naruto verteidigt Hinata
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What? No chit-chat or monologue? Just gettin' right to the point, huh?

Anlässlich des heutigen Behaupte-Dich-gegen-Mobbing-Tags wollen auch wir uns des Themas annehmen und anhand von fünf Beispielen darauf aufmerksam machen. Wir stellen euch Filme, Serien sowie ein Spiel vor, in denen Mobbing behandelt wird und zeigen euch, welche Auswirkungen dies haben und wie Mobbing überwunden werden kann.

escapefromreality über 13 Reasons Why (Tote Mädchen lügen nicht)

Die Netflix-Serie Tote Mädchen lügen nicht oder auch 13 Reasons Why, die auf dem gleichnamigen Bestseller von Jay Asher aus dem Jahre 2007 basiert, führt uns vor Augen, wie weit Mobbing gehen kann und was das in den Opfern auslösen kann. In dem Drama geht es um den Selbstmord einer High-School-Schülerin, die durch verschiedene Ereignisse - zu denen auch Mobbing gehört hat - dazu getrieben wird ihren Lebenswillen zu verlieren und sich schließlich dazu entscheidet ihr Leben zu beenden. Hannah Baker, um die es in der Serie geht, hinterlässt 13 Kassetten, in denen sie die 13 Gründe für ihren Tod nennt.

Viele dieser Gründe haben mit Mobbing zu tun. So war Hannah neu an der Schule und wurde von Anbeginn von ihren Mitschülern schlecht behandelt. Das reichte von der Verbreitung von intimen Fotos über die Zerstörung ihres Rufs bis hin zu der Sexualisierung ihres Körpers. Hinzu kommt, dass die Schule so wenig gegen Mobbing unternommen hat, dass wir beinahe schon sagen könnten, dass sie eine Mobbing-Toleranz an den Tag legten. In der ersten Staffel versuchen Hannahs Freund Clay und Hannahs Mutter der Schule ihr Fehlverhalten vor Augen zu führen und eine Änderung in deren Umgang mit Mobbing zu bewirken. Als dies jedoch nichts bringt, entschließt sich Hannahs Mutter in der zweiten Staffel dazu die Schule dafür zu verklagen. Denn so haben sie ein Umfeld geschaffen, welches zu ihrem Selbstmord beigetragen hat.

Über die erste Staffel bzw. die 13 Kassetten hinweg, können wir beobachten wie sich Hannahs Situation immer mehr verschlechtert. Denn durch das ihr täglich widerfahrende Mobbing sinkt ihr Selbstvertrauen, ihr Lebenswillen und -freude immer mehr, sodass am Ende nicht mehr viel angerichtet werden muss, um sie davon zu überzeugen, dass es besser ist zu sterben als tot zu sein. Hierdurch vermittelt uns 13 Reasons Why auf mitreißende, emotionale und tragische Art und Weise was für einen irreparablen Schaden Mobbing in ihren Opfern anrichten kann. Außerdem macht das Drama darauf aufmerksam, dass nicht nur die Täter dafür zur Verantwortung zu ziehen sind, sondern auch Autoritäten wie die Schule oder die Eltern, die eine Non-Toleranz gegenüber Mobbing ausstrahlen müssen und solches Verhalten zu untersagen haben.

Stefan.Ishii über Carrie (1976)

Das Thema Mobbing wurde schon vielfältig in Thrillern oder Horrorfilmen aufgegriffen. Nichts läge näher, als Mobbing in solchen Genrefilmen zu verarbeiten. Insbesondere Jugendliche sind aufgrund ihrer noch nicht völlig gefestigten Persönlichkeit oftmals außerordentlich stark betroffen. Das Ausmaß des psychischen Drucks, dem Mobbing-Opfer ausgesetzt sind, kann mitunter fürchterlich sein. Das erkannte auch Horrorautor Stephen King als er von einer schüchternen, introvertierten Schülerin erfuhr, die wegen altmodischer Kleidung von ihren Mitschülern gemobbt wurde. Er griff dies auf, verstärkte das Gefühl der Wehrlosigkeit, indem er seine Hauptfigur Carrie ihre erste Periode beim Duschen mit Mitschülerinnen bekommen lies, was sie aufgrund der konservativ verklämmten Erziehung ihrer krankhaft religiös-altmodischen Mutter nicht verarbeiten konnte. Das unaufgeklärte Mädchen gerät bereits allein durch diese sie überfordernde Situation in Panik. Doch der hinzukommende Spott und die unerträglich demütigenden Hänseleien durch ihr Schulumfeld bringen Carrie in einen Zustand, der sie zu schrecklichen Reaktionen treibt. King baute dies noch aus, verlieh der verstörten Carrie telekinetische Kräfte und macht einen entfesselten Racheengel aus ihr.

Diese negative Überhöhung des Opferseins findet leider auch in der Realität oftmals seine Parallelen. Mobbingopfer in der Schule werden häufig zu Schulverweigerern, um sich ihrer Qual zu entziehen. Aber auch selbstverletzende oder gar -tötende Reaktionen sowie Gewalttätigkeiten als letzte Möglichkeit des Ausweges können die Folge sein.

1976 verfilmte Brian De Palma den Roman von Stephen King mit der noch sehr jungen Sissy Spacek in der titelgebenden Rolle. De Palma macht aus der Geschichte einen effekteorientierten Horrorfilm, der sehr faszinierend und kraftvoll durch Kamera, Schnitt und Musik die Gefühlslage der gepeinigten Hauptfigur sichtbar macht. Gerade als Studie menschlicher Verhaltensweisen, die mit Metaphern arbeitet, ist der Film allerdings ganz sicher äußerst sehenswert. Die Ausnahmesituation der aufkeimenden Sexualität, das Gefühl der Unzugehörigkeit und Fremdartigkeit, die seelischen Verletzungen, die überfordernde Unwissenheit der jungen Carrie sowie das letztlich ausschlaggebende Moment des Mobbings durch die Mitschüler und der damit verknüpften sozialen Isolation setzen sich zu einem komplexen, tiefenpsychologisch aufgeladenen Pulverfass zusammen, das zwangsläufig explodieren muss und dies auch ungezügelt tut. De Palma schuf mit Carrie einen der einflussreichsten und vielleicht sogar besten Horrorfilme - zumindest eine der besten King-Verfilmungen.

Doch was den Film so gut macht, ist nicht die bereits erwähnte Explosion, sondern der sich stetig und unausweichlich aufbauende Druck, der zu dieser führt. Carrie kann ihrem Umfeld, sprich der eigenen Mutter und den hänselnden Mitschülern, nicht entrinnen. Sie weiß sich nicht zur Wehr zu setzen. Das Mobbing wird zum puren Horror.

Adrian.Cinemacritic über Life is Strange

Ich habe schon einige Male Erfahrungen mit Mobbing gehabt. Zwar waren sie im Vergleich zu anderen Vorfällen, die es auf der Welt gibt, relativ harmlos und ich kann nicht von mir behaupten, dass ich mich jemals so richtig von der Welt verlassen gefühlt habe. Das ist der Grund, warum ich bis zum heutigen Tag versuche, mich für die Leute einzusetzen, die unter irgendwelchen Trollen zu leiden haben. Ich wunderte mich aber auch immer wieder, was diese Mobber mit ihrem Verhalten erreichen wollten. Was genau war ihr Ziel? Wie profitieren sie davon, dass sie einen unschuldigen Jungen oder ein unschuldiges Mädchen leiden lassen? Haben diese Mobber irgendwelche sozialen oder psychischen Probleme? Wurden ihre Leben von irgendwelchen Ängsten beeinflusst, die dafür gesorgt haben, dass sie ihre Wut an andere Leute rauslassen müssen? So sehr ich die Opfer auch in Schutz genommen habe, so fragte ich mich auch, was sich hinter der “bösen” Fassade verbirgt, die die Mobber um sich herum aufgebaut haben. Und viele Male haben sich Regisseure in Filmen und Serien mit diesen Themen auseinandergesetzt, mal gut und mal schlecht. Ich verdrehe immer wieder die Augen, wenn wieder auf ein klassisches Gut und Böse-Szenario gesetzt wird, statt dem Ganzen etwas mehr Tiefe zu geben. Versteht mich nicht falsch, es gibt einige schlimmen Leute auf unserer Welt, aber einige müssen auch ihre Gründe haben, warum sie so geworden sind, so schlimm und nicht nachvollziehbar sie auch sein mögen. Wenn ein Drehbuchautor einem Charakter keinen Funken Menschlichkeit gibt oder wir kein Verständnis haben, warum sie so geworden sind, kann er sie auch gleich als herzlose Monster reduzieren. Doch es macht einen großen Unterschied, wenn wir uns solche Geschichten ansehen oder mit ihnen interagieren. Und hier kommt Life is Strange ins Spiel.

Ich mag zwar ein bisschen schummeln, wenn ich bei einer Filmwebsite über ein Videospiel schreibe, aber mir fiel kein besseres Beispiel an, da die Interaktion mit den Charakteren und die getroffenen Entscheidungen im Vergleich zu Filmen oder Serien den Lauf der Geschichte verändern. Richtig gelesen, statt dass wir nur dem Strom der Geschichte folgen, können wir diesen auch in eine ganz andere Richtung lenken. In diesem kleinen Teenager-Mysterydrama kannst du selbst entscheiden, wie du mit den verschiedenen Charakteren im schönen kleinen Städtchen am Meer, Arcadia Bay, interagierst und das kann die verschiedensten Auswirkungen haben. Schon allein in den ersten Minuten wurde mir sofort klar, was los ist, als die junge Fotografin Max Caulfield im Unterricht beobachtet, wie ihre Mitschülerin Kate mit einer Papierkugel abgeworfen wird. Die ganze Schule macht sich über sie lustig, nachdem eine peinliche Aktion auf einer Party aufgenommen wurde und viral gegangen ist. Neben allem, was in der Geschichte schon vor sich geht, hatte ich auch öfters die Möglichkeit, ein Hoffnungsschimmer in Kates Leben zu sein. Ein paar ermutigende Worte, ein simples Zeichen der Zuneigung kann genug sein, um etwas Licht in das Leben eines Menschen zu bringen. Und genau das wird dem Spieler während des Spielens klar. Kleine Taten können viel größere Auswirkungen haben, als wir glauben. Es braucht nicht viel, um jemandem vor Augen zu führen, dass es noch Schönheit auf der Welt gibt. Eine helfende Hand kann genug sein, um die Zukunft eines Menschen zu verändern.
Dasselbe gilt auch für die Mobber in Life is Strange.

Auf dem ersten Blick mögen sie diese typischen Charaktere sein, die nur da sind, damit wir sie hassen, doch unter der Oberfläche sind sie nicht so eindimensional wie wir erst glauben mögen. Statt Feuer mit Feuer zu bekämpfen, habe ich versucht, es zu löschen, indem ich auf sie eingehe und hinter die Mobber-Fassade blicke. Manche mögen simplere Motivationen haben als andere, aber es wird zumindest eines gezeigt: sie sind nicht so verdorben, wie es den Anschein haben mag. Eine einfache Unterhaltung ohne Schimpf und Schande oder eine Entschuldigung kann genug sein, um zu beweisen, dass sich hinter all der Hässlichkeit doch ein Mensch verbirgt, der wie wir alle mit Problemen zu kämpfen hat, nur ganz anders damit umgeht, auch wenn es unbestreitbar falsch ist. Wir sind alle nicht perfekt und das wird uns bei allen Charakteren in Life is Strange bewusst. Jeder hat etwas Dreck am Stecken, egal, wie schlimm es auch gewesen sein mag. Es spielt nur eine Rolle, ob wir zulassen, dass wir unsere eigene Menschlichkeit aufgeben oder aus dem tiefen Loch, in das wir uns reingeritten haben, herauskommen und zeigen, dass wir uns bessern können.

Life is Strange hat mir nicht nur gezeigt, sondern mich auch wortwörtlich hautnah miterleben lassen, wie man mit Mobbing-Situationen umzugehen hat (auch dass zu den Zeiten der Digitalisierung der Mobbing-Grad stark erhöht werden kann). Wir müssen intervenieren, aber dürfen die Gesamtsituation auch nicht nur in Gut und Böse unterteilen. Natürlich müssen wir das Schild für die Opfer sein, aber sollten wir die Mobber auch nicht in die unterste Schublade stecken und als anstandlose Bestien sehen. Kurz zusammengefasst: Du bist keineswegs ein belangloser Teil unserer Welt, deine Anwesenheit kann eine große Auswirkung auf die Menschen um dich herum haben. Du kannst sie auf einen besseren Weg leiten und ihre Zukunft auf die verschiedensten Weisen beeinflussen. Es liegt aber an nur an dir, wie du dich entscheidest. Denn schon allein eine Umarmung kann reichen, um eine Welle der Ereignisse auszulösen.

Amon über Naruto

Im Mittelpunkt der Geschichte des Anime-Hits Naruto steht der gleichnamige Ninja, der zu Beginn seines mehrere Jahre umspannenden Abenteuers allerhand Unsinn im Kopf hat. Er spielt anderen Bewohnern seines Heimatdorfes Konohagakure Streiche, beschmiert die Wahrzeichen des Ortes und zeigt gegenüber Autoritätspersonen keinerlei Respekt. In der ersten Episode wird unser Protagonist dann von einem Ninja eines anderen Reiches manipuliert, eines der Geheimnisse Konohas zu stehlen, was beinahe schlimme Konsequenzen gehabt hätte. Doch wie kann dies passieren? Am Tage von Narutos Geburt greift ein gewaltiges Monster, der Neunschwänzige Fuchs, Konoha an und zieht eine Schneise der Verwüstung durch das Dorf. Überall laufen die Menschen in Panik davon, ihre Häuser liegen in Trümmern, Feuer greift um sich und verschlingt immer weitere Teile des Ortes. Die Erde bebt angesichts der schieren Gewalt des Neunschwänzigen, der seiner unbändigen Macht freien Lauf lässt und Konoha in eine Trümmerlandschaft verwandelt. In jener Nacht verlieren viele Dorfbewohner ihr Leben - bis der Hokage, der Anführer Konohas, den Dämon versiegelt - im Körper des gerade erst geborenen Narutos. Die Eltern unseres Helden, der Hokage der Vierten Generation und seine Ehefrau Kushina, opfern für ihre Heimat ihr Leben, wohl wissend, dass vor ihrem Sohn eine schwierige Zeit liegt. Die Jahre vergehen, was der Neunschwänzige in jener Nacht zerstörte, wurde wieder aufgebaut und Naruto wurde immer älter. Die Bewohner des Dorfes meiden ihn, aus Angst vor der Bestie, die in seinem Inneren schläft und Konoha erneut ins Chaos stürzen könnte, sollte sie Naruto überwältigen und sich aus dem Körper des Jungen befreien.

Die Dorfbewohner lassen Naruto spüren, dass er nicht zu ihnen gehört, dass er nicht willkommen ist - und es wohl auch niemals sein wird. Sie meiden ihn für eine Tat, die er nicht begangen hat, aus Angst vor etwas, von dem er nicht einmal weiß, dass es existiert und dass es sich sogar in ihm befindet. Diese Angst geben die Erwachsenen an ihre Kinder weiter, die nicht mit Naruto spielen sollen, da er gefährlich sei. Naruto sieht indes nur, was er niemals haben wird: Ein intaktes Familienleben. Während andere Kinder nach der Schule von ihren Eltern abgeholt und in den Arm genommen werden, Liebe erfahren, sitzt er abseits des Geschehens und beobachtet mit trauriger Miene das Geschehen. Seine eingangs erwähnten Streiche sowie seine ablehnende Haltung gegenüber den Autoritäten des Dorfes, seinen Lehrern oder auch dem Hokage, erwuchsen aus seiner Einsamkeit, der Ablehnung, die ihm tagtäglich widerfährt. Naruto sehnt sich nach Aufmerksam, nach jemandem, der ihn wahrnimmt, der sich um ihn kümmert, jemanden, dem er wichtig ist. Auch wenn es zwischenzeitlich immer wieder Momente gibt, in denen es so scheint, als würde Naruto an all den negativen Erfahrungen zerbrechen, so kämpft er sich doch stets zurück, lässt sich nicht unterkriegen und findet am Ende Menschen, denen er etwas bedeutet. Er findet Menschen, die sich um ihn kümmern, die ihn lieben, ungeachtet des Monsters in seinem Inneren, zu dem er sonst womöglich selbst eines Tages geworden wäre.

Batman über The Killing

The Killing ist eine der Crime-Serien, deren Verbrechen tatsächlich schockieren und an die Nieren gehen. Die 4. und zugleich letzte Staffel macht da keine Ausnahme. Das Verbrechen ist diesmal von besonderer Härte: eine Familie wird in ihrem Haus abgeschlachtet. Vater, Mutter, zwei minderjährige Töchter, nur der erwachsene Sohn überlebt das Massaker. Kaum kehrt er auf die Militäruniversität zurück, die er vor dem Verbrechen besuchte, fängt auch der Psychoterror wieder an. Dieser junge Mann nämlich ist ein Mobbingopfer. Was The Killing in dieser Staffel wirklich großartig gelingt, ist, den Terror des Mobbings deutlich zu zeigen. Vielen Tätern im realen Leben ist ja gar nicht bewusst, was sie eigentlich anrichten. Mobbing ist häufig, aber selbstredend nicht immer, eine besonders perverse Form des Spaßvertreibs für Jugendliche ohne Hemmungen. Was aus der einen Perspektive harmloses Triezen ist, ist aus der anderen ein Horror, der das Alltägliche zur Qual macht. In The Killing ist die Situation nun etwas anders; dort nämlich ist unser Opfer ein Opfer vorsätzlichen Terrors. Dies ist die perverseste Form des Mobbings. Während bei der zuvor dargestellten zwar bereits den Opfern unzumutbares und unentschuldbares angetan wird, steckt doch meist keine böse Intention dahinter, bei letzterer hingegen ist es das Ziel, den Anderen zu brechen. Studien zu Folge nimmt "bewusstes Mobbing" an Schulen und Universitäten tatsächlich zu. Gerade das Internet ermöglich gezielte Angriffe auf das Opfer, sowie effektivere Planung und Koordination der Täter. Mobbing ist häufig ein Teufelskreis, aus dem auszubrechen schwer ist. Das diabolische ist ja, dass jede Aktion, jede Verzweiflungstat des Opfers von den Tätern aufgegriffen und gegen das Opfer verwendet wird. In The Killing kommt nun etwas hinzu, was dem ganzen eine besondere Schwere verleiht. Unser Opfer besitzt nämlich keinerlei stabile emotionale Bindung; die Beziehung zu seinen Eltern ist unstabil-abweisend. Er hat also keine Bezugsperson, an die er sich in seiner emotionalen Verzweiflung wenden könnte, keinen Fels in der Brandung.

Vielen Mobbingopfern ergeht es leider ähnlich. Sie neigen häufig zur Auto-Aggression; was anfängt mit dem zufügen leichter Schäden am eigenen Körper und sich dann von der Selbstverstümmelung zur Selbsttötung entwickeln kann (aber selbstverständlich nicht muss). The Killing präsentiert eine andere Verzweiflungslösung. Dort trägt das Opfer, wie in Rückblenden enthüllt wird, seine Wut und Verzweiflung nach außen und massakriert seine eigene Familie. Es ist eine spontane Tat, nicht von langer Hand geplant. All die angestauten negativen Emotionen brechen aus, wie ein Damm unter zu starken Druck bricht und in diesem Zustand emotionaler Überwältigung führt unser Opfer die Tötung durch, in der Hoffnung, Druck abzubauen. Natürlich tritt der gewünschte Effekt nicht ein und auch, wenn derartige Maßnahmen extreme Seltenheiten sind, zeigt sich hier doch eine weitere grausame Facette des Mobbings: die begangen Verzweiflungstaten lindern das Leid nicht, sie verstärken es eher nur noch. Die vierte Staffel The Killing ist also eine große Mahnung, auf der einen Seite an die Täter, auf der anderen aber auch an die Opfer, nicht der Verzweiflung nachzugeben.

Mehr: Mobbing: Behaupte Dich dagegen!

Mehr: Wie A Silent Voice hilft, Mobbing und seine Folgen besser zu verstehen

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