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Polizeiruf 110 aus Schwerin

Arme Kinder, arme Zuschauer

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29.06.2009 - 10:37 Uhr
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Polizeiruf 110 - Die armen Kinder von Schwerin
© ARD
Polizeiruf 110 - Die armen Kinder von Schwerin
Der Polizeiruf gestern Abend war so langweilig wie trockenes Brot und zeigte mal wieder, wie Sozialkritik nicht funktioniert und warum Betroffenheitsdramen zurecht verpönt sind.

Gestern Abend ging es mir sehr schlecht. Der Polizeiruf 110: Die armen Kinder von Schwerin war nicht ganz unschuldig daran: Traurige Kinder, die sich keinen neuen Schulranzen leisten können, zu wenig Geld sogar für neue Schulhefte und frisches Brot, melancholische Klänge zum tiefen Eintauchen ins Melodramatische und dann hat auch noch die Mutter Geburtstag und so Sätze wie “Der Kampf ums Überleben setzt kriminelle Energie frei” oder – ein Klassiker – “So ist das eben mit der deutschen Bürokratie!” werden so hölzern aufgesagt, dass sie wie sprechende Inkarnationen der Ikea-Bedienungsanleitungen wirken. Betroffene Gesichter in jedem Bild, allen geht es schlecht. In Schwerin sollte nicht einmal Urlaub gemacht werden; aus Angst vor Depressionen.

Foto-Show: die Bilder von “Polizeiruf 110: Die armen Kinder von Schwerin”

Und nebenbei, das hat man fast schon nicht bemerkt bei so viel Betroffenheitsdramatik, musste ein Mordfall gelöst werden, komplett mit Russen, Schrottdiebstahl und Mord. Das war alles mehr oder weniger belanglos und so unspannend wie ein loses Haargummi. Weder gab es große Überraschungen, noch unvorhersehbare Momente: Die Kommissare Hinrichs (Uwe Steimle) und Tellheim (Felix Eitner) sind einer russischen Metall-Mafia auf der Spur, die einen ihrer Handlanger wegen unkooperativem Verhalten ermordert haben.

Kurt Rutgaus – arbeitslos, Ehemann, Vater und einer der Handlanger – muss beim Aufhängen der Leiche helfen, sein elfjähriger Sohn Mika beobachtet ihn dabei und die Mafia bekommt irgendwie Wind davon. Der Knirps wird entführt und in einem Showdown, der an Spannungs- und Einfallslosigkeit nicht zu überbieten ist, schließlich gerettet. Fertig, aus, vorbei. Fast: Für die Mithilfe beim Zerschlagen der Bande winken der Familie 20,000 Euro. Ein Happy-End, so dreist aus den Fingern gesogen, dass es fast schon beleidigend ist.

Die schauspielerischen Leistungen halten sich in Grenzen, auch wenn die Akteure selten die Schuld für ihre Dialoge tragen. Die Kommissare versuchen, flotte Sprüche von sich zu geben, die ungefähr halb so lustig sind, wie ein Tritt an den Kopf; die Kinderschauspieler sind zwar ganz süß, müssen aber auch vor dem Drehbuch kapitulieren, das ihnen so unterirdisch kitschige Sätze wie “Ich will nicht, dass Mama Kummer hat!” in den Mund legt.

Der gestrige Polizeiruf war somit ein Schuss in den Ofen und ein vergeblicher Versuch, irgendeine Form von Gesellschaftskritik oder Denkanstoß zu präsentieren. Die armen Kinder von Schwerin – müssen sie doch jetzt diesen mit Klischees durchsetzten Schmarn schlucken.

Eure Meinung ist jetzt gefragt. Wie hat euch der Polizeiruf 110: Die armen Kinder von Schwerin gefallen?

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