Anime-Winter 2018: Diese Serien solltet ihr (nicht) nachholen - Teil 1

Kakegurui
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Kakegurui
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Thunderdrome Sebastian Wienecke
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Wieder ist eine Anime-Saison ins Land gezogen, eine weitere hat begonnen und nach sämtlichen Premieren lässt sich schon absehen, welche der neuen Shows sich für die nächsten drei Monate lohnen. Mit der dadurch frei gewordenen Zeit besteht die Möglichkeit, noch ein paar Juwelen vom Anfang des Jahres nachzuholen. Am besten gleich in einem Schwung, schließlich wurden die meisten ja schon vollständig ausgestrahlt. Daher gibt es hier wieder das mittlerweile traditionelle Round-Up zehn entweder besonders guter, besonders schlechter oder anderweitig besonderer Anime-Serien der letzten Season.

Vorher ist noch kurz anzumerken, dass manche der Serien eigentlich schon 2017 ausgestrahlt wurden. Da Netflix diese aber erst in der letzten Saison veröffentlichte, werden sie zu eben dieser mitgezählt.

Kakegurui - Das Leben ist ein Spiel

Unter den Themen, die sich für ausschweifenden Fanservice eignen, gehört Glücksspiel eigentlich nicht zu den offensichtlichen Kandidaten. Doch Anime kann mit allem versuchen, es irgendwie sexy zu gestalten, und so präsentiert sich Kakegurui - Das Leben ist ein Spiel als eine notgeile Eskapade aus Gesellschaftsspielen und leicht verstörender Erotik in einer langen, unanständigen Party.

Die übergreifende Geschichte sowie ihre Charaktere sind recht dünn und vorhersehbar, aber die Stärken der Serie liegen in den Auseinandersetzungen von Folge zu Folge. Eigentlich harmlose Zeitvertreibe werden zum Schauplatz ausgeklügelter Gedankenspiele, bei denen das Vorgehen der Spieler und ihre Arten des Betrugs genauso unterhaltsam sind wie die Gesichtsentgleisungen besiegter Gegenspieler. Kakegurui ist vollkommen lächerlich und sich dieses Umstands mehr als bewusst, was immer wieder schön anzusehen ist, sei es in einer halb seriösen Show wie dieser oder absurderen Affären wie der nächsten.

Kakegurui auf Netflix

Pop Team Epic

Ein guter Shitpost nimmt um ein Vielfaches mehr an Zeit und Aufwand in Anspruch, als er auf den ersten Blick eigentlich wert ist. Photoshop-Monstrositäten, Musik-Mashups, was auch immer in den letzten Monaten mit den Simpsons passierte, alleine die unvernünftige Menge an Energie, die in diese Projekte gesteckt wurde, macht sie zu einer bemerkenswerten Zeitverschwendung mit zusätzlichem Unterhaltungswert. Pop Team Epic setzte diese Philosophie gleich in einer ganzen Show um, in einer der liebevollsten Produktionen, die in der letzten Zeit erschienen sind.

Wo eine direkte Umsetzung des Webcomics eigentlich ausgereicht hätte, wechselt Pop Team Epic stattdessen von Sketch zu Sketch zwischen seinem "normalen" Stil, kruden Kritzeleien, Stop-Motion-Musikvideos und gelegentlicher Aushilfe eines französischen Animators. Dazu kommt ein vollkommen in sich abgeschlossener Extra-Anime und diverse Live-Action-Bits inklusive Hellshake Yano, was in Sachen Konzept, Ausführung, Timing und Choreographie zu den besten Stücken Filmkunst zählt, die es in diesem Jahr bisher gab.

Pop Team Epic auf Crunchyroll

Citrus

Dies ist nur eine Vermutung, da ich kein Experte des Genres bin, aber einige Shows der letzten Jahre vermitteln den Eindruck, dass Yuri-Anime (Romantik-Anime über lesbische Paare) fast nur in zwei Extremen existiert: Entweder eine Serie bleibt bei Implikationen und vereinzelten Untertönen und vermeidet so, die Dinge beim Namen zu nennen, oder, sobald eine sexuelle Ebene betreten wird, gestalten sich die Beziehungen oft als toxisch und übergriffig.

Citrus gehört zu letzterem, wozu es seine Geschichte mit einigen echt unsympathischen Figuren bevölkert. Und bei all seinen eigentlich sehr schönen Momenten sowie einer liebenswerten Hauptfigur ist die ständige Unterbrechung durch bösartige Intrigen und sexuelle Übergriffe doch eher störend. Als seichte Erotik erfüllt die Serie ihren Zweck, aber bis endlich die geplante Kase-san OVA erscheint, findet sich die bessere LGBT-Repräsentation in der nächsten Serie, einer von mehreren ihrer überraschenden Aspekte.

Citrus auf Crunchyroll

Devilman: Crybaby

Ich hatte ursprünglich nicht sehr viel von Devilman: Crybaby erwartet, oder konnte zumindest nicht einschätzen, was ich zu erwarten hatte. Ohne Kenntnis von Gô Nagais Vorlage oder den anderen Serien und Filmen Masaaki Yuasas diente Devilman: Crybaby für mich in erster Linie als Vorgeschmack, wie Netflix-Eigenproduktionen sich im Bereich Anime schlagen würden, und dank dieser Serie sind die Aussichten schon mal hervorragend.

Abgesehen von ein paar Pacing-Problemen und manchen befremdlichen stilistischen Entscheidungen haben wir es hier mit einer der besten und originellsten Serien des Jahres zu tun. Einzelne Unzulänglichkeiten sind wohl auf die hohe Experimentierfreude sowie die noch höheren und nicht ganz erfüllten Ambitionen zurückzuführen. Aber nur knapp an astronomischen Zielen zu scheitern, ist ebenso respektabel, wie sich ein realistischeres Ziel zu stecken und dieses mit Bravur zu erreichen, so wie es der letzte Anime für heute tat.

Devilman: Crybaby auf Netflix

A Place Further than the Universe

A Place Further Than The Universe ist makellos. Die Charaktere sind glaubwürdig und sympathisch, Humor und Dramatik sind durchweg gelungen und Regie, Kamera-Arbeit sowie Szenerie sind atemberaubend, noch lange bevor die Serie an ihrem eigentlichen Schauplatz angekommen ist. Was als einfache Geschichte über vier Mädchen und ihren Weg in die Antarktis beginnt, entwickelt sich so schnell zu einer bezaubernden Komödie und einem packenden Charakterdrama, das jeder Hauptfigur einen eigenen, vollständigen Arc schenkt.

Mit einer wohl leider etwas schwächeren Zuschauerquote als viele andere Serien der letzten Monate ist A Place Further Than The Universe sowohl mein Geheimtipp und persönliches Highlight der letzten Saison. Womit es sich schon früh gute gute Chancen auf den Platz der besten Show des Jahres sichert, und es bis jetzt unwahrscheinlich wirkt, dass es diesen Platz abtreten muss.

A Place Further Than The Universe auf Crunchyroll

Damit sind wir wieder am Ende des ersten Teils angelangt, Teil 2 ist ab sofort verfügbar.

Was waren eure liebsten Animes der vergangenen Winter-Saison?

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