Verstecktes Jim Carrey-Juwel: Streamt den Komiker in der Rolle seines Lebens

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Kidding
14.05.2020 - 12:00 UhrVor 8 Monaten aktualisiert
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Jim Carrey hat mehrfach bewiesen, dass er nicht nur Grimassenakrobat, sondern auch ein hervorragender Charakterdarsteller ist. In Kidding allerdings übertrifft er sich selbst.

Seine Auftritte bei Saturday Night Live sind legendär, seine Parodien berühmter Persönlichkeiten unangefochten und das Kino konnte Jim Carrey Anfang der 1990er Jahre mit Die Maske, Dumm und Dümmer und Ace Ventura - Ein tierischer Detektiv ebenfalls im Sturm erobern. Dass in dem einstigen Grimassenkünstler noch weitaus mehr steckt, beweist die hervorragende Showtime-Serie Kidding, die auf Sky Ticket * bereits in die 2. Staffel gegangen ist.

Nicht falsch verstehen: Natürlich hat Jim Carrey mit Meisterwerken wie Die Truman Show, Der Mondmann und Vergiss mein nicht! mehrfach unter Beweis stellen können, dass man seinen Namen nicht ausschließlich mit brachialer Komik in Verbindung bringen sollte.

Kidding: Schaut den Trailer zur Jim Carrey-Serie

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Sogar in brutalen Thrillern, wie zum Beispiel Dark Crimes, hat er sich zuletzt versucht. Mit Kidding jedoch findet Jim Carrey endgültig zu sich selbst und brilliert in doppelter Hinsicht in der Rolle seines Lebens.

Jim Carrey wird von der Realität überrollt: Darum geht es in Kidding

Seit über 30 Jahren ist Jeff Piccirillo (Jim Carrey) der immer gut gelaunte, Hoffnung und Freude verbreitende Star der Kindersendung Mr. Pickles Puppet Time. Doch die blütenreine Fassade der Fernsehikone zeigt immer deutlichere Risse, seitdem Jeff vor einem Jahr einen seiner Zwillingssöhne bei einem schrecklichen Autounfall verlor.

Dadurch ist nicht nur seine Ehe mit Jill (Judy Greer) in die Brüche gegangen, auch entfremdet sich sein anderer Sohn Will (Cole Allen) immer mehr von Jeff. Seine einstige Zuflucht, die Puppet-Time-Sendung, wird ebenfalls zur Belastung, weil Depressionen seine einst unerschöpfliche Gutherzigkeit zusehends verschlingen.

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Als ungemein beeindruckend erweist sich das pointierte, aufopferungsvolle Spiel seitens Jim Carrey, weil er imstande ist, jede noch so nuancierte Gefühlsregung vollkommen glaubwürdig zum Ausdruck zu bringen. Sei es noch so subtil codiert - in Carreys Gesicht steht nicht nur brodelnde Wut, wenn er ausrastet, sondern gleichwohl die zerbrechliche Leere eines hilflosen Vaters, dessen Lebenssinn sich immer weiter zu verflüchtigen scheint.

Diese Zerbrechlichkeit, angetrieben von Verlustängsten und Selbsthass, mischt sich unter jede Geste, mit der Jeff sich und den Menschen in seinem Umfeld entgegentritt. Dabei findet die Serie einen spannenden Kontrast: Sie verknüpft die grellbunte, plüschbezogene TV-Welt mit Jeffs innerer Beklemmung.

Natürlich funktioniert das Kinderidol auch beruflich nicht mehr. Er will den Kindern düstere Themen näherbringen, sein Vater (Frank Langella), Executive Producer der Sendung, sieht jedoch sein Unternehmen in Gefahr.

Selbsterhaltung und Selbstzerstörung: Jim Carrey liefert eine ergreifende Performance

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Der Einfluss von Michel Gondry, mit dem Jim Carrey bereits bei Vergiss mein nicht zusammenarbeitete, ist unverkennbar. Gondry tritt im Falle von Kidding nicht nur als Produzent in Erscheinung, er bezog auch bei einigen Episoden den Regieposten.

Das schlägt sich nicht nicht nur in den kreativen Set-Designs nieder, sondern auch im exakten Feingefühl, welches hier aufgewendet wird, um sich in die von tiefen Verletzungen gezeichneten Innenleben der Protagonisten, allen voran Jeff, einzufühlen.

Die existentielle Krise der Hauptfigur wird nicht nur in finsteren Bildern gezeichnet. Oftmals sind es die verspielten, leuchtenden Farben, die Kidding auf der einen Seite eine gallige Note zugestehen, vielmehr aber die verschiedenen Formen und das Wesen der Trauer an sich versinnbildlichen.

Kidding als Selbsttherapie: Jim Carrey in der Rolle seines Lebens

Nachdem Jim Carrey 2013 noch die Rolle des Colonel Stars and Stripes in der Comic-Adaption Kick-Ass 2 übernommen hat, wurde es daraufhin viele Jahre still um den zweifachen Golden Globe-Gewinner. Gründe dafür gab es einige: Nicht nur hat Carrey mit dem Business gebrochen und sich vorwiegend der Malerei gewidmet. Auch musste er mit dem Suizidtod seiner Freundin einen privaten Schicksalsschlag verkraften.

Inzwischen scheint Jim Carrey wieder halbwegs auf dem Damm zu sein und neue Energie für die Filmbranche getankt zu haben: Anfang des Jahres war er noch in der Rolle des Dr. Eggman in Sonic the Hedgehog zu sehen. Letztlich aber ist Kidding das Format, welches wirklich Relevanz für Jim Carrey genießt. Die Serie nimmt (selbst-)therapeutische Ausmaße in der momentanen Schaffensphase des Superstars an und hilft ihm merklich dabei, sein eigenes Leben wieder ein Stück weit in Balance zu halten.

Der traurige Clown ist in Kidding nicht nur eine Phrase. Es ist eine Bürde, in dessen verlaufener Schminke sich die Verfehlungen ganzer Generationen spiegeln, denn: Wenn man Kindern nur sagt, dass der Himmel blau ist, werden sie nie wissen, wie sie reagieren sollen, wenn ihnen dieser Himmel einmal auf den Kopf fällt. Jeff und Jim Carrey sprechen hier aus Erfahrung.

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Für den Podcast hat Jenny zwei große Star Wars-Fans eingeladen, Moviepilot-Redakteur Matthias und Kollege Tobias von FILMSTARTS und dem Podcast Leinwandliebe. Zu dritt diskutieren sie die Qualität der Serie und spekulieren über neue Figuren in der 2. Staffel.

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Staffel 2 von Kidding ist immer dienstags um 20:15 Uhr in Doppelfolgen auf Sky Atlantic HD zu sehen. Die Folgen sind nach der Ausstrahlung zudem auf Sky Q, Sky Go sowie auf Sky Ticket auf Abruf verfügbar.

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