Zum CSD in Berlin

Unsere liebsten LGBTQ-Filme, die ihr gesehen haben solltet - Teil 1

Philadelphia/Bound - Gefesselt/Boys Don't Cry
© Sony Pictures/Cine Plus Home Entertainment/20th Century Fox
Philadelphia/Bound - Gefesselt/Boys Don't Cry
22.07.2017 - 08:50 UhrVor 4 Jahren aktualisiert
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Heute findet in Berlin einer der größten CSDs des Landes statt. Zu diesem Anlass zeigen wir euch dieses Wochenende unsere liebsten LGBTQ-Filme, die ihr gesehen haben solltet. Wir starten in diesem Artikel mit den Ursprüngen und zeigen Geschichten queerer Charaktere bis zu den 1990ern. Morgen folgt der Rest.

Dieses Wochenende feiert die LGBTQ-Community in Berlin. Grund genug wurde ihr durch die Entscheidung der Ehegleichstellung bereits im Juni 2017 gegeben. Aus Anlass des Christopher Street Days in Berlin haben wir euch eine Liste an Filmen zusammengestellt, die sich mit der LGBTQ-Community befassen. Es ist eine Auswahl von Geschichten, die wir besonders sehenswert finden. Darunter sind sowohl Filme von hoher historischer Signifikanz, als auch andere, die uns besonders am Herzen liegen. Die Liste erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Heute folgt ein Einstieg in das Thema, mit Filmen, die in dem Genre als Meilensteine gelten, bis zu wichtigen Filmen der 1990er. Morgen werden wir dann auch die Filme der 2000er und 2010er sowie wichtige Dokumentationen über die queere Community präsentieren.

Hier geht's zum 2. Teil unserer liebsten LGBTQ-Filme.

Getreu dem Motto "Life imitates Art" war eine Darstellung einer Randgruppe in den Medien stets wichtig. Durch diese Sichtbarkeit war es möglich, eine Identifikationsfigur zu finden, wenn im eigenen Umfeld keine vorhanden waren. Wie auch im Falle anderer Minderheiten musste auch die LGBTQ-Community recht lange warten, bis es positive Identifikationsfiguren im Film gab. In Hollywood verbot der Motion Picture Production Code für eine lange Zeit im goldenen Zeitalter des Filmes jegliche Darstellung von homosexuellen Beziehungen. Einige Regisseure schafften es dennoch, subtil das Thema der gleichgeschlechtlichen Zuneigung unterzubringen, befriedigend war dies aber nicht. Erst in den 70ern und 80ern konnten Schwule und Lesben erstmalig Charaktere im Film betrachten, denen sie ähnelten. Diese Veränderung ging Hand in Hand mit der Gay Liberation, die 1969 durch die Stonewall-Unruhen losgetreten wurde. Es dauerte dennoch bis Mitte/Ende der 90er, bis eindeutig queere Filme in Kinosälen Einzug fanden.

Die Anfänge des queeren Kinos - Erste Meilensteine

The Dickson Experimental Sound Film aka The Gay Brothers

Aller Anfang ist schwer. Dies war auch im Ursprung des queeren Kinos der Fall. Viele Filme fielen der Zensur zum Opfer, ganze Dekaden über war die Darstellung von Mitgliedern der LGBTQ-Community verboten. Hier listen wir euch nun einige Filme auf, die von historischer Signifikanz sind und insbesondere retrospektiv einen aufschlussreichen Einblick darin geben, wie Homosexuelle früher gelebt haben und dargestellt wurden.

Oben seht ihr eine Bild aus The Dickson Experimental Sound Film. Dieser 17 Sekunden kurze Film ist der erste bekannte mit live aufgenommenem Ton. In ihm sieht man zwei tanzende Männer, was den Gay-Aktivisten Vito Russo dazu bewegte, ihn The Gay Brothers zu nennen.

Anders als die Andern (Deutschland 1919)

Anders als die Andern

In diesem Film, der einer der ersten ist, in dem offen gleichgeschlechtliche Zuneigung dargestellt wird, verlieben sich zwei männliche Musiker. Da zu dieser Zeit Homosexualität unter Strafe stand, nutzten einige schmierige Persönlichkeiten die Verletzlichkeit dieser Männer, um sie mit ihrer Sexualität zu erpressen. So auch der Fall in Anders als die Andern, der unter anderem von Magnus Hirschfeld geschrieben wurde. Hirschfeld ist einer der bedeutendsten Sexualforscher und gilt als Mitbegründer der ersten Homosexuellen-Bewegung. Kopien von Anders als die Andern wurde bei der Machtübernahme der Nazis größtenteils verbrannt. Eine einzige Kopie überlebte und wurde vom Filmmuseum München restauriert.

Mädchen in Uniform (Deutschland 1931)

Mädchen in Uniform

Mädchen in Uniform ist für die Darstellung von Lesben das, was Anders als die Andern für schwule Figuren im Film bedeutet. Es ist einer der ersten Filme überhaupt, der die gleichgeschlechtliche Zuneigung unter Frauen zeigt. Hier verliebt sich eine Schülerin in ihre Lehrerin. Die Internatsleiterin erfährt von den Gefühlen der jungen Frau und bestraft sie streng. Wie auch in Anders als die Andern droht es hier fatal für die Protagonistin auszugehen. Zur Veröffentlichung erhielt der Film Jugendverbot, zur Zeit des Nationalsozialismus wurde auch Mädchen in Uniform verboten, jedoch nicht vernichtet, wie es bei Anders als die Andern der Fall war. 1958 wurde ein Remake von Mädchen in Uniform mit Romy Schneider in einer der Hauptrollen veröffentlicht.

Der Teufelskreis (Großbritannien 1961)

Der Teufelskreis

Der Teufelskreis ist der erste englischsprachige Film, in dem das Wort homosexuell benutzt wird. Diese Tatsache und die Handlung führten dazu, dass der Film keine Jugendfreigabe erhielt. Im Zentrum des Films steht der erfolgreiche, verheiratete Anwalt Melville Farr (Dirk Bogarde). Eines Tages kommt der junge Barrett auf ihn zu. Farr führte einst eine heimliche romantische Beziehung mit diesem und befürchtet, er wolle ihn erpressen. In den 1960er Jahren stand Homosexualität in Großbritannien - wie vielen anderen Ländern - unter Strafe, was einige dazu nutzten, schwule Männer mit dem Wissen über ihre Sexualität zu erpressen. Barrett ist auch ein Opfer dieser Erpresser und wendet sich an Farr, um von ihm Hilfe zu erhalten. Nachdem Barrett von der Polizei geschnappt wurde, da er 2.300 Pfund von seinem Arbeitgeber stahl, um die Erpresser zu bezahlen, erhängt er sich aus Angst vor dem Prozess und seinem bevorstehenden Zwangsouting in seiner Gefängniszelle, was Farr dazu bringt, in seinen Fall zu ermitteln.

In den Filmen der 1960er sticht Der Teufelskreis klar heraus durch seine empathische Darstellung schwuler Männer.

Die Harten und die Zarten (USA 1970)

Die Harten und die Zarten
Wenn die Situation des Homosexuellen jemals von der Gesellschaft verstanden wird, dann wird es an dem Durchbruch liegen, der von diesem humanen, bewegenden Film geschafft wurde.

Dies sind die Worte einer Kritik der TIME  aus dem Jahr 1970 zum Film Die Harten und die Zarten. Dieser war einer der ersten, der offenkundig schwule Figure zeigte. Zwei Jahre zuvor wurde endlich der Motion Picture Production Code abgeschafft, der die Darstellung dieser Charaktere verbot. Im Zentrum steht eine Gruppe schwuler Männer, die eine Geburtstagsparty für einen Freund organisieren. Es entstehen Streitigkeiten und Eifersüchteleien und der Zuschauer kann sehen, was Jahre der Unterdrückung und des Versteckspieles mit der Psyche einer queeren Person anstellen können.

Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt (Deutschland 1971)

Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt

Im Zentrum von Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt steht der junge schwule Daniel (Bernd Feuerhelm), der aus der Provinz nach Berlin zieht, um dort seine Sexualität ausleben zu können. Er findet sich zunächst in einer eheähnlichen Beziehung wieder, die er schnell für einen älteren reichen Mann aufgibt. Als dieser Daniel für einen jüngeren Mann verlässt, beginnt Daniel ein "typisch" schwules Leben zu führen. Ständig auf der Suche nach Dates beschäftigt ihn wenig mehr als sein Aussehen, bis er Paul kennenlernt, der ihn in seine schwule Wohngruppe mitnimmt. Dort diskutieren sie gemeinsam über die Probleme des schwulen Lebens.

Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt gilt als Auslöser der deutschen Schwulen- und Lesbenbewegung. Alleine in den zwei Jahren nach Erscheinen des Films formierten sich deutschlandweit 70 Gruppen, darunter auch das Berliner SchwuZ. Der Film von Kult-Regisseur Rosa von Praunheim kam zwei Jahre nach der Liberalisierung des § 175 in die Kinos. Dieser stellte die Homosexualität unter Männern unter Strafe.

Making Love (USA 1982)

Making Love

Making Love gilt als der erste Film aus einem Hollywood-Studio, der sich offen mit schwulen Männern befasst und zudem an eine breitere Masse gerichtet war. Zu Beginn des Films wurde eine Warnung gezeigt, die aussagte, er "könnte zu stark für manche sein". Bekannte Schauspieler wie Harrison Ford oder Richard Gere lehnten eine Beteiligung am Film aufgrund der Thematik ab.

In Making Love verliebt sich der verheiratete Zach (Michael Ontkean) in den offen schwulen Bart (Harry Hamlin). Die beiden beginnen eine Liebschaft. Zach hat zunächst starke Probleme mit seinen Gefühlen, durch Bart lernt er aber mehr über seine eigene Sexualität. Er wünscht sich eine monogame Beziehung, wohingegen Bart seinen promiskuitiven Lifestyle sehr schätzt. Dies führt zu Problemen in dieser frischen Liebschaft, ganz zu schweigen vom potentiellen Geständnis Zacks Ehefrau gegenüber.

Desert Hearts (USA 1986)

Desert Hearts

Desert Hearts gilt als einer der ersten Filme, der sich um eine lesbische Beziehung drehen. Regisseurin Donna Deitch stellte einen Großteil des 350,000 Dollar-Budgets selbst zur Verfügung und die Schauspielerinnen arbeiteten für ein sehr geringes Gehalt.

Der Film spielt Ende der 1950er in den USA. Im Zentrum steht die spießige Professorin Vivian (Helen Shaver), die sich in die jüngere, freigeistige Cay (Patricia Charbonneau) verliebt. Vivian ist inmitten einer Scheidung von einem Mann, Cay führte bereits in der Vergangenheit Beziehungen mit Frauen. Die beiden treffen sich auf einer Gasthaus-Farm, in der sie jeweils ein Apartment haben. Die Inhaberin kriegt von der aufblühenden Romanze Wind und ist davon mäßig bis gar nicht begeistert.

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