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Spielfilme - alter Zopf oder zeitgemäss?

Lion King
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Lion King
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Als Babyboomer frage ich mich manchmal, warum ich von (neuen) Serien und Spielfilmen die Schnauze voll habe oder anders ausgedrückt: Warum ich die guten Serien und Filme - auch nach x Wiederholungen - immer noch lieber einschalte als das Neue wie "Game of Thrones" usw.

Meine Eltern, WW2-Generation, waren von Anfang an wie man heute so schön sagt "Technofreaks". Jeder neue Trend, ob Radio, Kassettenrecorder, Video (VCR und 2000), Fernsehen und Haushaltsgeräte wurde mitgemacht. Die "Leidtragende" war ich im doppelten Sinne: einerseits musste ich alles installieren (ich war eben der Ordnungs- und Büchertyp) und die Eltern instruieren, andererseits die Auswüchse "ertragen" (ich mag keine Geräuschkulisse, ausser Natur). Lustigerweise hagelte es bei meinen Kameraden in der Schule bei schlechten Noten TV-Entzug - ein Wunschtraum, der bei mir leider nie eintraf: Unsere TV-Geräte (in jedem Zimmer eines) liefen rund um die Uhr - ob abends, in der Nacht oder übers Wochenende. Wenn ich Ruhe wollte und die Geräte abstellte, erwachte mein Vater und stauchte mich zusammen. Das änderte sich bzw. als mein Vater, der Hobby-DJ, einsah, dass ich für meine Hausaufgaben Ruhe brauchte und sich Kopfhörer beschaffte - allerdings ohne den An-Knopf zu betätigen. Nun ja, das apropos TV-Genuss oder -Verdruss.

Von klein auf durfte ich alles gucken, war dies aber schnell leid. Aber bei "Aktenzeichen XY" von Ede Zimmermann lernte ich das Grauen kennen und hatte nach einer Sendung, wo ein kleines Mädchen in meinem Alter verschwand, wochenlang Alpträume, weswegen ich seither nie mehr "XY" geguckt habe.

Familienserien "Waltons", "Bonanza", "Shiloh", "Daktari", "Woobinda", "Spencers Piloten" usw. sah ich regelmässig und zeichnete die auch auf Audiokassetten auf, so dass ich auch heute noch, nach diesen 40 Jahren + immer noch viele Folgen präsent habe bzw. auswendig kann. Komisch, als Hörspiel schätze ich heute die Filmklassiker und Serien mehr denn je. Merkwürdig ist allerdings, wenn man die Dialoge, die einem im Ohr geblieben sind, wieder als/im Film wiedersieht/-findet; hier bräuchte es also nur noch das Bild und nicht mehr den Ton. Die gute alte Zeit eben.

Was ich nicht verstehe ist, dass versucht wird, eine(n) erfolgreiche(n) Filmklassiker oder Serie in der Moderne wiederzubeleben, was oft als Remake schief geht. Woran das liegt? An der Qualität der Schauspieler, an der schnellebigen Zeit voller wechselnder Trends oder doch an mir? Vielleicht am letzteren: mir. Irgendwie wird man dem Neuen gegenüber skeptisch oder überdrüssig; man hat seine Ideale, seine Erfahrungen und ist gar nicht mehr erpicht aufs Neue. Obwohl, wenn ich's recht überlege und meine Eltern noch leben würden, wären die die ersten, die die neuen Serien (z.B. "Prison Break" usw.) sowie Fantasyfilme gucken würden! Dann gehöre ich also zu der ruhigen Sorte, die weiss, was sie will und woran sie was hat.

Wenn ein Remake oder ein Spin-off angekündigt wird, dann kann auch ich mich begeistern um hinterher nur noch voller Enttäuschung dem Original nachzutrauern. "Harry Potter", den ich ausnahmsweise in 3 Original-Bänden verschlang, enttäuschte mich als Film immens: zu viel Effekthascherei und zu lang für ein Buch von knapp 200 Seiten (1.Band). Und das Remake von "Sabrina", "in 80 Tagen um die Welt", "der kleine Lord" oder "Vom Winde Verweht" (als Spin-off) langweilte mich zu Tode. Warum müssen die auch so lange sein? Bei den Originalen, z.B. "Vom Winde Verweht", wurde 1937 die 1000seitige Vorlage von Margaret Mitchell zunächst als 8stündiger Film gedreht. Da das eine Zumutung war fürs Publikum, kürzte man das Material auf 6 Stunden - immer noch zu viel! Dann schließlich auf 4 Stunden - irgendwie erträglicher (?). Mitnichten: Wenn ich die deutsche Version sehe, dann dauert die nur 3.5 Stunden - die wichtigsten Szenen verschwunden, wahllose Schnitte, die den Zusammenhang nicht ganz erklären können. Und heute? Die sog. "Blockbuster" werden immer länger und sind eine Zumutung fürs Publikum. Ich kann mich z.B. überhaupt nicht mit dem "Fluch der Karibik" anfreunden. Kann sein, dass ich wenig mit Humor am Hut habe, aber diese Reihe ist für mich kein sog. Klassiker, sondern einfach Klamauk - ohne den Film gesehen zu haben. Dasselbe mit der Überlänge bei der "Titanic" mit Leo DiCaprio. Auch mit so einer Schnulze - übrigens, das wievielte Remake vom Remake ist sie überhaupt? - kann ich etwas anfangen und Tränen vergiessen. Ich als Frau muss hier leider passen. Tränen vergossen - wenn überhaupt ein Trän-Chen -, dann war's bei "Out of Africa", als Bob Redford abstürzte...

Aber ansonsten öden mich die Filme der Neuzeit ungemein an, und ich kann auch fast nicht mehr mitreden. Aber muss man das überhaupt? Es genügt doch, wenn man "sich in "seiner Zeit" auskennt. Bin ich deswegen eine Nostalgikerin? Ich glaube, dass ich eher die vergangene Zeit - die 50er und 60er - versuche, dadurch besser zu verstehen. Deswegen sind mir jetzt die Spartensender meiner Media-Box sehr willkommen. Da weiss ich, dass am Samstag die 70er-Serien, am Sonntag die 80er-Serien laufen und wochentags abends die 90er. Wohlgemerkt: ich bin kein Serienjunkie und könnte z.B. "GSDS" nie schauen. Mir wird auch die "Lindenstrasse" allmählich zu viel, wenn überhaupt eine aktuelle Serie. Und irgendwie wird eine Serie zu Tode gedreht. Warum keinen Schlusspunkt setzen? Bei einem Marathon weiss man ja auch, dass nach 42 km Schluss ist. Warum dann nicht bei Serien? Der "Bergdoktor", "Die Rosenheim-Cops", "Soko", "Tatort" - ein Ende ist nicht abzusehen. Und wenn überhaupt, dann sorgt man diesem mit einem neuen Hauptdarsteller vor. Soweit ich mich erinnern kann - "Bonanza" und "Rauchende Colts" sind die Ausnahmen - war nach 1. oder zumindest nach 7 oder 8 Staffeln Schluss. Aber heute? Alle laufen und laufen und laufen und ein Ende ist nicht in Sicht. Was bringt das? Die Stories sind ja fast ähnlich, nur andere Gesichter. Das Geld könnte man sich sparen. Klar, dann gäbe es mehr Arbeitslose: Filmschaffende.

Mich wundert aber auch, dass die heutigen Stars so viel verdienen bzw. immer weiterdrehen, denn: Youtube und das Internet hat doch der Filmbranche schon lange das Wasser abgegraben bzw. den Rang abgelaufen - wenn auch immer wieder die Besucherzahlen-Rekorde in den Kinos aufgelistet werden. Im Zeitalter von "alternativen Fakten" bzw. "Fake News" ist es einem selbst überlassen, sich daran zu orientieren. Ich persönlich glaube nicht dran, denn: wer geht heute schon noch ins Kino?

Meiner Meinung nach, sollten sich die Filmbosse wieder auf ihre Wurzeln besinnen, feine, kleine Filme drehen, die sozusagen unter "Filmperlen" laufen. Lieber einen kurzweiligen, interessanten, kleinen Film statt eines opulenten, starbesetzten, überlangen, bei dem man einschläft (ist mir z.B. bei "Wyatt Earp" mit Kevin Costner passiert, der knapp 4 Stunden dauerte). Und all die Soaps, die am TV laufen? Da werden die Väter, die Freunde, die Brüder veräppelt nach der Devise "Friede, Freude, Eierkuchen". Kein böses Wort, keine böse Geste - Slapstick pur. Auch das ist zuviel. Humor, ok, das darf oder muss ein, aber nicht permanent. Dadurch verliert man ja den Sinn für die Realität. Und die Kids? Hübsche, wohlgeratene, witzige und schlagfertige Kids, die den Eltern auf dem Kopf herumtrampeln. Nein, auch hier fehlt der nötige Respekt, die Grenze, der Anstand. Und das denke ich, ist auch der Grund, warum die Serien-Zuschauer es ihren TV-Helden nachmachen. Irgendwie verletzt die moderne Zeit viele Regeln, die früher normal waren und an denen sich die Zuschauer ein Beispiel nahmen (z.B. der Mut oder die Tapferkeit des Westernhelden in den Alltag einzubringen; viele sind heute lieber Gaffer, als hilfreich einzuschreiten).

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