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Tatort-Kritik

Spannungsarmer Abschied in dramatischem Gewand

06.09.2010 - 07:00 Uhr
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Am Ende des Tages
© ARD / HR
Am Ende des Tages
In ihrem letzten Auftritt bekamen es die Frankfurter Kommissare Charlotte Sänger und Fritz Dellwo mit einem brisanten Fall zu tun, der bis in die Vergangenheit ihres Ex-Chefs Rudi Fromm zurückreichte. Fazit: Wenig Spannung, dafür Dramatik pur sowie solide darstellerische Leistungen.

Beim gestrigen Tatort: Am Ende des Tages überzeugte Regisseur und Autor Titus Selge mit einer soliden Inszenierung voller Dramatik, die allerdings etwas spannungsarm daherkam. Die Frankfurter Kommissare Charlotte Sänger und Fritz Dellwo mussten in ihrem letzten Fall die Unschuld ihres unter Mordverdacht stehenden Ex-Chefs Rudi Fromm beweisen, der in Form eines kompromisslosen Racheengels von seiner Vergangenheit eingeholt wurde.

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Der Pensionär stiehlt den Kommissaren die Show

Im 18. und gleichzeitg letzten Auftritt von Andrea Sawatzki und Jörg Schüttauf als Frankfurter Tatort-Kommissar-Duo standen die Zeichen von vorne bis hinten auf Abschied. Was schon der Titel andeutet, fand seine Fortsetzung in der zwischen Ruhestand und neuen Kräften wechselnden Besetzung des Frankfurter Polizeipräsidiums. Da ging Erich Fromm als bisheriger Chef der Mordkommission in Pension und wurde von einer widerlichen Witzfigur mit Fliege abgelöst. Auch in ihren wie immer bissigen Dialogen nahmen Sänger und Dellwo ihren bevorstehenden Abgang vorweg. Die beiden harmonierten gewohnt souverän, wurden aber von Peter Lerchbaumer als Erich Fromm an die Wand gespielt. Das wurde besonders in der Schlussszene deutlich, als Fromm die beiden Kommissare überlistete und dem Klischee-Bösewicht zum entscheidenden Showdown à la High Noon gegenüberstand. Allerdings kündigte Sänger ein derartiges Ende mit einer vorherigen Erwähnung des Westernklassikers bereits an, weshalb das schon in Ordnung ging.

Verschenktes Potential nach starkem Beginn
Mit einem Paukenschlag wurden wir gleich zu Beginn schockiert: Der in einer Zweckehe lebende Fromm vergnügte sich mit seiner (etwas jüngeren) Geliebten und wurde von einem geheimnisvollen Fremden überrascht, der die Gespielin kaltblütig niederschoss. Zwar kannten wir den Täter sofort, aber mehrere Fragezeichen versprachen Spannung: Wer ist der Mann? Warum mordet er? Was will er? Wie wird Fromm reagieren? Leider hielt sich diese Ungewissheit nur für kurze Zeit, denn relativ schnell wurde klar, dass eine altbekannte Geschichte dahintersteckte: Der in der Vergangenheit verurteilte Verbrecher rächte sich nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis am Polizisten. Schade, denn hier wurde wertvolles Potential verschenkt. Dass Fromm der Mörder sein könnte, wie die Ermittler lange Zeit rätselten, schloss sich für den Zuschauer sowieso von Anfang an aus.

Überzeugende Leistungen der Darsteller
Dennoch blieb der Unterhaltungsfaktor bestehen, was vor allem an Peter Lerchbaumer lag, der seine auf eigene Faust ermittelnde Figur absolut glaubwürdig verkörperte und mit dramatischer Tiefe ausstattete. Auch die weiteren Darsteller agierten solide: Jördis Triebel überzeugte als schauspielernde Tochter mit schlechtem Verhältnis zum Vater ebenso wie Barbara Focke als Ehefrau auf dem Papier, die dem gebeutelten Helden in seiner Not beistand. Für komische Momente sorgten der unfähige Schleimer als Nachfolger Fromms sowie eine junge Polizeianwärterin, die den Kommissarveteranen Dellwo anhimmelte. Beide Figuren wurden bewusst übertrieben angelegt und erfüllten ihren Zweck als Running-Gags, ohne selbstverständlich für die Handlung relevant zu sein.

Fazit: Titus Selge verschaffte Andrea Sawatzki und Jörg Schüttauf mit einer soliden Inszenierung einen würdigen Abschied. Zwar konnte Am Ende des Tages die Spannung nicht immer aufrecht erhalten und bediente sich hier und da gängiger Klischees, aber die packende Dramatik und die durchweg guten darstellerischen Leistungen machten diese Schwächen wieder wett.

Wie hat Euch der Tatort: Am Ende des Tages gefallen?

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