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Entwickler sieht schwarz

Sind Indies dem Untergang geweiht?

25.08.2014 - 13:00 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
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Wird Puppygames den prognostizierten Untergang der Indie-Szene überleben?
© Puppygames
Wird Puppygames den prognostizierten Untergang der Indie-Szene überleben?
Ein Indie-Entwickler bezeichnet erst seine Zielgruppe als wertlos, schimpft über den Geiz der Spieler und behauptet dann, die gesamte Indie-Bewegung sei dem Untergang geweiht. Was möchte Caspian Prince von Puppygames uns damit denn nun sagen?

Erst in der vergangenen Woche veröffentlichte der frustrierte Indie-Entwickler Caspian Prince von Puppygames einen Blogpost , in dem er sein Spieler-Publikum als "wertlos" bezeichnete. Dank der aktuellen Tiefpreis-Welle auf dem Spielemarkt sei der einzelne Spieler, der höchstens eine Handvoll US-Dollar für einen kleineren Titel ausgeben will, im großen Ganzen der Entwicklung kaum noch von Belang. Wenn ein Nutzer nicht bereit sei, einen angemessenen Preis zu zahlen, könne er auch keine umfassenden und individuellen Serviceleistungen, sondern eben nur eine Massenabfertigung erwarten. Mittlerweile zähle in Sachen Verkäufen dank der niedrigen Preise nur noch die bloße Masse, so Prince. 

Der Erfolg von günstigen Spielepaketen wie beispielsweise dem Humble Bundle oder die drastischen Rabatte der regelmäßigen Steam Sales drücken nicht nur die Preise von Spielen, sondern entwerten auch die Arbeit der Macher. Davon ist Price fest überzeugt. Mit dem Werteverfall gehe eben auch die von ihm zuvor beschriebene Entwertung des einzelnen Nutzers einher. Mit seinem Post und den von ihm gewählten markanten und provozierenden Worten habe der Indie-Entwickler nach eigenen Angaben die Horde der "Angry Internet Men" anlocken wollen. Dieser Internet-Mob hat in tiefer und ausufernder Entrüstung anschließend dann seinen Post verbreitet, sodass er nach den Wünschen des Autors eventuell mit etwas Glück auf aufmerksame Ohren gestoßen wäre und einige Nutzer zum Überdenken ihrer Knauserigkeit getrieben hätte. 

Was dieses Ziel angeht, verbucht Prince für sich nun einige Tage nach der ursprünglichen Veröffentlichung durchaus einen Erfolg. Sein verärgerter Post wurde in zahlreichen Medien und von vielen Nutzer aufgegriffen. Auch die gamespilot-Redaktion kam an seiner Polemik nicht vorbei und widmete seinem Rant einen Artikel. Für die nahe Zukunft der Indie-Szene sagt der Entwickler gegenüber games industry  jedoch trotzdem nicht gerade rosige Zeiten voraus: 

"Ich gehe davon aus, dass es als nächstes zu einer wahren Massenvernichtung kommen wird. Irgendwann muss es zu einer Konsolidierung kommen. Ich denke nicht, dass viele andere Entwickler den Status Quo noch viel länger ertragen können. Noch ein Jahr und viele Studios werden einfach aufgeben, denn das hier ist reine Zeitverschwendung... Viele werden aufhören müssen, Spiele zu entwickeln, weil sie es sich nicht mehr leisten können. Der Traum geht in Flammen auf."

Doch für das eigene Entwicklerstudio hat Prince praktischerweise schon eine Lösung für dieses Problem gefunden. Ihr nächstes hauseigenes Spieleprojekt Battledroid startet nämlich ohnehin bei einem Einkaufspreis von ganzen null US-Dollar. Dank des Free To Play-Modells könne man sich also vom tiefsten Punkt der Preisspirale hocharbeiten, anstatt von beispielsweise 20 US-Dollar immer tiefer zu fallen, so Prince. Noch ist sich der Indie-Spielemacher aber nicht sicher, ob er und seine Kreation damit im Haifischbecken der Gratis-Spiele werden überleben können. Ein Allheilmittel ist dieses Prinzip also auch keineswegs. 

Das Indie-Studio Puppygames wurde 2002 von Caspian Prince und seinem Partner Chaz Willets gegründet. Nach zahlreicheren kleinen Retro-Projekten konnten die Spielemacher ihre Leidenschaft erst 2010 zu ihrem Vollzeit-Beruf machen. Passend zum breiten Presseecho von Prince sind die Spiele des Entwicklerstudios im Humble Store derzeit um bis zu 75% reduziert – ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Kann Free To Play wirklich die Indie-Rettung werden?

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