Risiko wird nicht belohnt

Nintendo: Insider enthüllt interne Probleme

22.01.2015 - 12:00 Uhr
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Mario Kart 8 hat der Wii U einen Schubs geben können
© Nintendo
Mario Kart 8 hat der Wii U einen Schubs geben können
Die letzten Jahre waren für Nintendo nicht immer leicht. Die Wii U verkaufte sich nur schleppen und der 3DS verkaufte sich zwar gut, allerdings nicht so gut wie erwartet. Ein ehemaliger Mitarbeiter gewährt nun einen Einblick in die internen Probleme des Konzerns.

Schleppende Hardware-Verkäufe, eine sehr spezifische Fanbase, kein Third Party-Support: Die Liste der Probleme, mit denen Nintendo in den letzten Jahren zu kämpfen hatte, ist lang. Für viele Spieler sind Titel wie Bayonetta 2  aufgrund ihrere Exklusivität unzugänglich und die Spiele, die den Kauf einer Wii U rechtfertigen, stehen uns wohl erst noch bevor. Dan Adelman, der Nintendo im letzten August nach neun Jahren verlassen hat, enthüllt nun gegenüber Dromble  die Probleme, die nicht ganz so offensichtlich sind.

Er erklärt, dass der Konzern zunächst als ein sehr traditionsreicher verstanden werden müsse. Nintendo lege viel Wert auf Gruppenentscheidungen, was dazu führe, dass es zwar viele Berater gibt, es jedoch stattdessen an wirklichen Entscheidungsträgern mangelt. Damit gehe einher, dass prinzipiell jeder Einspruch einlegen kann. Selbst Satoru Iwata, der Präsident des Unternehmens, sei in vielen Fällen zögerlich und müsse Entscheidungen stets mit anderen absprechen. Adelman erklärt, dass das nicht zwingend etwas Schlechtes sein muss, allerdings verschlingt es Zeit und kann bestimmte Situationen verkomplizieren.

Adelman führt weiter aus, dass die Chef-Etage zudem keinen wirklichen Kontakt zum modernen Gaming habe. Viele der Executives würden im Kopf noch in den Neunzigern leben, zur Zeit von NES und SNES. Das habe zur Folge, dass vor allem Online-Features nur sehr schleppen vorangehen. Neue Ideen würden oftmals schnell wieder eingestampft werden, weil Personen mit Veto-Recht davon nicht überzeugt sind. Nicht, weil sie dagegen argumentieren können, sondern schlicht, weil sie die neuen Konzepte nicht verstehen.

Das größte Problem sei laut Adelman allerdings, dass Mitarbeiter nie dafür belohnt werden, Risiken einzugehen. Innovation, die durch frische Ideen vorangetrieben werden könnte, ist darum bei Nintendo kaum zu finden. Statt auf Risiko setze der Konzern lieber alles auf bewährte Konzepte und auch auf Loyalität. Letztlich zähle es mehr, lange Teil der Firma zu sein, als sie durch riskante, aber innovative Ideen relevanter für Spieler zu machen.

Außerdem spiele auch der von Fans lang geforderte verstärkte Third Party-Support eine wichtige Rolle. Der Grund dafür, dass Drittanbieter-Spiele so selten ihren Weg auf Nintendos Hardware finden, sei schlicht die Tatsache, dass viele Publisher der Meinung sind, sie könnten ohnehin nicht mit den First Party-Produkten mithalten. Aus einer solchen Situation Gewinn zu schlagen, sei kaum möglich, weswegen die Wahl letztlich eher auf PlayStation und Xbox fällt. Adelman führt dazu aus:

Es gab Fälle, in denen Firmen sich dafür entschieden haben, [...] großartige Spiele für Nintendo-Plattformen zu kreieren, nur um dann herauszufinden, dass die Kunden sich dafür nicht interessieren. Das könnte der Fall sein, weil [sie] zuvor von Third Party-Games auf Nintendo-Plattformen traumatisiert worden sind.

Darum solle Nintendo gegenüber Entwicklern deutlicher kommunizieren, ob und warum es sich lohnt, für Wii U und 3DS zu produzieren. Und das bedeutet auch, mehr Risiken einzugehen.

Ein erster Schritt in diese Richtung könnte Xenoblade Chronicles X  sein. Das vielverprechende Action-RPG wird von Monolith Soft entwickelt und soll im Laufe des Jahres für die Wii U erscheinen. Der letzte Trailer  hat bei uns für jede Menge Vorfreude gesorgt. Eventuell hilft ein solcher Titel dabei, neue Kunden zu gewinnen und dabei, zu zeigen, dass Nintendo eben nicht nur Nintendo bedeutet.

Was haltet ihr von Wii U und 3DS? Spielt ihr aktiv Nintendo-Spiele?

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