Venedig 2014

Nach The Act of Killing - Fortsetzung widmet sich Opfern

28.08.2014 - 11:40 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
2
10
The Look of Silence
© Drafthouse Films
The Look of Silence
Nachdem die Täter in The Act of Killing ihre Version der Geschichte darlegten, widmet sich Joshua Oppenheimer in The Look of Silence den Opfern. Lest hier, wie die Kritiker in Venedig auf den Wettbewerbsfilm reagieren.

Mit The Act of Killing veröffentlichte Joshua Oppenheimer einen der am meisten diskutierten Filme des vergangenen Jahres. Nun legt er mit The Look Of Silence nach, der beim Filmfestival in Venedig Premiere feiert. Ließ Oppenheimer in The Act of Killing noch die lebenden und nicht bestraften Täter hinter Massakern in Indonesien zu Wort kommen, die zwischen 1965 und 1966 verübt wurden, konzentriert er sich in The Look of Silence auf die Opfer. Im Mittelpunkt steht der Optiker Adi, der seinen Bruder durch die Gräueltaten verloren hat und nun Klarheit über die damaligen Geschehnisse verlangt. Produziert wird der Film wie schon der Vorgänger von Errol Morris und Werner Herzog.

Worum geht es in The Look of Silence?
Für The Look of Silence kehrt Joshua Oppenheimer nach Indonesien zurück, um diesmal von den Familien der Opfer zu berichten, die bis heute in einer gefährlichen Koexistenz mit den Tätern von damals leben und noch immer Repressalien ausgesetzt sind. Wie fühlen sich Menschen, die den Mördern ihrer Söhne, Väter und Ehemänner jeden Tag als Nachbarn begegnen?

Das sagen die Kritiker zu The Look of Silence:
Deborah Young lobt im Hollywood Reporter  den Film und vor allem seinen mutigen Protagonisten: "Das ganze Material wurde gleichzeitig mit dem ersten Film gedreht und obwohl der Vorgänger noch einen Schritt weiter geht, funktioniert [The Look of Silence] als eigenständiger Film, weil die relevanten Informationen rekapituliert werden. Es ist auch ein unglaublich beeindruckend anzusehender Film, eingefangen von Lars Skree in Disney-artigen Farben eines tropischen Paradieses."

Dabei kreiere Oppenheimer seinen erschütternden Film wohl, in dem er Grenzen überschreitet, die andere Dokumentarfilmer nicht antasten würden. So kritisiert Young vor allem die Darstellung des 104-jährigen, blinden Vaters der Hauptfigur: "Während seine extreme Zerbrechlichkeit sicher eine Art visuelles Äquivalent zu den Opfern des Genozides bildet, die im Mittelpunkt des Films stehen, gibt es einfach keine Entschuldigung, ihn in wahnhaften Momenten zu filmen, in denen er sich ganz offensichtlich furchtbar ängstigt.

In der Variety  fällt das Lob eindeutiger aus. So schreibt Guy Lodge: "Die verfeinerte Ästhetik versucht nicht den erdrückenden emotionalen Einschlag zu mindern, als die Auswirkungen der Geschichte sowohl den schuldigen als auch den unschuldigen Beteiligten klargemacht werden. Während sich [The Act of Killing] mit der Erfahrung aus erster Hand befasste, beschäftigt sich der Nachfolger vor allem mit dem Empfang von Informationen - entweder als persönliches Geständnis oder neu formulierte Geschichte - von jenen, die nicht die ganze Geschichte kennen [...]." In seinem lyrischen Ton und dem gemessenen Tempo hebe sich The Look of Silence zudem angenehm von The Act of Killing ab und deute eine Weiterentwicklung des Filmemachers Oppenheimer an.

Fünf von fünf Sternen vergibt Peter Bradshaw im Guardian : "Mit große Ruhe und Würde legt Adi die Fakten vor und dann muss er - und wir - einem Haufen [an die Nürnberger Prozesse erinnernden] Gewäschs zuhören über das Befolgen von Befehlen oder einer Art introspektiven Stille, vielleicht Hinweise auf ein aufglimmendes Gewissen oder der strategische Rückzug in eine Alzheimer-Erkrankung. Aber oft gibt es Risse und deswegen musste diese Anstrengung unternommen werden. [...] The Look of Silence ist - wie The Act of Killing - fesselndes und wichtiges Filmemachen."

Weitere Kritiken findet ihr bei HitFix  und The Telegraph .

Das könnte dich auch interessieren

Angebote zum Thema

Kommentare

Aktuelle News