Tatort Kritik

Fette Hunde im Tatort aus Köln

02.09.2012 - 21:45 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
6
4
Schenk und Ballauf in Tatort - Fette Hunde
© WDR
Schenk und Ballauf in Tatort - Fette Hunde
Die Kölner Tatort-Kommissare schmoren ja gern mal im eigenen Veteranen-Saft. Nicht so in Fette Hunde, dem neuen Tatort, der Schenk und Ballauf mit Drogenhandel, traumatisierten Afghanistan-Heimkehrern und zerrütteten Familien konfrontiert.

Nach der alles in allem grauenhaften Zusammenarbeit mit den Kollegen aus Leipzig, hat das Kölner Tatort-Duo in Tatort: Fette Hunde einiges wieder gut zu machen. Dass sich der neue Tatort aus der Rheinmetropole allerdings derart intensiv ins Thema Afghanistan-Krieg stürzen würde, war im Vorfeld nicht abzusehen. Fette Hunde ist mit seinem vielschichtigen Porträt von Flüchtlingen (ob Afghanen oder Soldaten), die an der deutschen Heimatfront scheitern, der beste Kölner Tatort seit langem.

Lokalkolorit: Köln wird im Tatort selten als Glitzermetropole präsentiert, aber das Bild, welches der neue Fall von Freddy Schenk (Dietmar Bär) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) von der Stadt zeichnet, wirkt abweisend wie selten zuvor. Im nebligen Umland lauert der Tod, in den Straßen Kölns selbst warten Ausbeutung, Entfremdung und mitten drin soziale Absteiger, die nur ab und zu vom hier besonders grellen Licht der Laternen und Autoscheinwerfer aus dem gesellschaftlichen Schattendasein herausgeschält werden. Für die Drogenkuririn Amina Rahimi (Maryam Zaree) und den Afhanistan-Heimkehrer Sebastian Brandt (Roeland Wiesnekker) könnte der Empfang kaum kälter ausfallen. Effektiv ist in dieser Hinsicht gerade die für einen Kölner Fall ungewöhnliche Detailfülle, etwa der Blick der Frau im Zug (erst das Kopftuch, dann der Koffer) oder der Schaffner, der mit seiner Kollegin ungeniert rummacht.

Plot: Soldaten werden bei ihrer Rückkehr aus Afghanistan von ihren Angehörigen begrüßt, während ein Drogenkurier in der Nacht wegen der geplatzten Ware in seinem Verdauungstrakt qualvoll dahinvegetiert. Von Beginn an parallelisiert Tatort – Fette Hunde den Weg der Heimkehrer mit jenem der Illegalen und lässt beide auf unüberwindbare Mauern der Fremdheit stoßen. Dabei ist die große Frage nicht einmal, wer dem Kurier den Kopfschuss verpasste und seine Gedärme aufschnitt, sondern wie viel Schuld auf den scheinbar Unschuldigen lastet. Dass es am Ende, wie bei Richard Kimble, der Einarmige war, bleibt eine vorhersehbare Randnotiz bei einem Tatort, der an anderen Dingen interessiert ist.

Unterhaltung: Comic Relief darf auch bei diesem Kölner Tatort-Einsatz nicht fehlen, was uns das unvergessliche Bild der friedlich nebeneinander schlummernden Kommissare beschert. Wenn es etwas an diesem Tatort zu kritteln gibt, dann wohl die Unversehrtheit, mit der Schenk und Ballauf durch den Fall wandern. Nie werden sie etwa so ins Mark getroffen wie Moritz Eisner aus Wien in großer Regelmäßigkeit oder zuletzt Leitmayr in Tatort: Der traurige König. Der Panzer der Routiniertheit ist beim Kölner Team so dick wie bei kaum einem anderen. Wirklich übel nehmen kann ich es ihnen in diesem Fall nicht.

Tiefgang: Krimis, die sich mit Ex-Soldaten beschäftigen, gibt es wie Sand am Meer. Was Tatort – Fette Hunde von einigen davon unterscheidet, ist, dass gar nicht erst versucht wird, dass Trauma des Krieges nachzuzeichnen. Es genügt das Bild des verloren wirkenden Hundes, der durch Erinnerung und Gegenwart von Sebastian Brandt zu laufen scheint. Die Kriegserfahrung wird nicht an der Landesgrenze abgegeben und keine Szene drückt die daraus entstehende Verzweiflung ob des Fremdseins in der Heimat so gut aus, wie jene, in der Brandt den Hund seines Sohnes erschießt. Tatort – Fette Hund degradiert die Veteranen allerdings auch nicht zu Opfern. Sie wissen sehr wohl, was sie tun, wenn sie andere für den Drogenschmuggel missbrauchen oder ausnutzen, um die eigene Haut, bzw. die des Sohnes, zu retten.

Mord des Sonntags: Die Eiseskälte, mit der der am Boden liegende Kurier erschossen wird, wäre schlimm genug, liefere uns der Tatort im Nachhinein nicht noch das (geistige) Bild seines ausgeweideten Leibes.

Zitat des Sonntags: “Magic ist tot.”

Ich war vom neuen Tatort auch Köln positiv überrascht. Wie hat er euch gefallen?

Das könnte dich auch interessieren

Angebote zum Thema

Kommentare

Aktuelle News