Kommentar der Woche

Kikujiros Sommer weckt das Kind in dir!

10.05.2014 - 08:50 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Kikujiros Sommer weckt das Kind in dir!
© moviepilot
Kikujiros Sommer weckt das Kind in dir!
Dieses Wochenende nimmt uns der Kommentar der Woche mit auf eine Reise quer durch Japan, einen ganzen Sommer lang: Kikujiros Sommer!

Im Kommentar der Woche stellen wir euch jeden Samstag einen Kommentar vor, ausgewählt aus den Myriaden von Kommentaren auf moviepilot – ob zu einem Film, der euch den Geschmack einer Jahreszeit auf die Lippen zaubert, zu einer Serie, die euch mit auf eine Reise nimmt, oder zu einem der großen Magiere der Leinwände: Wenn euch irgendwo auf moviepilot beim Lesen eines Kommentars die Begeisterung überkommt, schlagt ihn uns vor, am besten per Nachricht.

Der Kommentar der Woche
In Kikujiros Sommer führt eine Reise quer durch Japan zu einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einem Jungen und einem Kleinganoven, vorbei an allerlei herzerwärmenden Merkwürdigkeiten. Zimtmond hat uns das Reisetagebuch dieses traumhaften Sommers geschrieben:

Dieses Stück von Meister Joe Hisaishi begleitet uns den ganzen Film hindurch, ist wie gewohnt einfach atemberaubend, und übermittelt eigentlich auch schon sämtliche Gefühle dieses Filmes, die ich währenddessen empfunden habe.

Das Reisetagebuch des kleinen Masao

Liebes Tagebuch,
heute habe ich mich kurzerhand dazu entschlossen, zu meiner Mutter zu gehen, um sie endlich mal kennen zu lernen. Ich habe meine Großmutter zwar sehr lieb und ich bin auch gerne bei ihr, aber die Sommerferien sind so langweilig, wenn sie dauernd arbeiten ist und meine Freunde sind auch alle weggefahren. Außerdem habe ich dann noch vergessen, dass heute gar kein Fußballtraining ist. Das hat mich sehr traurig gemacht. Der Herr, der mir das gesagt hat, meinte, ich sei ein Träumer. Was meint er damit?
Deshalb habe ich mein ganzes Geld zusammen gesucht, ein Bild von meiner Mutter, meiner Großmutter und mir eingepackt, sowie ein paar Schulsachen, und mache mich nun auf den Weg. Also werde ich immer mal wieder ein paar kleine Ausschnitte in dich rein schreiben. – Masao

Liebes Tagebuch,
Auf dem Weg gestern wollten mir die blöden Jungs mal wieder mein Geld wegnehmen, wie sie es schon oft versucht haben. Aber zwei Freunde meiner Großmutter kamen mir zu Hilfe und setzten sich anschließend mit mir in ein Café, wo ich ein Eis bekam. Ich habe ihnen gesagt, dass ich meine Mutter besuchen möchte. Die Tante hat mir gesagt, dass ich viel zu wenig Geld habe und nicht allein dahin kann, weil es viel zu weit ist. Also begleitet der Onkel mich.
Ich weiß allerdings noch nicht, ob ich ihn mag. Irgendwie ist er etwas komisch. – Masao

Liebes Tagebuch,
Jetzt hat der Onkel mich mit zu einem Radrennen genommen und alles Geld verspielt, was die Tante ihm gegeben hat, um mich bis zu meiner Mama zu bringen. Dann wollte er mein Geld haben und fragt mich dann noch nach zwei Zahlen zwischen 1 und 9. Ich habe nicht verstanden, was er genau damit anfangen will, aber dann sagte ich „6“ und „3“ und ich glaube das war ganz gut. Jedenfalls hatten wir auf einmal wieder Geld.
Der Onkel hat mir auch neue Klamotten gekauft und wir haben dann in einem Hotel geschlafen und da konnten wir auch baden. Der Onkel hat ein ganz schön großes Bild auf dem Rücken und der ist ganz schön komisch geschwommen und dann wäre er glaub ich auch fast ertrunken. Aber es ist alles gut gegangen.
Wir wollten da auch Angeln gehen und so, aber das wurde uns nicht erlaubt. Das fand ich sehr schade.
Ich habe natürlich auch was für die Schule gemacht, damit Großmutter nicht sagt, dass ich faul bin.
Außerdem habe ich auch wieder einen sehr tollen Traum gehabt. Aber den schreib ich nicht auf. Der ist nur für mich. Als wir dann aus dem Hotel gingen hatten wir wieder kein Geld. Jedenfalls glaube ich das, weil der Mann hinter dem großen Tisch uns gefahren hat und nicht ein Taxi. Der Mann war sehr nett und hat mir auch etwas Geld gegeben, damit ich mir was kaufen kann. Das wars dann erstmal wieder. – Masao

Liebes Tagebuch,
Der Onkel macht immer ganz schön viel Blödsinn, weshalb er ganz oft Ärger bekommt. Aber daran habe ich mich schon gewöhnt, glaube ich. Wir haben ein paar nette und lustige Menschen getroffen. Wir sind nämlich mit einem Mann und einer Frau mitgefahren. Der Mann hat sich, wenn ich ihm einen Taler gegeben habe, ganz komisch bewegt. Darüber musste ich sehr lachen. Die Frau hat mit Orangen jongliert und das hat der Onkel dann auch probiert. Der konnte es aber gar nicht. Ja wirklich. Das war lustig. Ich glaube das werde ich jetzt öfter ausprobieren, bis ich es ganz gut kann und dann bringe ich es dem Onkel bei.
Wir sind schon bald bei meiner Mama deshalb wird das hier wohl mein letzter Eintrag sein, zumindest über meine Reise. Es war wirklich toll, dass ich die Reise nicht allein machen musste, sondern mit dem Onkel. Ich schreibe dir noch, was ich dann alles mit meiner Mama mache.
Oh, ich weiß gar nicht wie der Onkel heißt. Ich glaube ich sollte ihn mal nach seinem Namen fragen. Ist ja gemein, er weiß meinen ja auch. Also bis bald. – Masao

„Kikujiros Sommer“ ist ein herzerwärmendes, kleines Filmchen und das Reisetagebuch des kleinen Masao. Es ist eine Reise zweier Menschen, die wohl unterschiedlicher kaum sein könnten – der kleine, schüchterne Junge und der großmäulige, kauzige Onkel, wie er von Masao genannt wird. Trotz allem entwickelt sich nach und nach eine sehr innige Beziehung zwischen den beiden. Auf ihrem Roadtrip treffen sie viele seltsame, aber auch oft absolut liebenswerte Menschen, landen, immer verschuldet durch den „Onkel“, in allerlei Schlamassel aus denen sie aber immer wieder herauskommen.

Melancholie, Witz, Trauer, etwas Skurrilität, und allerlei falsche Entscheidungen gehen hier Hand in Hand und währenddessen entwickelt sich ihre Beziehung immer weiter. Der Onkel scheint eine Vaterfigur für Masao zu werden, wenn wohl auch nicht sehr vorbildlich aber immer irgendwie witzig und lieb auf seine eigene Art. Aber trotz seiner groben Art merkt man ihm die Gefühle an, die er für Masao empfindet – ganz nach dem Motto „Harte Schale, weicher Kern“. Auch gibt es zwischen den beiden kaum große Worte, aber wozu denn, wenn die schönen Bilder und die wunderbare Musik schon alles sagen, was gesagt werden muss!?

Ruhig, schön und skurril kommt dieser Film daher. Voller kleiner Höhepunkte, voller Lieblichkeit, voller Sympathie für das ungleiche Paar und gleichermaßen eine kleine Hommage an die Menschlichkeit und Freundschaft.

Schön, wie ein Spaziergang in der Sonne im Sommer mit anschließenden warmen Regenschauer .

Den Kommentar findet ihr übrigens hier.

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