Größer als The Wire: Michael K. Williams war eine der wichtigsten Personen in 20 Jahren Seriengeschichte

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Michael K. Williams in Boardwalk Empire
07.09.2021 - 18:00 UhrVor 3 Monaten aktualisiert
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Michael K. Williams ist tot. Nur wenige Schauspieler haben uns in den vergangenen zwei Dekaden dermaßen eindrucksvoll durch die Seriengeschichte begleitet.

Gestern Abend erreichte uns die traurige Nachricht, dass Michael K. Williams tot in seinem New Yorker Apartment aufgefunden wurde. Der US-amerikanische Schauspieler wurde 54 Jahre alt und hinterlässt ein bemerkenswertes Schaffen. Wenn wir uns seine Karriere anschauen, erleben wir einen Streifzug durch die wichtigsten Stationen der Seriengeschichte der letzten zwei Dekaden.

Obwohl Michael K. Williams regelmäßig sowohl im Kino als auch im Fernsehen zu sehen war, bleiben am Ende besonders seine starken Serienrollen in Erinnerung. Vielfältig, unerschrocken und markant: Sobald Williams eine Szene betritt, fällt es schwer, sich überhaupt auf etwas anderes zu konzentrieren. Er war einer jener Schauspieler, die – egal in welcher Rolle – eine unglaubliche Präsenz mitbringen.

Die Narbe, die von der Stirn auf seine rechte Wange führte, gehörte zu seinen größten Wiedererkennungsmerkmalen. Eigenen Angaben zufolge hat er sie sich an seinem 25. Geburtstag bei einer Prügelei in einer Bar zugezogen. Sie verwandelte Williams' Gesicht in eine unverkennbare Erscheinung, war bei weitem jedoch nicht das Einzige, das ihn als Schauspieler auszeichnete.

Michael K. Williams als Omar in The Wire: ein Triumph

Seine erste wegweisende und bis heute verblüffendste Rolle verkörperte Michael K. Williams in dem HBO-Meilenstein The Wire. Die Dramaserie entführt ins Baltimore der 2000er Jahre und erzählt aus verschiedene Perspektiven von den gesellschaftlichen Strukturen der Stadt. Williams übernahm die Rolle des schwulen Gangsters Omar Little, eine Figur, die von kriminellen Persönlichkeiten in Baltimore inspiriert war.

Michael K. Williams in The Wire

Den Gangster kaufte man Williams allein wegen seiner Narbe ab. Doch Omar war so viel mehr als ein wandelnder Stereotyp. Williams brachte einen unerwarteten Humor in die Rolle, erweiterte sie um verletzliche Facetten und machte es unmöglich, die Figur als eindeutig gut oder eindeutig böse zu charakterisieren. Omar war ein alternativer Robin Hood, der sich ebenso in einen kaltblütigen Killer verwandeln konnte.

Ein tiefer Blick in Williams' Augen lässt Angst wie Entschlossenheit erkennen. Er spielte den Kriminellen gegen jedes Klischee und vereint eine Vielzahl an Widersprüchen in der Figur, die weit über die Drehbücher hinausging. In einer Serie, die mit zahlreichen komplexen Figuren aufwartete, war Omar die komplexeste und mutigste. Williams hat sie aber nie wie eine Provokation wirken lassen, sondern immer wie einen Menschen.

Michael K. Williams als roter Faden der Seriengeschichte

Obwohl The Wire als großes Monument in Williams' Filmographie steht, sind seine nachfolgenden Serienrollen nicht zu unterschätzen. Zwischen kurzen Abstechern ins Network-Fernsehen (Williams gastierte mehrmals im Law & Order- und im CSI-Franchise) wurde er zum roten Faden im Prestige-TV-Boom der vergangenen Jahre. Damit einhergehend ist seine Karriere vor allem mit einem Sender verbunden: HBO.

Drei prägende HBO-Rollen von Michael K. Williams nach The Wire

  • Chalky White in Boardwalk Empire (2010-2014): Direkt nach The Wire tauchte Michael K. Williams in die Welt der von Martin Scorsese produzierten Serie Boardwalk Empire ein. Als Gangsterboss mischt er das Atlantic City zur Zeit der Prohibition in Amerika auf.
  • Freddy Knight in The Night Of: Die Wahrheit einer Nacht (2016): Während Riz Ahmed in der Krimidramaserie verdächtigt wird, einen Mord begangen zu haben, tritt Williams als unberechenbarer, angsteinflößender Insasse im Gefängnis Rikers Island in Erscheinung.
  • Montrose Freeman in Lovecraft Country (2020): Als vermisster Vater des Protagonisten schlüpft Williams in der freien Romanverfilmung in die Rolle eines Mannes, der von den Dämonen seiner Vergangenheit geplagt wird.
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Obwohl es sich bei den Rollen um Nebenrollen handelt, fühlt es sich nie so an, als würde Michael K. Williams nur die zweite Geige spielen. Gerade in Lovecraft Country gelingt es ihm mühelos, Freemans sturköpfigem Auftreten einen aufwühlenden Kern zu verleihen. Williams war die Art von Schauspieler, über die sich jede Serie glücklich schätzen konnte, weil er mit jeder Regung zusätzliche Tiefe in die Handlung brachte.

Michael K. Williams spielte erschütternd und wahrhaftig

Wenn wir uns aus der HBO-Ecke entfernen kommen wir in Williams' Vita über in Community (2011-2012) und Hap and Leonard (2016-2018) schließlich in die Streaming-Ära. Als eines der größten Gesichter des Goldenen Serienzeitalters meldete sich Williams mit When They See Us (2019) über die Central Park Five bei Netflix zu Wort. Die Serie thematisiert den strukturellen Rassismus in den USA. Williams spielte darin Szenen, die bis ins Mark erschüttern und zu den leidenschaftlichsten seiner Karriere gehören.

Michael K. Williams im Fernsehen zu sehen, bedeutete stets, sich auf eine intensive Erfahrung einzulassen. Manchmal war die Spannung unerträglich, wenn er sein Gegenüber sorgfältig musterte. Manchmal war sie einfach nur herzzerbrechend, wenn er die Verletzlichkeiten seiner Figuren herausarbeitete. Niemals aber waren diese großen Gesten platt oder durchschaubar. Williams hat sie alle in etwas Echtes verwandelt.

In welchen Rollen behaltet ihr Michael K. Williams in Erinnerung?

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