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Die Filmanalyse zu Er ist wieder da

Er ist wieder da - Kritik & Analyse

02.11.2015 - 00:00 UhrVor 5 Jahren aktualisiert
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© Constantin Film/moviepilot
Die Filmanalyse zu Er ist wieder da
Wolfgang M. Schmitt jun. erklärt in seiner Filmanalyse, warum diese Hitler-Karikatur perfekt in unsere postdemokratische Zeit passt.

Die Macher der witzlosen Komödie Er ist wieder da geben vor, mit ihrem Film einen mutigen Tabubruch zu begehen. „Humor darf alles“, ist man sich einig. Na ja, könnte man entgegnen: Humorvoll sein, sollte er schon. Und überhaupt sollte man zur Kenntnis nehmen, dass eine Hitler-Karikatur im Jahre 2015 wirklich keine Grenzüberschreitung mehr darstellt. Man sieht so etwas Jahr für Jahr. Und vergessen wir auch nicht, dass die besten Filme über den Holocaust Komödien sind. Regisseur David Wnendt aber ist auf vermeintliche Tabubrüche abonniert, schon seine Verfilmung des Schundromans Feuchtgebiete der Videoclipansagerin Charlotte Roche machte das deutlich. Eine biedere Liebesgeschichte wurde da mit ein bisschen Spermageruch parfümiert und als transgressiv und gewagt verkauft.

Ähnlich verfährt man nun mit Hitler: Er ist wieder da führt das vor, was wir ohnehin schon längst erkannt haben: Neonazis sind doof, Privatfernsehen macht blöd, wir amüsieren uns zu Tode – garniert werden diese Thesen ausgerechnet von Hitler, was für das gewisse Etwas, einen kleinen Schauer sorgen soll. Wie schon der Roman erklärt auch der Film nicht ein einziges Mal, warum gerade Hitler als Gesellschaftskritiker fungieren darf. Vielleicht weil diese Hitler-Figur eine Sprache spricht, die ungeübte Hörer als elaboriert bewerten könnten? Oder wird hier die These vertreten, dass Diktatoren einfach mehr Charisma als demokratische Politiker haben? Man weiß es nicht. Vermutlich reines Marketing der Grund: Hitler verkauft sich immer gut, das weiß man nicht nur beim SPIEGEL. Interessant ist nun aber, welchen Hitler uns Er ist wieder da präsentiert. Es ist ein Hitler, wie wir ihn kennen, doch etwas fehlt: der Judenhass. Der Privatsender engagiert Hitler nur unter der Bedingung, dass er keine Judenwitze macht und auch sonst hören wir von diesem Hitler so gut wie keine antisemitischen Parolen.

Deshalb passt dieser Hitler perfekt in unserer Zeit: Wir wollen Bier ohne Alkohol, Kaffee ohne Koffein, Schokolade ohne Zucker und Hitler ohne Antisemitismus. Genau darin liegt aber das größte Problem des Films. Wir werden Zeuge einer unerträglichen Verharmlosung, denn einen Hitler ohne Judenhass gibt es so wenig wie einen Mörder ohne Mord. Indem man den Judenhass weitgehend ausklammert, entsteht eine gefährliche Leerstelle.

Mehr dazu im Video!

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Kino anders gedacht. Wolfgang M. Schmitt jun. beleuchtet für seinen YouTube-Kanal “Die Filmanalyse” aktuelle Großproduktionen aus einer etwas anderen Perspektive. Er will mit seinen provokanten Kritiken die Ideologie Hollywoods offen legen, die sich mal offensichtlich, mal im Verborgenen, aber in aller Regel unfreiwillig in den Blockbustern des Kinos auftut. Schmitt jun. schreckt bei seinen oft polarisierenden Analysen auch vor den großen Theorien und Denkern aus Vergangenheit und Gegenwart nicht zurück und sorgt damit immer für kontroverse Diskussionen.

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