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Ekel Alfred – primitiv, brachial, zum Totlachen

31.08.2012 - 08:50 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Ekel Alfred in seiner ganzen Pracht
© ARD
Ekel Alfred in seiner ganzen Pracht
Einen Proleten wie Alfred Tetzlaff hatte es im deutschen Fernsehen bis zur Ausstrahlung von Ein Herz und eine Seele nicht gegeben. Der Prototyp des reaktionären deutschen Spießers war aber nicht nur in den 70er-Jahren ohnegleichen, sondern ist es bis heute geblieben.

Alfred über das Fernsehprogramm: Guck du dir die Sendungen an mit Schwulen, mit klassenbewussten Faulpelzen und Nutten, mit Abtreibern und Absaugern. Ich guck mir die Sportschau an.

Alfred Tetzlaff ist auch heute noch ein Unikum in der deutschen Fernsehlandschaft. Die als Ekel Alfred bekannt gewordene Hauptfigur aus der 70er-Jahre Sitcom (als es in Deutschland eigentlich noch gar keine Sitcoms gab) Ein Herz und eine Seele von Wolfgang Menge ist in ihrer Kombination aus Proletentum, Engstirnigkeit und einer sehr speziellen Weltsicht, die sich in den unglaublichsten Sprüchen entlädt, bis heute unerreicht. Alfred-Darsteller Heinz Schubert verkörperte die Figur derart pointiert, dass der Zuschauer gar nicht anders kann, als Alfred gleichermaßen abstoßend, bemitleidenswert und urkomisch zu finden.

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Alfred über seinen Schwiegersohn: Das ist mein Schwiegersohn, ein Anarchist. […] Wenn der zu Ihnen in den Laden kommt, dann wirds gefährlich. Der klaut schon aus ideologischen Gründen und nicht nur so zum Spaß!

Aber nicht nicht nur Heinz Schuberts Schauspielkünste machen Ein Herz und eine Seele heute noch zu einer unglaublich modern anmutenden Serie. Auch die anderen Darsteller – Elisabeth Wiedemann als Alfreds Frau Else, Hildegard Krekel als Tochter Rita und Diether Krebs als Ritas Mann Michael – sorgen mit ihren puktgenauen Verkörperungen der Figuren und ihrem perfekten Timing dafür, dass so gut wie jeder Gag sitzt und es oft schwer ist, aus dem ungläubigen Prusten herauszukommen. Neuverfilmungen alter Schwarzweiß-Episoden und die vier Folgen der umbesetzten zweiten Staffel nicht mitgezählt, hat es Ein Herz und eine Seele in nicht einmal zwei Jahren mit weniger als 20 Folgen geschafft, einen immerwährenden Eindruck in der deutschen Fernsehlandschaft zu hinterlassen.

Alfred über seine Frau: Ob Sie mit meiner Frau sprechen oder mit einem Känguru im Zoo, macht keinen Unterschied.

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Zwar dürfte es auch einige Zuschauer gegeben haben, die Alfreds Parolen insgeheim oder lautstark zugestimmt haben, das generelle Klima war Anfang der 70er-Jahre jedoch Alfreds reaktionären Ansichten genau entgegengesetzt und machte damit seine Tiraden gewissermaßen erst möglich. Eine vergleichbare Beschäftigung mit aktuellen politischen Themen hatte es in einer deutschen Fernsehserie bis dato nicht gegeben (und ist auch bis heute eine Rarität geblieben). Oftmals wurden die Drehbücher buchstäblich in letzter Minute fertig geschrieben, und die Folgen erst am Ausstrahlungstag aufgezeichnet, wodurch die Themen tagesaktuell sein konnten.

Alfred über die Politik: Brandt fährt nach Jugoslawien, um sich mit seinen Partisanenkollegen zu treffen. Ich sage nur: Tito. Der war Partisan. Hat auch Partisan gelernt und ist dann Diktator geworden. Die gleiche Laufbahn wie Brandt.

Aber nicht nur Alfreds gesellschaftliche und politische Ansichten sorgten für Gesprächsstoff, seine bis dato im Fernsehen unbekannte Vulgarität war stets für einen Aufreger bzw. Lacher gut. Bonmots wie “Drück dich gefälligst gebildet aus, du Arschloch!”, “Ich scheiss’ euch was, das sag ich euch gleich” oder “Steh’ da nich’ so dämlich rum und glotz mich an, mach’ Frühstück” sind bei Alfred an der Tagesordnung. Dabei ist unverkennbar, dass Alfred sich von allem Neuen in der Welt bedroht fühlt und seiner Verunsicherung nicht anders Ausdruck verleihen kann, als den erstbesten Kommentar zu äußern, der ihm einfällt.

Alfred über internationale Küche: Pizza! Weiß doch kein Mensch woraus die besteht. Da wird so ein Stück Kuhfladen ausgerollt, dann kommt ein Klecks Tomatensoße drauf und das Ganze kostet dann fünf Mark. Und schmecken tut’s wie toter Friseur!

Nicht unbedeutend für den einzigartigen Charakter der Serie ist schließlich auch das gnadenlose 70er-Jahre-Design der Wohnung der Tetzlaffs, das allerdings schon damals antiquiert gewesen sein dürfte, ebenso wie die in den Farbfolgen brillierenden knallbunten Outfits des Studiopublikums, die aussehen, als wären sie mit gequetschten Regenbögen gefärbt worden. Zusammen mit der unerreichten Mischung aus tiefgehender Satire und urtümlichen Zoten, die sich in den perfekt vorgetragenen Dialogen findet, ergibt sich ein Fernsehvergnügen, das auch noch in der x-ten Wiederholung besser unterhält als das meiste andere, das unter dem Stichwort Comedy produziert wurde und wird.

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