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Die Entführung des Michel Houellebecq

27.08.2014 - 19:01 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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Michel Houellebecq in Die Entführung des Michel Houellebecq in Handschellen
© Caramel Films
Michel Houellebecq in Die Entführung des Michel Houellebecq in Handschellen
Wem heute Abend der Sinn nach einer menschlichen Komödie steht, der sollte um 21:40 Uhr arte einschalten und es sich menschlich auf dem Sofa bequem machen. Die Entführung des Michel Houellebecq zeigt das Mensch-Sein in all seinen Facetten.

Wer in der Lage ist, über sich selbst zu lachen, aber auch seine eigenen traurigen Empfindungen anzuerkennen, der wird in Die Entführung des Michel Houellebecq des Öfteren zwischen Schmunzeln und Resignieren schwanken. Der französische Film von Guillaume Nicloux integriert genau diesen Widerspruch, indem er uns zeigt, wie simpel und zugleich schwierig das menschliche Dasein sein kann. Sein Drama im Stile einer „Comédie humaine“ wurde einem der Überraschungs-Hits der Berlinale 2014.

Nicloux nutzt in Die Entführung des Michel Houellebecq eine fiktive Geschichte im Doku-Stil, in der die Rolle des realen, französischen Schriftstellers Michel Houellebecq im Mittelpunkt steht. Diese spielt Houellebecq, der in Frankreich ebenso erfolgreich wie umstritten ist, höchstpersönlich. Im wahren Leben "flüchtete" er um die Jahrtausendwende aufgrund der Medienkritik über seinen Roman "Elementarteilchen" aus Frankreich nach Irland. Erst seit 2013 scheint er sich mit den Kritikern seines Landes insoweit versöhnt zu haben, dass er wieder in Paris leben kann.

Die Idee zu Die Entführung des Michel Houellebecq kam Nicloux anhand eines wahren Erlebnisses aus Houellebecqs Leben, das durch die Medien bekannt wurde: 2011 sollte er sich ursprünglich auf eine Lese-Reise zu seinem Roman “Karte und Gebiet“ begeben, trat diese jedoch nicht an. Auch nach Nachforschungen seines Verbleibes konnte ihn tagelang niemand auffinden. Im Internet wurden humoristische Gerüchte über eine Entführung seiner Person durch al-Qaida oder Aliens verbreitet. Nicloux baute diese Gerüchte in seinen Film ein und lässt ihn zu Beginn der Story entführen. Seine Kidnapper sind (fast) ganz normale Menschen. Die Medien verbreiten daraufhin am 16. September 2011 offiziell über alle möglichen Plattformen, dass Houellebecq entführt worden sei. Dieser geht allerdings nicht gegen seine Gefangenschaft an, ist die Entführung doch eine willkommene Abwechslung zum Blitzlicht-Leben seines Prominenten-Daseins. Stattdessen freundet er sich nach kurzer Zeit mit seinen Entführern an. Ein spannendes, emotionales, aber teilweise auch witziges Drama nimmt seinen Lauf, in dem Michel Houellebecq es schafft, die Kamera gedanklich auszublenden, seine privatesten Charakterzüge offenzulegen und viele Facetten seiner Persönlichkeit preiszugeben.

Houellebecq ist nicht nur ein talentierter Autor, sondern auch vor der Kamera durch überzeugende Ausdrucksformen professionell einsetzbar. Gerade seine Selbstironie und die dadurch mitschwingende Komik seines Verhaltens machen Die Entführung des Michel Houellebecq zu einem Geheimtipp. Regisseur Nicloux arbeitet mit simplen, aber klugen Mitteln, was schon seine Auswahl des Hauptdarstellers zeigt. Wir sehen "eine lebhafte, erfreuliche Real-Komödie", wie Variety nach der Rezeption des Filmes auf der diesjährigen Berlinale über den Film urteilte .

Was? Die Entführung des Michel Houellebecq
Wo? arte
Wann? Heute, 21:40 Uhr (93min)

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