Der Pate, der Film (d)eines Lebens!

Der Pate
© Paramount / moviepilot
Der Pate
Moviepilot Team
Kängufant Andreas Gerold
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Lovely, in a fluffy, moist kind of way.

Es gibt Hunderte, Tausende Filme da draußen, die das Zeug haben, euer Herz zu erobern, und immer wieder und wieder gesehen werden können. Filme, denen ihr hier auf Moviepilot das Herz eines Lieblingsfilms schenken könntet, würdet ihr sie jemals entdecken.

Aber nur ganz wenige, vielleicht nur einer von all diesen Filmen, wird der Film eures Lebens sein können, ein Film, der euch ein Leben lang begleitet, immer wieder euren Weg kreuzt, euch vielleicht schon fasziniert hat, lange bevor ihr ihn gesehen habt, der euch danach nie wieder loslassen wird. Denn so einem Film wird der Begriff Lieblingsfilm eigentlich nicht mehr gerecht: So ein Film ist der Film eures Lebens!

So ein Film kann tatsächlich euer Leben verändern, seine Schatten lange Zeit vorauswerfen, bis ihr ihn endlich seht und er eure Saiten zum Klingen bringt, eurem Leben eine ganz neue Melodie gibt wie kein anderer Film zuvor - oder seitdem. So wie es el.greco ergangen ist: Er hat euch einen Kommentar geschrieben, den ihr nicht ablehnen könnt ...

Der Kommentar der Woche zu Der Pate von el.greco

Jeder hat einen Lieblingsfilm - und ich spreche nicht von einem gewöhnlichen Lieblingsfilm! Ich spreche von dem Film, den man nie wieder vergisst. Der Film, der einen nie wieder loslässt. Der Film, den man für immer ins Herz geschlossen hat. Er bildet das Fundament für den Geschmack des Konsumenten. Manchem hat er das Leben verändert. Manch einem ist er wie eine Offenbarung. Ich spreche von dem zentralen Film im Leben eines Menschen.

Lasst mich euch von einem Abend erzählen, der mein Leben verändern sollte.

Ich hatte das große Glück, in einer außergewöhnlich musikalischen Familie aufzuwachsen. Meine Cousins leben die Musik. Der eine ist ein ausgezeichneter Violinist, der andere sitzt in jeder freien Minute am Piano. Wir wuchsen zusammen in einem abgelegenem Stadtteil auf. Sie waren zwar etwas älter als ich, aber dennoch war ich ständig mit ihnen unterwegs. Wir spielten Fußball, gingen schwimmen und fuhren Fahrrad, eben das was Kinder so treiben. Meinen Onkel, also den Vater meiner Cousins, könnt ihr euch so vorstellen: Ein kleiner, brauner, unglaublich dicker Mann, der so stolz auf seine Söhne war, dass er ihnen keinen Wunsch abschlagen konnte, solang sie nur jeden Tag brav ihr Instrument übten (keine Sorge, meine Cousins wurden nie gezwungen zu musizieren, sie taten es stets gerne). Für mich war das Haus meines Onkels wie mein eigenes Zuhause. Ich hörte den beiden schon damals gerne beim Spielen zu, obwohl ihre Fähigkeiten zu dieser Zeit noch ziemlich begrenzt waren.

Die Jahre vergingen und so kam irgendwann der Abend, an dem sich in meinem Leben etwas ändern sollte. Meine Cousins hatten fleißig geübt und wollten meiner Familie ihre neuesten Stücke vortragen. Sie spielten und spielten, bis mein Onkel irgendwann sagte: „Jetzt den Paten, bitte.“ Der Violonist begann zu spielen. Noch heute kann ich mich an diesen Augenblick erinnern, als ob er gestern gewesen wäre. Er spielte eine Melodie, die so majestätisch und dennoch für mich so gewöhnlich war. Als ob ich die Melodie schon Jahre lang kannte. Er spielte jede einzelne Note, mit so einer hingebungsvollen Leidenschaft, dass selbst der Pianist aufhören musste zu spielen, da dieser Moment so bewegend war. Diese knapp eineinhalb Minuten brannten sich in mein Gehör ein.

Jedes Mal, wenn ich meine Cousins besuchte und sie ein kleines Konzert gaben, wartete ich nur auf eines: Sie spielten Verdi und Caruso und Schubert, aber all das konnte mich nicht beeindrucken. Ich war so fixiert auf dieses eine Lied und bat so oft darum, dass sie mir dieses vorspielten, dass meinem Onkel irgendwann der Kragen platzte. Mir, dem knapp Zwölfjährigen bot er an, den Film anzuschauen aus dem dieses Lied stammt: Der Pate. Meine Neugierde war so grenzenlos, dass ich, kaum dass mein Onkel ausgesprochen hatte, die Schachtel schon in der Hand hielt. Ich öffnete sie und sah, dass die DVD fehlte. Wir suchten und suchten, aber fanden sie nicht. Meine Enttäuschung war ein Vielfaches meiner Neugierde.

Daraufhin schlief meine Neugierde aus irgendeinem Grund ein. Ich wollte nicht mehr ständig diese Melodie hören, mich interessierte der Pate nicht mehr so brennend wie vor dem enttäuschenden Abend.

Ich wuchs und die Zeit schritt voran, die Melodie aber dennoch immer noch im Hinterkopf, zwar irgendwie vergessen, aber immer noch da.

Letztes Jahr kam ein guter Freund auf mich zu und erzählte mir, er hätte am Vorabend den besten Film seines Lebens gesehen. Als ich ihn fragte welchen denn, antwortete er mir: „Der Pate!“ Und all die Abende, die ich auf dem Sofa gesessen und den Tönen meiner Cousins lauschte, spielten sich vor meinem inneren Auge wieder ab. Sofort war das unglaubliche Gefühl der Neugierde wieder da, welches ich vor Jahren schon einmal spürte. Ich lieh mir den Film aus. Nun konnte mich nichts mehr zurückhalten. Ich startete die DVD.

Die erste Szene: ruhig, melancholisch. MEINE Melodie ertönt. Ich werde in meinen Sitz gepresst. Ich höre auf zu atmen.

„I was always a good American.“ Die Stimmung war greifbar. Die ersten Worte des Paten. Augenblicke, die ich nie wieder vergessen werde. Gänsehaut. Das, was ich all die Jahre sehen wollte, begann. Es war, als ob ich den Film kannte, obwohl ich ihn nie gesehen habe. Er war so in mir verankert. Die Stimme des Paten. Der Film schien mir so vertraut, ich war so darauf vorbereitet, ohne nur eine Szene gesehen zu haben. Die nächsten zweieinhalb Stunden war ich nicht auf dieser Welt.

Der Abspann: Mir schien es, als hätte ich die letzten zweieinhalb Stunden nicht geatmet. Was war das? Ein Drama. Eine Symphonie. Ein Meisterstück. Wie Da Vincis Mona Lisa, wie Schuberts Ave Maria, so Coppalas Pate.

Es ist der zentrale Film in meinem Leben. Es ist der Film, der sich wie ein roter Faden durch mein Leben zieht. Ihr fragt euch jetzt sicher, wieso ich euch so eine lange Geschichte erzähle. Ich habe diesen Kommentar geschrieben, weil ich euch meinen Bezug zu diesem Film zeigen wollte. Ich hoffe, ich konnte euch zeigen, wie viel mir dieser Film bedeutet. Ich sitze hier stundenlang vor dieser Word-Datei, verbessere und korrigiere und formuliere diese vielen Zeilen und Wörter um, um das in Worte fassen zu können, was mich bewegt. „Der Pate“ wird immer einen Platz in meinem Leben haben. Er hat mich geprägt und verändert.

Er ist mein Lieblingsfilm.

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