Brutale Amazon-Serie: Utopia tauscht Superheld/innen gegen echte Psychos

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Utopia
30.10.2020 - 19:30 UhrVor 26 Tagen aktualisiert
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Verschwörungstheorien, ein Virus und das Ende der Welt: In der neuen Amazon-Serie Utopia übernehmen Psychos das Sagen und liefern acht Episoden lang puren Eskapismus.

Auf den ersten Blick schrammt die neue Amazon-Serie Utopia nur knapp an der Realität vorbei. Die Prämisse beschäftigt sich mit einem Virus, der das Ende der Welt einläutet, während Verschwörungstheoretikern reichlich Stoff geboten wird, um den abwegigsten Fantasien Raum zu verschaffen. Die Schlagzeilen sehen momentan nicht anders aus. Ihr solltet euch die Serie trotzdem anschauen.

In Amazons Utopia erzählt ein Comic vom Ende der Welt

Ausgehend von den zentralen Themen könnte das Timing von Utopia nicht schlechter sein. Bereits die Pilot-Episode beweist jedoch das Gegenteil: Gone Girl-Autorin Gillian Flynn hat ein Stück puren Eskapismus geschaffen, das durch Spannung und Nervenkitzel komplett aus der Welt herausreißt und zum Binge-Marathon einlädt. Perfekt ist diese Serie nicht, aber es macht großen Spaß, sich in in ihren Eigenheiten zu verlieren.

Alles beginnt mit dem Comic Dystopia, das von seiner Anhängerschaft deswegen verehrt wird, weil es die Pandemien der vergangenen Jahre vorhergesagt hat. Als die Fans herausfinden, dass eine Fortsetzung, Utopia, existiert, ist die Nachfrage groß: Alle wollen ein Exemplar des Comics in Händen halten, um die Zukunft der Menschheit zu entschlüsseln. Das Problem ist: Es existiert nur ein Exemplar.

Der Trailer zu Utopia gewährt zusätzliche Einblicke:

Utopia - S01 Trailer (Deutsch) HD
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Bei einer Geek-Convention soll das begehrte Utopia-Comic verkauft werden. Seine Besitzer/innen haben keine Ahnung, was für Menschen sie sich damit in ihr Hotelzimmer einladen: Das nächste Mal, wenn die Putzkräfte ihre Runde drehen, müssen sie Blutspuren vom Mobiliar wischen. Hinter Utopia sind nicht nur Nerds her, sondern auch ganz finstere Gestalten, die gewillt sind, über Leichen zu gehen.

Ein Haufen Psychos tobt sich in Amazons Utopia aus

Wie schon im britischen Original verfolgen wir die Geschichte durch die Augen der Fans. Samantha (Jessica Rothe), Ian (Dan Byrd), Becky (Ashleigh LaThrop), Wilson (Desmin Borges) und der viel zu junge Grant (Javon Walton) finden sich in einem jener Abenteuer wieder, die sie in ihrer Freizeit lesen. Plötzlich sind sie die Comicfiguren, die den Lauf der Dinge bestimmen und schwerwiegende Entscheidungen treffen müssen.

Beide Staffeln der britischen Utopia-Serie auf Blu-ray
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Utopia findet auf zwei Ebenen statt: Zuerst ist da die direkte Handlungsebene, die uns tiefer und tiefer in ein Labyrinth aus Verschwörungen entführt. Danach folgt die Metaebene, die größere Themen der Popkultur verhandelt - allen voran die Suche nach Superheld/innen. Konkret manifestiert sich das in der Frage nach Jessica Hyde (Sasha Lane), die sowohl im Comic als auch im echten Leben auftritt.

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Jede Figur in Utopia ist ihr auf den Fersen, eine Superheldin ist sie aber nicht. Vielmehr erzählt die Serie von Psychopath/innen, die sich in verschiedenen Leveln des Wahnsinns bewegen. Bevor hier jemand ein Risiko eingeht, feuert er lieber eine Kugel ab. Ziemlich schnell wird deutlich: Gillian Flynn opfert Figuren, um die Unberechenbarkeit der Serie zu wahren. Was anfangs entzückt, nutzt sich mit der Zeit ab.

Deutlich stärker ist Utopia, wenn in der Serie Kontraste kollidieren, etwa die kindliche Unschuld des Comiclesens mit dem kompromissloses Blutvergießen. Eben noch war da ein kleines Mädchen, das von einem weißen Kaninchen besucht wurde, da offenbart sich dieses Kaninchen als der Teufel persönlich und bringt nichts als den Tod. Illustriert wird das durch die gänsehauterregenden Bilder des Utopia-Comic.

Die Bösen sind in Amazons Utopia am faszinierendsten

Der Comic nimmt alles vorweg, was in den acht Episoden von Utopia passiert. Entschlüsselt ist das große Rätsel damit aber nicht. Als Zuschauer/innen müssen wir viele Umwege in Kauf nehmen. Nicht zuletzt investiert Gillian Flynn sehr reichlich Zeit, um die einzelnen Parteien zu beleuchten, die bei diesem morbiden Spiel mitmischen. Gerade auf Seiten der Bösen gibt es faszinierende Figuren zu entdecken.

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Handlanger Arbi (Christopher Denham) marschiert unaufhaltsam durch die Gegend und tötet Menschen, wie ihm aufgetragen wird. Dabei ist er genauso unheimlich wie verletzlich: Ein Kind im Körper eines Auftragskillers, bei dem wir uns nie sicher sein können, was es wirklich weiß und denkt. Dazu kommt John Cusack, der als Bösewicht Kevin Christie herrlich gegen sein Image anspielt.

"Was hast du heute getan, um deinen Platz in dieser überfüllten Welt zu verdienen", will er mit durchdringendem Blick wissen. John Cusack ist in diesem Psycho-Modus ein Schauspieler, der selbst dann in den Bann zieht, wenn das übrige Konzept der Serie starke Abnutzungserscheinungen aufweist. In Cusack brodelt ein Wahnsinn, der unangenehmer ist als sämtliche verfremdete Stilmittel, die in der Serie zum Einsatz kommen.

Utopia lohnt sich also trotz Schwächen. Falls ihr eine kurzweilige Serie sucht, um für acht Stunden der Realität zu entkommen, bekommt ihr ein spannendes Rätsel geboten, während sich ein Haufen schräger Figuren gegenseitig an den Kragen geht.

Die 1. Staffel von Utopia umfasst acht Episoden, die alle ab heute, dem 30. Oktober 2020, auf Amazon Prime als Stream zur Verfügung stehen. Als Grundlage für diesen Seriencheck dienten alle acht Episoden.

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Werdet ihr die neue Utopia-Serie auf Amazon Prime schauen?

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