Seit dem 10. September steht die 5. Staffel von Babylon Berlin in der ARD Mediathek bereit und schließt mit acht Folgen das Vermächtnis der Serie nach neun Jahren ab. Das Finale nimmt sich der Zeit von der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 an und reicht bis zum Reichstagsbrand Ende Februar desselben Jahres. Dazwischen wird ein Mordfall aufgerollt, der tief mit Hitlers eigener Vergangenheit verknüpft ist. Doch wie viel davon ist wahr? Wir blicken auf einige der wichtigsten Punkte.
Achtung, es folgen Spoiler zur 5. Staffel von Babylon Berlin!
Adolf Hitlers Aufenthalt im Lazarett Pasewalk und hysterische Blindheit
Bereits die erste Szene von Folge 1 der Finalstaffel wirft uns ins Jahr 1918 zurück, wo der Psychiater Dr. Forster mehrere Kriegsveteranen des Ersten Weltkriegs im Reservelazarett Pasewalk behandelt. Wie wir in späteren Folgen herausfinden, war dort auch Adolf Hitler Patient. Durch einen Senfgasangriff soll er an der Front erblindet sein. Von seinen Mitpatienten wird er als Simulant beschimpft, Dr. Forster diagnostiziert ihm sogenannte hysterische Blindheit, die später mithilfe von Hypnose geheilt wird.
Wie der Spiegel berichtet, sind die Hintergründe dessen teilweise wahr. Das Magazin zitiert den Historiker Hanno Hochmuth vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam. Er erklärt: "Es ist belegt, dass Hitler nach einem Senfgasangriff an der Westfront wegen einer vorübergehenden Erblindung in diesem Reservelazarett war." Vom 21. Oktober bis zum 19. November 1918 soll sich Hitler in dem Lazarett aufgehalten haben, wie er selbst in seinem Buch Mein Kampf ausführte.
Babylon Berlin kreiert in Staffel 5 einen maßgeblichen Handlungsstrang aus der Suche nach Hitlers Krankenakte, die verschwunden sein soll. Im Verlauf der Serie lassen die Nationalsozialisten nach und nach alle Augenzeugen umbringen, die Hitler in Pasewalk gesehen haben. Dr. Forster gerät dabei ebenfalls ins Visier der Nazis und wird verfolgt.
Hier weiche die Serie hingegen von der Geschichte ab, wie Hochmuth gegenüber dem Spiegel weiter ausführt. Während Hitlers Krankenakte tatsächlich um die dargestellte Zeit verschwand und bis heute als verschollen gilt, habe es nie eine Mordserie an ehemaligen Mitpatienten Hitlers gegeben. Auch sei die Flucht von Dr. Forster nach Paris nicht nachgewiesen. Der echte Dr. Forster beging nach einer Suspendierung vom Dienst durch die Nationalsozialisten im September 1933 Suizid.
Forsters Behandlung Hitlers mit Hypnose gegen seine mutmaßliche hysterische Blindheit fußt hingegen zu weiten Teilen auf dem Buch Der Augenzeuge von Ernst Weiß, der als Figur ebenfalls in der 5. Staffel auftritt. Laut Hochmuth sei die in der Serie dargestellte therapeutische Behandlung Hitlers jedoch nicht belegt und gelte in der seriösen Hitler-Forschung heute als reine Spekulation.
Das Attentat auf Hitler während des Reichstagsbrandes 1933
Das Finale der 5. Staffel, das gleichzeitig das Serienfinale von Babylon Berlin bildet, nimmt sich dem Reichstagsbrand in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933 an, bei dem mehrere Dinge gleichzeitig geschehen. In der Serie findet in der gleichen Nacht im Anwesen von Alfred Nyssen ein Treffen Hitlers mit mehreren Industriellen statt, die die Nationalsozialisten vor der Wahl finanziell unterstützt haben.
Wie unter anderem in dem Artikel Zum Verhältnis von Großindustrie und Nationalsozialismus 1930–1933. Ein Beitrag zur Geschichte der sog. Machtergreifung von Martin Blank in der Fachzeitschrift Archiv für Sozialgeschichte nachzulesen ist, hat es tatsächlich ein geheimes Treffen von Hitler mit Industriellen gegeben. Dieses hat jedoch schon früher, am 20. Februar 1933, stattgefunden.
Somit ist das Treffen nicht mit dem Abend des Reichstagsbrandes selbst zusammengefallen. Das Treffen soll darüber hinaus ohne große Zwischenfälle abgelaufen sein. Das geplante Attentat auf Hitler bei diesem Treffen ist somit frei von der Serie erfunden. Auch wurde Hitlers vermeintlicher Tod nicht über das Radio ausgerufen, wie es in der Serie gezeigt wird.
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Das Feuer im Reichstag selbst wurde tatsächlich von dem Niederländer Marinus van der Lubbe gelegt, wie auch die Serie zeigt. In der Geschichte ist jedoch bis heute strittig, ob er als Alleintäter gehandelt habe, oder von den Nationalsozialisten zur Tat angestiftet wurde, wie Hochmuth gegenüber dem Spiegel erklärt. Viele Historiker:innen würden heute jedoch zu der Alleintäterthese tendieren.
Dass die Nazis den Vorfall in Nachhinein für ihre Zwecke instrumentalisiert haben, stimme hingegen. Die Verordnung zum Schutz von Volk und Staat, welche nur einen Tag nach dem Brand von Paul von Hindenburg erlassen wurde, setzte zentrale Grundrechte der Weimarer Verfassung außer Kraft und ebnete der Machtergreifung der Nazis maßgeblich den Weg.