Assassin's Creed: Das nervigste Element der Spiele ruiniert den Film

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© 20th Century Fox
Asassin's Creed
26.04.2020 - 17:00 Uhr
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Assassin's Creed besaß alle Zutaten für eine gelungene Spieleverfilmung. Doch ausgerechnet das nervigste Element der Games wurde in den Mittelpunkt gerückt.

Vieles ist bei Assassin's Creed schiefgelaufen und irgendwann werden wir vielleicht einen Insiderbericht erhalten, der Widersprüche hinter den Kulissen aufdeckt. Ubisofts große Eroberung der Videospielverfilmungen entpuppte sich 2016 nämlich als Debakel. Und wie will man sich von außen eine derartige Enttäuschung und vor allem ein derart wirres Finale anders erklären als durch Streit hinter den Kulissen?

Die Probleme bei der ersten Verfilmung der Blockbuster-Gaming-Reihe sind mannigfaltig. Für Kopfkratzen sorgt allerdings Jahre später noch die Entscheidung, eines der nervigsten Elemente der Spielereihe ins Zentrum des Drehbuchs zu stellen. Wer die Assassin's Creed-Reihe ausschließlich wegen der zähen Abstergo-Rahmenhandlung verehrt, darf gerne in den Kommentaren widersprechen.

Assassin's Creed: In den Spielen entdeckt man die Vergangenheit (und mordet viel)

Es gibt einen wiederkehrenden Moment der Assassin's Creed-Spiele, der wunderbares Meme-Potenzial besitzt und doch die Freuden der Reihe perfekt zusammenfasst: Da springt man im Assassinen-Outfit von einer Turmspitze in den Abgrund und landet sanft in einem Heuwagen. Der Todessprung oder Leap of Faith ist absurd. Aber die Assassin's Creed-Spiele bieten den Reiz der Entdeckung. Kopfüber geht es hinein in eine altbekannte und doch neue Welt: die Renaissance, die französische Revolution, das Heilige Land der Kreuzzüge.

Assassin's Creed

Das Mittel dafür ist der Animus, eine Art High-Tech-Virtual-Reality-Sessel, der einem den Blick freigibt auf die Erinnerungen seiner Vorfahren. Dahinter steckt die geheimnisvolle Firma Abstergo, die in der Jahrhunderte alten Konkurrenz zwischen Templer-Orden und Assassinen mitmischt.

Der Film konzentriert sich viel zu stark auf die Gegenwart

An dieser Stelle zieht der Spielfilm von Justin Kurzel (Macbeth) mit. Michael Fassbenders Figur Callum wacht wie Desmond aus Assassin's Creed 2 und andere Helden im Abstergo-Anwesen auf. Seine geplante Hinrichtung wegen Mordes wurde von der Firma fingiert. Cal soll stattdessen mit Hilfe eines Animus nach Hinweisen auf den sogenannten Edenapfel suchen. Per Animus versetzt er sich hinein in die Erinnerungen seines Vorfahren Aguilar im Spanien der Inquisition.

Der Trailer für Assassin's Creed:

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Doch die Abstecher in diese faszinierende wie gefährliche Epoche bleiben kurz. Ikonische Momente der Reihe werden abgehakt (der Todessprung zum Beispiel). Ein paar Missionen, ein bisschen Gemetzel und schon verschwindet das historische Setting wieder. Ein Gefühl für die Zeit kommt nicht auf. Zu entdecken gibt es ebenso wenig. Stattdessen beharrt der Assassin's Creed-Film auf seinen Plot in der Gegenwart.

Der größte Teil des Films spielt sich in einem dusteren Start-up-Keller ab. 50 Shades of Blue gibt es zu sehen und ein paar technische Spielereien. Aber warum hält sich der Film so viel länger in der drögen Gegenwart auf als die Spiele?

Assassin's Creed: Warum ist Abstergo so wichtig im Film?

Rein praktisch gesehen klingt das Nacherleben von fremden Erinnerungen nicht sonderlich aktiv. Außer natürlich, man hält einen Controller in Händen. Die historischen Settings in Assassin's Creed sind nicht vergleichbar mit der Matrix, in der der Filmheld seine Entscheidungen selbst trifft. Die Rahmenhandlung der Spiele stellte also von vornherein ein Problem für eine Verfilmung dar, das andererseits sicher auch hätte umgangen werden können.

Assassin's Creed

Laut Regisseur Justin Kurzel kam der Wunsch nach einem Setting in der Gegenwart von Ubisoft selbst. So erklärte Kurzel über die Diskussionen mit Entwickler, Publisher und Produktionsfirma Ubisoft:

[...] Im Spiel lässt man den Animus-Kram schnell hinter sich und kommt zum guten Kram, aber wir und Ubisoft waren einfach richtig, richtig begeistert von - und dachten es wäre ein exzellentes narratives Konzept - der Art und Weise, wie die Gegenwart komplett und absolut durch die Vergangenheit beeinflusst und manipuliert werden kann.

In dem Interview mit Den of Geek  sagte er weiter:

Das war auch eine wirklich aufregende Richtung, in die Ubisoft ihn bringen wollte, die den Film vom Spiel unterschied.

Die Verfilmung bereitet Sequels vor - macht aber keine Lust darauf

Die Begründung ist nachvollziehbar und das Ende von Assassin's Creed eröffnet dank der Einführung eines neuen Animus neue Möglichkeiten für Abenteuer in der Gegenwart. Doch selbst wenn man nicht auf den historischen Teil als wichtigsten Schauwert der Assassin's Creed-Spiele beharrt, bleibt die Filmversion trist.

Sie bereitet mehr vor, als dass sie erzählt, und erklärt zugleich viel zu wenig, um Neueinsteiger ins Boot bzw. den Heuwagen zu holen. Sie steckt voller Anspielungen auf die vielen Teile der Spielereihe, trifft aber zu keinem Zeitpunkt den abenteuerfreudigen Blockbuster-Ton der Spiele.

Kein Humor, kein Abenteuergeist, trübe Actionszenen und todernste Figuren, die sich Tech-Gebrabbel und Verschwörungs-Vokabular an den Kopf schmeißen - der Assassin's Creed-Film weckt nie den Wunsch, mehr von dieser Welt zu sehen, egal ob in der Vergangenheit oder der Gegenwart.

Assassin's Creed läuft am heutigen Sonntag 20:15 Uhr bei ProSieben, allerdings in einer um zwei Minuten gekürzten Fassung.

Was haltet ihr von dem Assassin's Creed-Film?

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