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Vom Fallen und Wiederaufstehen

The Fall - Auf den Schwingen der Fantasie

29.08.2015 - 09:00 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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The Fall: Die Hauptcharaktere
© selbst gemalt
The Fall: Die Hauptcharaktere
Der Kampf zwischen Realität und Fantasie tobt. Und zwar im Kopf der unschuldigen Alexandria. Die liebreizende Protagonistin in diesem Meisterwerk gewährt uns einen wunderbaren Einblick in Ihre Welt der Vorstellungskraft, wo Logik und  Zeit die zweite Geige spielen.

Sie gestatten, Beethoven

Eleganz und Magie umschmeicheln ihr Spiel, was den Blick des Zuschauers nicht abschweifen lässt. Harmonie und Chaos, Stillstand und Entwicklung. Sie ist die goldene Mitte des Anfangs, in der eine unserer Hauptfiguren einen Unfall erleidet. - Die Zeitlupe.


Hochmut kommt vor dem Fall

Roy wollte seine Ex-Geliebte mit einem waghalsigen Stunt beeindrucken. Leider will er zu hoch hinaus. Zu seinem Leidwesen muss er feststellen, dass seine alte Flamme während er sich um ihre Bewunderung bemüht, mit dem Hauptdarsteller des Films zugegen ist.

Untermalt wird die in leichtem Sepia gehaltene

Roy fällt tief. Allerdings nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes.



Orangen und Stunts

Aus der Dunkelheit entstehen dumpfe Farben, nur Pastelltöne. Ein Impuls. Es folgt der brennende Schmerz der Realität. Das Bewusstsein kommt ans Tageslicht. Verwirrung um die fehlende Erinnerung, die nicht verloren scheint. - Der Schock.

Alexandria trifft im Krankenhaus auf Roy

Los Angeles, im Jahr 1915: Wir finden uns in einem Krankenhaus wieder. Der verwundete Roy trifft dort auf Alexandria, eine junge Immigrantin und Leidensgenossin.

Was hast du mit deinem Arm gemacht?
Ich bin gefallen.
Ich auch.


Um dem Leid der Gefallenen zu entkommen, helfen sie sich gegenseitig, indem sie der Realität in die Welt der Fantasie entfliehen.


Von Rache und Liebe

Beflügelnd und niederschmetternd. Den Blick getrübt im rosa Licht der Liebe. Lebendig, aber träumend, durchströmt von Freude. Glas zerbricht. Auf den Frühling folgt der Winter. Erdrückende Schwere, japsend nach frischer Luft, atemlos. Dunkelheit umhüllt, Befreiung scheint in weiter Ferne. Fließende Traurigkeit, Wut gepaart mit Zorn, es folgt die späte Erkenntnis. - Der Liebeskummer.

Erzählst du mir jetzt die Geschichte?
Na gut, schließ die Augen. Was siehst du?

v.l.n.r.: Otta Benga, Luigi, der schwarze Bandit, der Inder und Darwin

Beginnend mit Stille, welche allerdings schnell von schrillen Farben verdrängt wird, begeben wir uns auf eine Reise voller Unmöglichkeiten, die durch Kombination von wunderbaren Naturpanoramen und einzigartigen Figuren mit fantasievollen, märchenhaften Kostümen beeindrucken kann.

Die Geschichte der fünf Männer ist Fantasie und Realität zugleich, jedoch nie in ihrer reinsten Form. Beides verschwimmt unentwegt und das während des Geschichtsverlaufs immer häufiger. Die Härte der unausweichlichen Realität und die Formbarkeit der Fiktion sind im stetigen Wandel mit sich selbst. Wird in der Wirklichkeit eine neue (meist unschöne) Wahrheit offenbart, wird diese sogleich in der Abenteuergeschichte verarbeitet.

Das Ziel der Helden ist es an Gouverneur Odious, der ihnen allen unsägliches Leid zugefügt hat, Vergeltung zu üben.

Die kleine Zuhörerin besetzt alle Rollen ihrer Geschichte mit Menschen aus dem Krankenhaus und dessen Umgebung. Der schwarze Bandit, mit dem sich zuletzt Roy identifiziert, verliebt sich in eine Prinzessin, die mit Gouverneur Odious verlobt ist, welcher in Roys Vorstellung die Züge seines Rivalen trägt.


Falsche Illusionen

Vernebelte Gedanken, die wahre Absicht verbergend. Zwischen Tod und Leben. In der Mitte von wahrer Verzweiflung und Freude findend, nicht frei denkend, ohne erreichbaren Ausweg das Licht des Lebens erloschen scheint. Spiel der Sehnsucht, Angst vor den Qualen des Alleingangs. - Der Todeswunsch.

Was ist sein Geheimnis?

Naivität ist eine dieser Eigenschaften, die nur selten nicht ausgenutzt wird. Vor allem, wenn man eine reelle Chance sieht, seinen Vorteil daraus zu ziehen, denkt sich in diesem Fall Roy. Seines Zeichens Bandit, versucht er Alexandria dahingehend zu manipulieren. Morphium heißt das Wundermittel, mit welchen er seinen Ausweg aus der dunklen Verzweiflung namens Liebeskummer plant.

In diesem traurigen Szenario ist kein Bilderbuch-Happy-End vorgesehen,- doch Alexandria übernimmt allmählich die Regie.

Den Ausgang des Films möchte ich euch gerne vorenthalten, denn jeder, der den Film nicht kennt, sollte diesen voreingenommen genießen können.


Epilog

Unausweichlich ist sie, das Tempo unlimitiert. Pfeilschnell und doch ewig still. Rastlos vorwärts, ohne sicheres Ziel. Sie beflügelt und hemmt zugleich, sie verändert und reift uns, auf das die Vollendung kommen mag. - Die Zeit.

Makellos: Die unendliche Weite der Wüste

Ausgehend von einer Geschichte, die auf wahrer Begebenheit beruht, hat mich Tarnsem Singhs bildgewaltige Hommage an frühere Zeiten, als der Schwarz/Weiß-Film geboren wurde, mehr als verzaubert. Mehreren Angaben zufolge verwendete der vielfach ausgezeichnete Musikvideo-, Werbe- und Spielfilm-Regisseur keine computeranimierten Spezialeffekte in seinem Film. Dafür ein "Hut ab"!

Fazit: Ein traumhaftes, audiovisuelles Film-Feuerwerk mit viel Herz, Tiefgang und unerwarteten Wendungen, welche an einigen Stellen durchaus für Verwirrung sorgen können. Wer nicht durch die Geschichte(n) in den Bann gezogen wird, der wird sicherlich an der visuellen Opulenz Gefallen finden.

Dieses sympathisch, größenwahnsinnige Werk kann man meiner Meinung nach als ein echtes Kunstwerk bezeichnen, weshalb ich mir die Mühe gemacht habe, diesem eine Zeichnung aus meiner Feder zu widmen.

eigenes Bild


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Dieser Community-Blog ist im Rahmen der Aktion Lieblingsfilm 2015 entstanden. Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Medienpartnern und Sponsoren für diese Preise.



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