Sogar Heidi Klum ist gelangweilt: GNTM hat ein gewaltiges Problem – dabei zeigt DSDS wie es richtig geht

17.02.2025 - 12:45 UhrVor 5 Tagen aktualisiert
GNTM ist seit 20 Jahren im TV. Leider gibt es dabei immer wieder dasselbe Problem.
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GNTM ist seit 20 Jahren im TV. Leider gibt es dabei immer wieder dasselbe Problem.
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GNTM ist extrem erfolgreich. Heidi Klums Modelshow läuft seit 20 Jahren bei ProSieben und es ist kein Ende in Sicht. Eine Sache nervt mich aber total – dabei wäre die Lösung so einfach.

Ich muss ein Geständnis ablegen: Trotz berechtigter Kritik schaue ich seit 20 Jahren Germany's Next Topmodel. Ist die Show ein perfides Reality-Spektakel, das Nachwuchs-Models gnadenlos vorführt? Absolut! Trotzdem komme ich einfach nicht von ihr los. Stockholm-Syndrom lässt grüßen.

Jetzt ist die große Jubiläumsstaffel bei ProSieben angelaufen, doch leider bleibt mein größter Kritikpunkt auch in diesem Jahr bestehen: Die Casting-Folgen zum Staffelauftakt sind das Langweiligste, was es im deutschen TV zu sehen gibt. Dabei haben wir doch eine Sendung, die uns zeigt, wie man es besser machen könnte.

GNTM-Castings sind das Schlimmste, was Reality-TV zu bieten hat

GNTM ist zurück – und leider erwartet uns in Folge 1 dasselbe Problem wie jedes Jahr: Das große Model-Casting ist einfach sterbenslangweilig. Statt mit einem Paukenschlag in Deutschlands erfolgreichste Castingshow zu starten, werden wir wieder mit purer Langeweile abgespeist.

Jahr für Jahr das gleiche Trauerspiel: Heidi Klum sitzt mit eingefrorenem Lächeln auf ihrem Thron und lässt Hunderte Frauen über den Laufsteg stöckeln. Eine kurze Drehung, eine wackelige Pose – und schon wird das nächste Gesicht abgefertigt. Wenn eine Kandidatin Glück hat, darf sie eine Frage beantworten; meistens ist nicht mal dafür Zeit. Die Nachwuchs-Models kommen und gehen, und nach zehn Minuten ist jedes Gesicht wieder vergessen. Drama, Emotionen, Spannung? Fehlanzeige.

Die einzige Konstante in diesen Folgen ist Model-Mama Heidi Klum. Doch die allein weiß einfach nicht zu unterhalten. Heidi macht keine bissigen Kommentare, sie zeigt kein Herzblut oder überzeugt mit Humor. Stattdessen bekommen wir zwei Stunden lang ihr seelenloses Hollywood-Lächeln serviert, hinter dem jeder Funke Authentizität erstickt wird. Klum verkommt zur Frau ohne Eigenschaften; keine Ecken und Kanten, an denen mein Interesse hängenbleiben könnte. Selbst der Gastauftritt von Tochter Leni bringt keine Action ins Geschehen. Statt uns mit einer einzelnen routiniert-langweiligen Klum-Dame zu quälen, bekommen wir eine Zweite gratis dazu. Danke, ProSieben.

Dabei ist das Problem offensichtlich: Wenn Heidi uns nicht fesseln kann und die Kandidat:innen nur wie anonyme Silhouetten an uns vorbeihuschen, kommt einfach keine emotionale Bindung auf. Wir bekommen nicht mal Tränen der Enttäuschung bei den ausgeschiedenen Models zu sehen.

Klar – für Heidi und ProSieben ist der Casting-Prozess ein notwendiges Übel. Schließlich müssen sie ganz genau prüfen, wer das Zeug hat, Germany’s Next Topmodel zu werden. Aber nur weil der Auswahlprozess für Heidi fordernd und ermüdend ist, darf sich diese Langeweile nicht ins heimische Wohnzimmer transportieren. Ich sitze schließlich nicht hier, um zu arbeiten – ich will unterhalten werden! (Okay, in meinem Fall ist es auch Arbeit, aber ihr wisst, was ich meine.)

GNTM, gib mir mehr Feuer!

Halten wir fest: Weder Heidi Klum noch die Nachwuchs-Models schaffen es in ersten Casting-Folgen, auch nur den kleinsten Funken Emotion in mir zu entzünden. Das Einzige, was mich in der zweistündigen Show interessiert: Welche Models Heidis Urteil überlebt haben und weitermachen dürfen. Das Ganze verbleibt aber so unpersönlich, dass eine Excel-Tabelle dieselbe emotionale Wirkung gehabt hätte.

Warum tut ProSieben nicht alles dafür, um die ersten Folgen einer neuen Staffel packender zu gestalten? Wo bleibt ein Köder, der mich ab Sekunde 1 bei der Stange hält? Gerade GNTM, das seit Jahren mit größeren Image-Problemen zu kämpfen hat, sollte es sich nicht erlauben, neue Zusehende in den ersten Folgen zu verlieren. Als leidgeprüfter Fan weiß ich, dass es von Episode zu Episode spannender wird und halte durch – doch nicht alle bringen so viel Geduld für Heidis Show auf, was sich an stetig sinkenden Quoten zeigt.

Ziehen wir einen Vergleich zu DSDS: Hier sind die Castings das absolute Highlight jeder Staffel, weil RTL für Drama, Konflikte und Emotionen sorgt. Wenn Dieter Bohlen Möchtegern-Sänger:innen mit brutalen Kommentaren zerlegt, ist das zwar nicht nett, aber zweifelsohne unterhaltsam. Außerdem werden hier die Kandidat:innen bei der Vorstellung mit emotionalen Storys unterfüttert. Eine Sache, die den GNTM-Castings selbst 20 Jahre später nicht gelingt. Würde sich die Modelshow als sachliche Dokuserie verkaufen, in der der authentische Model-Alltag im Vordergrund steht, könnte ich die Langeweile vielleicht noch verzeihen. Aber machen wir uns doch nichts vor: Es geht bei GNTM nicht ums Modeln, sondern um zwischenmenschliches Drama.

Doch wie lässt sich das Problem lösen?

Eigentlich ist die Antwort erstaunlich simpel: Der Casting-Prozess muss aufregender werden wie bei DSDS. Gebt uns verrückte Challenges, setzt uns eine Jury vor, die echte Emotionen in sich trägt, und zeigt uns Momente, die über Heidi Klums gelangweiltes Herumsitzen hinausgehen. Oder: Lasst die drögen Castings einfach weg und beginnt in Folge 1 mit der Top 40. Schließlich wird die Show ohnehin erst dann interessant, wenn wir im Cast unsere ganz persönlichen Favoriten entdecken, mit denen wir über Wochen hinweg mitfiebern. GNTM läuft jedes Jahr monatelang im Free-TV. Ein paar Füll-Episoden weniger könnte wirklich jeder verschmerzen.

Aktuell läuft GNTM mittwochs und donnerstags um 20:15 Uhr auf ProSieben. Alle erschienenen Folgen können bei Joyn gestreamt werden.

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