So wirkt sich Netflix ohne Werbung auf Kinder aus

Netflix kann süchtig machen, hat aber wenigstens keine Werbung
© Netflix/Warner Bros.
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Diesen Fakt sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen: Fast jedes zweite Kind, das einen Werbespot im Fernsehen sieht, wünscht sich anschließend auch das gezeigte Produkt (via Marken-Artikel-Magazin). Die Folgen sind nicht selten eine Szenerie der Peinlichkeit an der Supermarkt-Kasse und ein Geldbeutel mit deutlich mehr Vakuum als zuvor. Die Quengelware hat ihren Namen ja nicht von ungefähr.

Ein Kind sieht im Jahr über 400 Stunden Werbung

Zu verdanken haben wir das dem Pombär und seinen treuen Freunden wie der Milka-Kuh mit dem Gendefekt. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Werbung einen erschreckenden Einfluss auf Kinder haben kann und dass diese überwiegend vor der Flimmerkiste konsumiert wird.

Doch etwas ändert sich: Immer häufiger greift die Jugend zu Streamingplattformen wie Netflix. Und da diese ohne Anzeigen auskommen, werden Kinder diesen folglich auch weniger ausgesetzt. Sogar deutlich weniger.

  • Eine Studie der University of Michigan ergab, dass 2-5-Jährige durchschnittlich im Jahr 32 Stunden pro Woche vor dem Fernseher verbringen. Das macht im Jahr 1664 Stunden TV-Konsum pro Kopf.
  • 6-11-Jährige halten sich 28 Stunden die Woche, also 1456 Stunden im Jahr vor dem TV-Gerät auf.

Berücksichtigen wir eine 2014 erfolgte Auswertung der Nielsen Company (via LA Times), laut der eine Stunde Fernsehprogramm rund 15 Minuten Werbung beinhaltet, kommen wir bei einem 2-5-Jährigen auf über 400 Stunden Fernsehkonsum jährlich, der ausschließlich aus Werbung besteht. Bei Kindern, die jedoch ihre Inhalte nur über Streaming beziehen, entfällt dieser Wert.

Bei der Studie der Universität in Michigan sollen jedoch 97 Prozent der Kinder linear fernsehen, also klassisch und live. Nur ein Bruchteil bleibt also vom Einfluss der Werbeblöcke verschont. Dennoch geht der Trend immer mehr in Richtung Video On Demand, was vor allem bundesweit gilt.

Der Digitalisierungsbericht 2018 der Medienanstalten ergab zuletzt, dass deutsche Nutzer zwischen 14 und 29 Jahren überwiegend nonlinear Filme und Serien betrachten. im Vergleich zum Vorjahr stieg der VoD-Gebrauch um mehr als ein Viertel.

Englischlernen mit Netflix: Streaming als Schule

Speziell der kommende Streamingdienst Disney+ dürfte auch das Interesse der jüngeren Zuschauer auf sich ziehen. Diese Entwicklung kann man kritisch betrachten oder auch positiv interpretieren. Denn unabhängig vom Suchtfaktor von Binge Watching, Jugendschutz oder dem generellen überhöhten Bildschirm-Gebrauch - Plattformen wie Netflix können sogar fördern.

Hierzulande sehen immer mehr Menschen, darunter auch Familien und Jugendliche, ihre Formate in Fremdsprachen. Laut der Süddeutschen hat eine neue Studie ergeben, dass 84 Prozent der befragten Kinder glauben, ihre Englischfähigkeiten durch Fernsehen im Originalton zu verbessern.

Werbung auf Netflix: Bald Realität?

Wer stattdessen auf ProSieben, RTL und Co. Filme sieht, muss sich in der Regel mit deutscher Vertonung begnügen, der Zugang zum besseren Englisch bleibt da natürlich aus. Im Pay-TV gibt es zumindest zum Beispiel bei Sky alternative Tonspuren. 72 Prozent der Kinder ziehen im Bezahlfernsehen diese sogar vor.

Keine Werbung, bessere Noten und keine Quengelware mehr – das klingt zu schön, um wahr zu sein. Der von der Monetarisierung befreite Spielplatz könnte aber auch bald Geschichte sein, Stimmen werden laut, Werbung sei in Zukunft auf Netflix angesichts der immensen Produktionskosten der hauseigenen Inhalte unausweichlich.

Eigentlich ist die sogar schon längst anwesend: Produktplatzierungen wie ein KFC-Eimer in Stranger Things sind beim Streaming-Giganten keine Ausnahme. Chicken Wings machen sich beim Fernsehabend ja ohnehin sehr gut. Womit wir wieder beim Quengeln wären.

Kann Netflix gut für Kinder sein oder ist es gefährlich?

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