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TV-Kult im Kino

Kottan kehrt zurück

25.01.2010 - 16:24 Uhr
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Kottans Kapelle
© Eurovideo
Kottans Kapelle
Inspektor gibt’s koan! Doch gibt es! Denn wenn sich die Ankündigung bewahrheitet, wird Kriminalmajor Adolf Kottan unter der bewährten Führung von Peter Patzak noch einmal ermitteln.

Ein echter Kult-Charakter kehrt zurück. Doch wer war Kottan eigentlich?

Die Serie Kottan ermittelt, die zwischen 1976 und 1983 mit sieben 90min und weiteren elf 60min-Folgen über die Bildschirme lief, war eigentlich etwas das es nicht geben durfte. Zwischen all dem öden Muff und Mief, den uninspirierten Kriminalern des ZDF, den Alten, Derricks und so weiter, gab es plötzlich ein völlig abgedrehtes anarchistisches Element, das nicht nur das Krimigenre parodierte, sondern alle Sehgewohnheiten und Sicherheiten über den Haufen war.

Waren die ersten Vogel mit Peter Vogel als Kottan noch vergleichsweise konservativ inszeniert (wobei sie durch sehr bösartige Zeichnung des kleinbürgerlichen Millieus überzeugen konnten), wurde spätestens mit dem zweiten Kottan-Darsteller Franz Buchrieser, die typische satirisch, karikierende Stimmung der Serie etabliert. Running Gags, wie abgefahrene Autotüren, beständig zu heißer Kaffee oder der Sandler Drballa, der dazu verdammt ist über jede Leiche zu stolpern, deren Mörder Kottan und seine Truppe ermitteln müssen.

Virtuos setzte Autor Helmut Zenker und Regisseur Peter Patzak, die für alle Folgen verantwortlich zeichnen, den immer absurder werdenden Humor mit einer langsamen, sehr trockenen Erzählweise in Szene, die selbst die albernsten Momente nie hysterisch werden lässt. Schon früh setzte die, sowohl von Publikum als auch vom Sender immer sehr kritisch beäugte Serie, auf Selbstreferenzen, brach mit den Konventionen des Mediums. Wenn der bekannteste und letzte Kottan-Darsteller Lukas Resetarits bei seiner Frau ins Regal schaut und seine beiden Vorgänger in der Kottan-Rolle dort stehen sieht und nur meint: “Hoast ja bald a riachtige Gallerie dor.”, wenn im Fernsehen eine frühere Kottan-Folge läuft und sich Kottan über diesen Scheiß aufregt der gesendet wird, wenn man konsequent nur griechische oder russische Zeitungen liest, weil man ja keine Werbung machen darf oder wenn eine Laufschrift während einer Verfolgungsjagd darüber informiert, daß man beruhigt aufs Klo gehen könne, weil der Mörder eh entkommt, dann wird einem klar, wie bizarr diese Serie noch heute ist und wie revolutionär sie damals war.

Kein Wunder, daß beim ZDF damals besorgte Anrufe eingingen, als in einer Kottan-Folge eingeblendet wurde, das Ufos gelandet seien und man in den Nachrichten gleich mehr darüber erfahren würde. Kein Wunder. daß die Senderchefs die Serie hassten, kein Wunder, daß der Großteil der deutschen Zuschauer mit diesen Krimis nicht so recht warm wurde. Was zur gleichen Zeit in amerikanischen Serien wie “Soap” zaghaft ausgetestet wurde, das Spiel mit dem Medium, mit vertrauten Elementen, die gezielte satirische Demontage einer Gesellschaft, eines Genres, ohne dabei zur Klamotte zu verkommen, setzte das Duo Zenker/Patzkak ohne Rücksicht auf Verluste um. Nach jedem kritischen Rüffel gingen sie noch weiter, drehten noch mehr auf, stießen die Zuschauer noch mehr vor den Kopf.

Kottan: “I rauch ned, i trink ned und i hob nix mit andere Frauen.”
Elvira: “Gar koan Fehler?”
Kottan: “Doch – I liag manchmal.”

Auch heute wird die Serie, grade auch ob ihrer lakonischen Erzählweise, der Langsamkeit und der 70er Jahre Optik nicht jedermanns Sache sein. Der Witz, der sich oft grade durch Pausen, durch den behäbigen Wiener-Dialekt erschließt. Fans des Kriminalmajors werden sich, auch heute noch bestens amüsieren, über eine der skurrilsten und intelligentesten Krimiserien die je im deutschsprachigen Raum produziert wurden. Diskussionen gibt es da wohl hauptsächlich, welcher der beste Kottan war, ob die früheren subtileren oder die völlig durchgeknallten späten Folgen die besseren sind.

Kottan: “Is des Herz frisch?”
Metzger: “Wolln`s a EKG mochen?”

Nachdem der ORF die Serie 1983 gegen den Willen ihrer Schöpfer absetzte, entwickelte sich ein wahrer Kult um den eigenwilligen Kommissar, der sich in Comics, Romanen und Hörspielen fortsetzte. Viele Zitate, wie das “Inspektor gibts koan!” oder das verzweifelt gebrüllte “Koooooooottan!” von Pilch, sind auch heute noch im Ohr.

Jüngst verkündete Regisseur Peter Patzak im Interview mit DER WELT überraschend, das er Kottan aus dem Ruhestand holen will, weil: Die Welt brauche ihn.
Auch wenn Hemlut Zenker 2003 verstorben ist, soll der neue Film der Figur treu bleiben. Das Buch schreibt dessen Sohn Jan Zenker, der sich dabei auf einen Entwurf stützt, der noch von seinem Vater stammt. Die Hauptrolle wird wieder Resitarits spielen, der diesmal Unterstützung durch Helge Schneider und Iris Berben erhält, nachdem ein Großteil der Originalbesetzung inzwischen verstorben ist.

Regisseur Patzek, der noch der endgültigen Finanzierungszusage harrt, erklärt warum Kottan zurückkehren muss.

“Kottan kehrt zurück, nicht nur, weil es ein großes Bedürfnis nach dieser Erzählform gibt, sondern auch, weil es eine Zeit ist, die ihn braucht – politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich, eine Zeit, in der das Wort Peinlichkeit nicht mehr existiert. Eine Zeit, in der Geiz, Gier und Peinlichkeit zu Großattributen geworden sind, was sich überall niederschlägt, im Fernsehen, im Stadtbild, im Umgang zwischen den Menschen. Das Motiv seiner Rückkehr liegt in der Notwendigkeit begründet, nach so vielen Jahren einen Kommentar abzugeben.”

Hoffen wir mal das es klappt. Denn wenns schon kein Inspektor gibt, dann wenigstens einen Kriminalmajor. Bis dahin hier nochmal einen Trailer zum DVD-Release der Original-Serie:

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