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Große deutsche Sender kündigen Ermittlungen gegen Dieter Wedel an

01.02.2018 - 14:00 Uhr
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Dieter Wedel
© Creative Commons CC-BY-SA-3.0 / GFDL
Dieter Wedel
Nachdem Regisseur Dieter Wedel nun mehrfach des sexuellen Missbrauchs während der Dreharbeiten deutscher Fernsehproduktionen beschuldigt wurde, wollen Sender wie Sat.1 und der SR gegen den Filmemacher ermitteln.

Anfang Januar veröffentlichte das Zeit-Magazin den Artikel Der Schattenmann, in welchem Opfer und Zeuginnen von sexuellen Übergriffen des deutschen Regisseurs Dieter Wedel an Filmsets berichteten. Seitdem traten immer mehr Schauspielerinnen und Mitglieder der Branche vor, die ähnliche Äußerungen über den Filmschaffenden trafen oder die getätigten Aussagen bestätigten. Nun wollen auch deutsche Fernsehsender reagieren und kündigen Untersuchungen vergangener Filmproduktionen an, an denen Dieter Wedel beteiligt war. Unter anderem nahmen sich der Saarländische Rundfunk (SR), der Norddeutsche Rundfunk (NDR) sowie Sat.1 und die Produktionsfirma Bavaria dem Thema an, wie Spiegel Online  und Meedia  berichten.

Demnach sollen unter anderem die Dreharbeiten zur SR-Serie Bretter, die die Welt bedeuten aus dem Jahr 1981 sowie dem Sat.1-Mehrteiler Der König von St. Pauli, der 1998 gedreht wurde, noch einmal genauer unter die Lupe genommen werden. Dabei soll vor allem beleuchtet werden, welche Rolle die Produktionsfirmen und Sender bei den Vorkommnissen gespielt haben. So soll der Saarländische Rundfunk bei der Produktion von Bretter, die die Welt bedeuten durch ärztliche Atteste und Anwaltsschreiben mutmaßlicher Opfer über die Taten informiert gewesen sein, ließ die Dreharbeiten des Films unter Dieter Wedel jedoch einfach weiterlaufen. Eine interne Untersuchung gegen den damaligen Intendanten des Konzerns soll bereits eingeleitet worden sein. Weiterhin sagte der SR auf Anfrage von Meedia:

Ziel ist es nicht, auf voyeuristische Art mögliche Vergehen von Dieter Wedel anzuprangern, die womöglich strafrechtlich verjährt sind, sondern die Systeme, Mechanismen und Verhaltensweisen auszuleuchten, die damals solche Delikte ermöglicht haben, um gegebenenfalls in Verantwortung für jetzige und kommende Generationen Kontrollmechanismen sowie eine Atmosphäre der Transparenz und des Miteinanders zu schaffen

Auch Sat.1 sieht sich in der Pflicht, in den eigenen Reihen kein Auge zuzudrücken und versucht die mutmaßlichen Taten, die schon mehrere Jahrzehnte zurückliegen, zu rekonstruieren:

Als Konzern haben wir eine moralische Verantwortung, unsere Mitarbeiter und die Mitwirkenden an unseren Produktionen vor sexueller Diskriminierung und Machtmissbrauch zu schützen.

Mitte Januar leitete die Münchener Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Dieter Wedel ein. Der Filmemacher bestreitet nach wie vor alle ihm vorgeworfenen Delikte, die sich auf sexuelle Belästigung, Demütigung, Mobbing bis hin zu Vergewaltigung belaufen.

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