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Ein Emmy für Musik als Waffe

29.11.2012 - 08:50 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Musik als Waffe
© Java Films/moviepilot
Musik als Waffe
Einen Emmy zu gewinnen ist an sich schon Ehre genug. Aber doppelt hält besser, weshalb ein Filmemacher und sein Werk auch an dieser Stelle noch einmal gewürdigt werden.

Auszeichnungen gibt es viele. Beinahe tagtäglich werden irgendwo auf der Welt Menschen geehrt, die etwas Außergewöhnliches getan oder geschaffen haben. Die Voraussetzungen für einen Preis schwanken dabei ganz schön, dementsprechend bedeutend oder unbedeutend sind die vergebenen Auszeichnungen. Ein paar Verleihungen haben sich jedoch als weltweit angesehen herauskristallisiert. Eine davon ist der Emmy, der für herausragende Fernsehbeiträge verliehen wird. Einer der Gewinner dieses Jahr ist der Hamburger Dokumentarfilmer Tristan Chytroschek, der sich eines brisanten und wichtigen Themas gewidmet hat.

Missbrauch von Musik
Erst wenige Tage ist es her, da wurde in New York der International Emmy Award vergeben. Diesmal ging der renommierte Preis nach Deutschland. Aber nicht für irgendeinen Film, sondern für einen, der grausame Folter gnadenlos aufdeckt und anprangert. Musik als Waffe von Tristan Chytroschek schildert, wie beispielsweise in Guantánamo Inhaftierte andauernder Beschallung mit Musik ausgesetzt sind, um auf diese Weise gebrochen zu werden. Die Foltermethode bedient sich aber nicht nur harten Heavy-Metal-Klängen, sondern auch scheinbar harmloser Lieder aus der Sesamstraße. Musik als Waffe stellt den perfiden Gebrauch der Songs dar und schlägt dabei auch eine Brücke zur historischen Verwendung von Musik in Kriegszeiten, sowohl im positiven, die eigene Moral stärkenden Sinne, als auch im negativen, den Feind demoralisierenden.

Populär über Umwege
Dass der Dokumentarfilm, der bisher nur einmal im Jahr 2010 auf Arte ausgestrahlt wurde, überhaupt für den Emmy nominiert wurde und diesen auch noch gewann, kam für Tristan Chytroschek überraschend, denn er hatte sein Werk gar nicht selbst eingereicht. Offenbar erkannte aber jemand beim ZDF, dass Musik als Waffe sich von anderen Beiträgen abhebt. Dass dieser Film und sein Macher ausgerechnet in New York ausgezeichnet wurden, ist eine weitere Besonderheit, die diese Geschichte noch ein Stückchen unglaublicher macht. In den USA wurde Musik als Waffe nämlich nie gesendet. Das Thema war den amerikanischen Sender schlicht zu heiß. Die Ausstrahlung übernahm stattdessen der arabische Nachrichtensender al-Dschasira, der auch in den USA empfangen werden kann. Offenbar war das Interesse an Musik als Waffe so groß, dass einige der bekanntesten Zeitungen der USA anschließend darüber schrieben.

Gegen das Unrecht
Sich gegen Unrecht einzusetzen, verdient grundsätzlich ein Lob. Tristan Chytroschek hat dies mit seinem Film getan und wurde zurecht belohnt. Dabei war ursprünglich gar nicht die vom US-Militär angewendete Foltertaktik der Dauerbeschallung der Grund, einen solchen Film zu machen. Erste Gedanken an eine Dokumentation über den Missbrauch von Musik kamen Tristan Chytroschek, als er vor Jahren ein altes Buch fand, das Propagandalieder der Nazis beinhaltete. Als später Berichte aufkamen, wie Musik zur Folterung von Menschen genutzt wird, setze der Filmemacher sein Idee in die Tat um. Wer sich selber einen Eindruck von dem Werk, durch das der bekannte amerikanische Komponist Christopher Cerf führt, machen möchte, kann das natürlich tun. Zum einen ist der Film auf YouTube zu sehen, zum anderen hat das ZDF angekündigt, Musik als Waffe in Kürze senden zu wollen. Eine weise Entscheidung. Es gilt nur zu hoffen, dass der Sendetermin nicht irgendwann mitten in der Nacht liegt. Ein solch lobenswertes Projekt hat nämlich viele Zuschauer verdient.

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